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Alison Croggon: Land des Todes

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Der deutsche Titel hält eigentlich davon ab, zu diesem Buch zu greifen. Und auch der Klappentext überzeugt nicht. Trotzdem: Die Geschichte rund um die Hexe Lina und ihrem Gefährten Damek ist weder langweilig noch platt. Sie beginnt damit, als der Schriftsteller Oskar Hammel für geraume Zeit in den düsteren Norden – in das Land des Todes – reist, um Abstand vom Leben in der Stadt zu gewinnen. Er bezieht ein gemütliches Landhaus in der Nähe der Schwarzen Berge. Oskar ist sich darüber klar, dass – im Gegensatz zur Stadt – das ländliche Leben durchwegs von Magie und Zauberei geprägt ist. Nach einer unliebsamen Begegnung mit dem Hausherrn Damek, beschließt Oskar mehr über ihn zu erfahren. Und davon handelt dieses Buch: von Lina mit den violetten Augen, die als Tochter eines Lords und als Hexe geboren wird und deren Schicksal mit Damek eng verwoben ist.

„Mein lieber Hammel“, sagte er, als er sich wieder beruhigt hatte. „Ich weiß, dass du im Gegensatz zu mir noch nicht durch das Land des Todes gereist bist. Du mast den Namen vielleicht für pathetisch halten: Ich versichere dir, das ist er nicht. Es gibt kaum düstere Anblicke als jene trostlose Landschaft von Friedhöfen! Vergiss nicht, dass der Norden ist die Wiege der Vendetta, der Blutrache. Dort hat der Tod eine andere Bedeutung: die Menschen leben unter seinem Zepter, und der Tod ist ihre Währung. Die Landschaft ist, das versichere ich dir, von höchst romantischer Schönheit, doch es ist eine ausgesprochen herbe Schönheit. Dort wirst du dem Leben in seiner rausten Form und unbemäntelten Blöße begegnen! Eh du dich versiehst, wirst du dich nach den überlaufenen Straßen der Stadt sehen!“

Dass Lina eine Hexe ist, bedeutet für ihre Familie eine Tragödie, denn im düsteren und kalten Norden dürfen nur Männer Magie und Zauberei ausüben. Aber Lina wird abgöttisch geliebt und beschützt: von ihrem Vater, ihrer Amme und deren Tochter Anna. Und ganz besonders von Damek, ihrem Ziehbruder. Aber Lina macht es ihnen nicht leicht: Sie hat einen starken Charakter, ist intelligent, aber auch jähzornig und unberechenbar.

Als ihr Vater stirbt, ist es mit Linas unbeschwerter Kindheit und Jugend vorbei. Die Ländereien fallen an den skrupellosen und unbarmherzigen Masko, der Lina misshandelt und immer wieder erniedrigt. Anna verlässt Lina, um am Hof des Königs zu arbeiten, und auch Damek wendet sich nach einem heftigen Streit mit Masko von Lina ab. Um auch sie aus dem Haus zu haben, verheiratet Masko Lina mit dem zurückhaltenden Tibor. Die beiden scheinen gut zusammenzupassen und es dauert nicht lange, bis Lina schwanger ist. Die nächste Katastrophe bahnt sich an, als Damek plötzlich vor ihrer Tür steht – mit der Absicht, einen dunklen Plan umzusetzen.

Eine düstere und kalte Landschaft mit vorwiegend schlechten Wetterverhältnissen, ein Ort, in der das Gesetz der Blutrache, gesellschaftliche Konventionen und das Wort eines Zauberers herrschen, trostlose Gemäuer, in denen leidenschaftliche Protagonisten leben. Die Atmosphäre ist düster und schaurig, die Handlung dramatisch. Aber trotz aller Leidenschaften ist dies kein Liebes- oder Schauerroman. Hier kämpft eine junge Frau gegen ihre Bestimmung, gegen soziale Vorurteile und Regeln.

Das Buch, das den besseren Original-Titel „Dark Spring“ trägt, hat mehrere Stärken: Die Autorin erzählt die Geschichte aus der Sicht verschiedener Personen. Sie lässt Oskar beginnen, der die Leserschaft gekonnt einstimmt. Dann ist es entweder Anna oder Lina, die berichten und die Ereignisse vorantreiben. Die Handlung ist gut strukturiert und durchdacht. Das alles wird dem Leser mit einer wohlüberlegten und ausgefeilten Sprache präsentiert, die den Leser dazu bringt, weiter zu blättern. Definitiv kein Mainstream-Fantasy.

Rezension: NR. 323
8. August 2014

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