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Carlos Ruiz Zafón: Mitternachtspalast

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Dieser Roman ist der zweite der dreiteiligen „Young Adult“-Serie des spanischen Schriftstellers Zafón. Kalkutta, 1932: Für den 16jährigen Ben und seine Freunde ist es Zeit, Abschied zu nehmen. Das letzte Schuljahr ist zu Ende und das bedeutet auch, dass sie ihr Zuhause, das Waisenhaus St. Patrick’s, verlassen müssen. Bei der Abschiedsfeier lernt Ben das Mädchen Sheere kennen, das zusammen mit ihrer Großmutter den Direktor des Waisenhauses besucht. Doch gerade als sich Ben und seine Freunde mit Sheere so richtig anfreunden, explodiert das Büro des Direktors. Jahawal, der dämonisch-irrer Mörder aus der Vergangenheit, ist zurück. Der Mann trug einen langen schwarzen Umhang, und um seinen Kopf war ein Turban geschlungen, an dem ein schwarzes Medaillon mit einer Schlange zu erkennen war. Sein gemessenes Auftreten legte die Vermutung nahe, dass es sich um einen reichen Händler aus Nord-Kalkutta handelte. seine Gesichtszüge waren die eines Hindus, doch seine Haut wirkte krankhaft blass. Es war die Haut eines Mannes, der nie das Sonnenlicht sah.“

Ein gefährliches Abenteuer beginnt: Jahawal hat nur einen Grund den Leiter des Waisenhauses aufzusuchen. Er ist auf der Suche nach einem 16jährigen Jungen, nach Ben. Doch Carter gibt ihm keinerlei Informationen, was er mit einem Anschlag büssen muss. Bevor Carter schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht wird, muss Ben ihm schwören, eine Dame namens Aryami Bosé aufzusuchen, um sie zu warnen. Als Ben später diese Frau aufsucht stellt sich heraus, dass sie Bens Großmutter ist, dass Sheere niemand anderes ist als seine Zwillingsschwester und dass Jahawal beide töten will. Da Jahawal die Geschwister gleich nach der Geburt töten wollte, wurden die Zwillinge getrennt. Ben wurde vor den Toren des Waisenhauses gelegt, Sheere blieb bei ihrer Großmutter.

Ein altes Rätsel gilt es zu lösen: Warum werden die Geschwister von Jawahal bedroht und verfolgt? Zusammen mit der „Showbar Society“, einem geheimen Bund von sieben Mitgliedern, heften sich Ben und Sheere auf die Spuren ihrer Vergangenheit. Bald stellen sie fest, dass sich alles um einen verlassenen Bahnhof, wo einst hunderte Waisenkinder in einem Zug verbrannten, dreht.

Er schloss die Augen und sah dann erneut hin, weil er glaubte, Opfer einer Halluzination zu sein. Aus der Dunkelheit tauchte ein in Flammen gehüllter, rot glühender Zug auf. Er konnte die in Todesangst verzerrten Gesichter Dutzender Kinder sehen, die in seinem Inneren eingeschlossen waren, und den Funkenregen, der in alle Richtungen davonstob und eine Glutfontäne bildeten. Seine Augen wanderten den Zug entlang bis zur Lokomotive, eine beeindruckende Skulptur aus Stahl, die langsam zu schmelzen schien, wie eine Wachsfigur, die man ins Feuer warf. Im Führerstand war inmitten der Flammen die reglose Gestalt zu erkennen, die er im Hof gesehen hatte, nur dass sie einladend die Arme ausbreitete.

Er spürte die Hitze der Flammen auf seinem Gesicht und hielt sich die Ohren zu, um nicht länger die wahnsinnigen Schreie der Kinder zu hören. Der Feuerzug überquerte die Brandfläche, und Ben stellt entsetzt fest, dass der brennende Koloss in voller Fahrt und mit der Wucht einer Brandbombe auf das Gebäude von St. Patrick’s zuraste.

Zafón kann einem das Gruseln lehren: Wie auch in „Fürst des Nebels“ muss besonders der jugendliche Leser mit Gänsehaut und dem Drang zum Weiterlesen rechnen. Eine mit Überraschungen gespickte Handlung und die wechselnde Erzählperspektive gestalten dieses Buch zu einem unheimlichen, schauerlichen Schmöker-Happening.

Leseprobe – Der Mitternachtspalast

Rezension: NR. 214
16. Januar 2011

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