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C.D. Payne: Tauben, die den Mambo tanzen

Hier erwartet euch eine abgedrehte Geschichte! Ihr werdet Versuchslabore mit anderen Augen betrachten und urbane Freiheit neu definieren. Doch bevor’s ans Eingemachte geht: Schaltet euer Hirn aus und vergesst, was ihr jemals über den Umgang mit Zigaretten und Alkohol gelernt habt. Nur dann erst, könnt ihr diesen Trip genießen… Robin und seine Jungs führen als Probanden ein unbeschwertes Leben in einem Versuchslabor, wo sie den ganzen Tag nichts anderes tun als rauchen, Sherry trinken und den Mädls schöne Augen machen. Doch Aktivisten des „TOG“ (Tierschutz ohne Grenzen) machen dem pomadigen Dasein ein jähes Ende und plötzlich befinden sich die Jungs auf weiter Wildbahn, sprich inmitten der Großstadt San Francisco.

„Hallo, Sie“ rief, ich. „Können sie uns sagen, wo wir hier sind?“
„Ihr seid in der großen Stadt, Jungs. In San Francisco.“
„San Francisco!“, wiederholten wir.
„Und wie kommen wir nach Berkeley?“, fragte Honkey.
„Indem ihr über ‚Los‘ geht“, erwiderte der Fremde und lachte schallend über seinen schlechten Witz.
Ich beschloss, einen letzten Versuch zu unternehmen: „Könnten Sie uns vielleicht sage, wo es Hygi-Taubenkorn gibt?“
„Klar. Im Garten des Palace Hotel. Ich hab gehört, dass das Futter dort hundertprozentig hygienisch sein soll.“
„Super“, entgegnete ich. „Ist es zu Fuß erreichbar?“
„Ich denke, schon“, meinte er. „Zwei Häuserblocks nach Osten, einen nach Norden. Aber auf dem Luftweg geht’s schneller.“
„Oh, wir fliegen nicht“, erklärte ich. „Wir sind keine Tauben.“
„Ihr seid keine Tauben, soso? Wollt ihr Jungs euch etwa als Palmtauben ausgeben? Lasst euch eins gesagt sein: Eine Palmtaube ist nichts anderes als eine stinknormale Taube, die sich gut vermarktet.“
„Sie verstehen mich nicht“, entgegnete ich. „Wir sind keine Vögel. Wir sind Menschen.“

Robin, Honkey und Petey sind im Versuchslabor aufgezogene Tauben und fest davon überzeugt zur menschlichen Spezies zu gehören. Deshalb können sie auch nicht fliegen, dafür aber hervorragend Mambo tanzen (dieses Talent stellen sie später in einer zwielichten Bar unter Beweis).

In freier Natur heisst es nun, Zigaretten und Alkohol selbst beschaffen – und da sie dabei nicht gerade zimperlich vorgehen, sind sie bald nur als „Killertauben“ bekannt. Probleme mit der Futter- und Getränkesuche, Identitätskrisen und die Unfähigkeit zu Fliegen: Die Tauben-Jungs kommen mit dem Leben „draussen“ nicht so recht klar und wollen schnellstens wieder zurück ins traute Versuchlabor.

Da kann nur einer helfen: Sam Spade. Doch dass der berühmte Detektiv bloß eine Romanfigur von Dashiell Hammett ist, wissen sie nicht. Sie machen sich auf die Suche nach ihm, denn er soll sie zurück in das Labor führen. Und während der Suche nach Sam treffen sie auf Kanarienvögel, Falken, Möwen und andere Tauben.

Wie Schafe unsere Umwelt erleben, wissen wir seit „Glennkill„. Nun sind wir schlauer, was die etwas verdrehte Vogelperspektive betrifft. Mit Kopffedern sind unsere Haare gemeint, unsere Hände werden als Flügel bezeichnet, und ein plüschiges Abfallpapier kann unter Umständen auch ein Teppich in einem Luxus-Hotel sein.

Rezension: NR. 60
[ssba]
6. September 2007

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