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Wei Hui: Marrying Buddha

marrying buddha

Coco, die Protagonistin, ist eine fesche und junge Chinesin und eine etablierte Schriftstellerin. Sie tingelt zwischen Shanghai – New York umher und genausowenig wie sie sich geografisch zwischen Ost und West entscheiden kann, sowenig weiss sie, für welchen Mann sie sich festlegen soll: Muju, der sensible Japaner, oder Nik, der Prototyp des erfolgreichen Amerikaners mit Clooney-Visage. Zumindest ist sie sich sicher, welches qipao sie zu jedem Date anziehen soll…

Die chinesische Autorin feierte einen internationalen Erfolg mit „Shanghai Baby“, das in China verboten wurde. „Marrying Buddha“ ist die Fortsetzung des dekadenten Erstlingswerks. Und wer jetzt weder das eine noch das andere gelesen hat, der sollte der Versuchung des Klappentextes widerstehen. Von „Leidenschaft“ und „erotischen Abenteuern“ ist da die Rede, die „Freundin“ verspricht sogar „Direktheit“ und „Unterhaltung“.

Direkt ist Wei Hui allemal, wenn sie von „Vagina“ und „Geschlecht“ schreibt; oder davon, dass es das Leben verlängert, wenn der Mann nicht ejakuliert. Weniger unterhaltsam und auch erotisch sind ihre abgedroschenen Gefühlsduseleien, die in jedem 3-Groschen-Roman fantasievoller geschildert werden. Informativ dagegen, welche Schuhe die Jet-Set-Frau von heute zu welchem Restaurant bevorzugt und welches Outfit am besten für Nervenzusammenbrüche geeignet ist:

„Ich brach in Tränen aus und verbarg mein Gesicht hinter meinem Chanel-Hut und der Sonnenbrille von Armani. Die Tränen hinterließen auf meinen Wangen glühende Spuren, ich war total am Ende.

Die heiße Herbstsonne der südlichen Hemisphäre brannte auf die bevölkerte Straße nieder, ich saß unter dieser Sonne und kostete stumm das Gefühl aus, verletzt und mißverstanden zu sein.“

Der Rückschluß, dass Wei Hui mehr durch das politisch-moralische Aufhebens von „Shanghai Baby“ in ihrere Heimat bekannt wurde und weniger durch ihr schriftstellerisches Talent, liegt sehr, sehr nahe. Für guten Stil, Dramatik und Originalität hat „Marrying Buddha“ jedenfalls keinen Preis (und die Autorin keinen Cent) verdient und wird demnächst zwar nicht in den Ofen aber dafür auf den Flomarkt landen. Wenn banaler, anspruchsloser Liebes-Kitsch, dann doch lieber Rosamunde P.

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