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Stieg Larsson: Verdammnis

Unter weiter geht’s mit den nächsten 750 Seiten: Wen der erste Teil der Millenium-Trilogie noch nicht so recht überzeugt hat, sollte dennoch weiterlesen, denn „Verdammnis“ topt den ersten Teil um Längen. Der Wirtschaftsjournalist Blomkvist und sein Mitarbeiter Dag Svensson sind einer heissen Story über Mädchenhandel und Prostitution in Schweden auf der Spur.

Die Hackerin Lisbeth – ein bisschen verschnupft, weil Mikael die Beziehung zu Erika weiterführt – ist natürlich darüber voll im Bilde. Obwohl sie jeden Kontakt zu Mikael verweigert, kann sie es nicht lassen, ab und zu in seinem iBook nachzusehen, an was der Journalist gerade arbeitet. Als sie in Mikaels Rechercheunterlagen Namen entdeckt, die ihr aus der Vergangenheit wohl bekannt sind, beginnt sie auf eigene Faust nachzuforschen.

Der junge Journalist Dag Svenson bietet Mikael Blomkvist für sein Magazin “Millennium” eine Geschichte an, die Mädchenhandel und Prostitution zum Thema hat. Der Gräuel von verschleppten Mädchen und Prostituierten-Morde ist zudem eng verwoben mit der ersten Garnitur schwedischer Politiker und Beamte. Sie beginnen, zusammen an dieser Geschichte zu arbeiten, um daraus ein Themenheft für das Magazin „Millennium“ und ein Buch zu machen.

Gerade hat sich Lisbeth einigermaßen in ihrem Leben zurecht gefunden: Durch die (im ersten Teil) unterschlagenen Wenström-Millionen hat sie genug finanzielles Polster, sich erstmal eine längere Weltreise zu gönnen. Erst der Tod ihrer Mutter zwingt sie, nach Schweden zurück zu kehren. Zurück in Stockholm kauft sie sich erstmal ein 300 m2 großes Penthouse, plündert den halben IKEA und belebt alte Kontakte – unter anderem zu Miriam, einer Lesbe, der sie kurzerhand ihre alte Wohnung überschreibt.

Mikael geht sie erfolgreich aus dem Weg – sie öffnet weder seine Briefe noch E-Mails. Als sie sich in seinen Laptop hackt, erfährt sie, an was Mikael und Dag arbeiten. Als sie immer wieder auf ihr bekannte Namen stösst (u.a Nils Bjurman) beschließt sie, Dag zu kontaktieren, denn Lisbeth weiß mehr von der drohenden Gefahr durch eine Veröffentlichung des Materials. Sie macht sich auf, Dag in seiner Wohnung aufzusuchen.

Kurz darauf werden Dag und seine Frau in ihrer Wohnung kaltblütig erschossen aufgefunden. Es ist ausgerechnet Mikael, der durch Zufall die Leichen entdeckt. Er bemerkt auch die liegen gebliebene Waffe im Stiegenhaus, die die Polizei später als Eigentum von Nils Bjurman identifiziert. Und neben den Fingerabdrücken des Besitzers findet die Polizei auch Lisbeths Abdrücke. Als auch noch der Rechtsanwalt und Lisbeths Bevollmächtigter Bjurmann wenig später ebenfalls erschossen aufgefunden wird, mutiert Lisbeth automatisch zur Tatverdächtigen Nummer eins. Die Jagd und Hetze nach der „psychopathischen Satanistin“, an der sich auch sämtliche schwedischen Medien anschliessen, beginnt…

Lisbeth taucht erstmal in ihrer luxuriösen Wohnung unter und ist somit auch für ihre Freunde nicht aufspürbar. Doch Mikael, der von Lisbeths Unschuld überzeugt ist, weiß, wie er Kontakt zur angeblichen 3-fach Mörderin aufnehmen kann – über sein eigenes iBook, zu dem Lisbeth Zugang hat.

Sie überlegte eine Weile und legte dann ein neues Dokument an, das sie ‚An MikBlom‘ nannte. Sie schrieb nur ein einziges Wort hinein.

Zala.

Das dürfte ihm erst mal Stoff zum Nachdenken geben.

Sie saß immer noch vor dem Bildschirm und grübelte, als Mickale Blomkvist plötzlich seinen Computer startete. Seine Antwort kam, kurz nachdem er ihre Datei gelesen hatte.

Lisbeth,

Du verdammt anstrengender Mensch. Wer zum Teufel ist Zala? Ist er die Verbindung? Weiß Du, wer Dag & Mia ermordet hat? Wenn ja, sag es mir, damit wir diesem Elend ein Ende machen können.

Mikael

Okay. Zeit ihn zu ködern.

Sie legt ein neues Dokument namens ‚Kalle Blomkvist‘ an. Sie wusste, dass er sich darüber ärgern würde. Dann schrieb sie die kurze Mitteilung.

Du bist der Journalist. Finde es raus.

Wie erwartet, antwortete er auch darauf sofort und appellierte an sie, sie solle zur Vernunft kommen. Er versuchte, sie über die Gefühlsmasche zu kriegen. Sie lächelte und verließ seine Festplatte.

Der zweite Teil der Trilogie ist stilistisch komplett anders als der erste: eine dramatische Szene nach der anderen (u.a. ein wirklich filmreifer Boxkampf) und keine weit schweifenden (familien-spezifischen) Ausführungen mehr. Durch die sich abwechselnden Erzählperspektiven erhält man einen gründlichen Einblick in die Ermittlungsarbeiten von Mikael, Armanskij und der Polizei. Man merkt wie subtil der Autor die Geschichte konstruiert, die vielschichtigen Verbindungen rund um die Protagonistin Lisbeth konstruiert und alles für die Auflösung im dritten Teil („Vergebung“) vorbereitet.

Rezension: NR. 157
16. November 2009

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