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Félix J. Palma: Die Landkarte der Zeit

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Romantische Liebe, prominente Protagonisten und Zeitreisen durch die Jahrhunderte in drei Geschichten verpackt – es ist viel, was den Leser in „Die Landkarte der Zeit“ erwartet. Stunden, die man ausschließlich mit vergnüglichem Lesen verbringt, sind garantiert. Im viktorianischen London gegen Ende des 19. Jahrhunderts sind Zeitreisen ganz fashionable. H.G. Wells hat „Die Zeitmaschine“ veröffentlicht und ein fragwürdiger Geschäftsmann das Unternehmen „Zeitreisen MURRAY“ gegründet. Nun sind die betuchten Londoner mit nichts anderem beschäftigt als in einen Zug zu steigen, um im Jahr 2000 die Entscheidungsschlacht zwischen Mensch und Maschine mitzuerleben. Und inmitten des herrschaftlichen und zugleich verkommenen London verlieben sich die Menschen ineinander, hadern mit ihrem Schicksal und versuchen ihr Spiel mit der Zeit.

Falls du wie alle vernunftbegabten Menschen glaubst, dass die Zeit ein Strom ist, der alles mit sich reißt zum dunkelsten Ufer, so wirst du hier feststellen, dass die Vergangenheit wieder gefunden werden und der Mensch auf seinen eigenen Spuren wandeln kann dank einer Maschine, mit der er durch die Zeit zu reisen vermag.

Andrew Harrington ist ein junger Mann und aus reichem Elternhaus. Da passt es so gar nicht in das familiäre Konzept, dass sich der Sohn unglückseligerweise in eine Prostituierte verliebt. Gleichzeitig verrichtet der wohl berühmteste, englische Serienkiller Jack the Ripper in den dunklen Gassen Londons sein mörderisches Handwerk. Das kann nicht gut gehen, mutmaßt der Leser gleich zu Beginn und seine Vermutungen werden bestätigt, als Marie hingemetzelt wird. Andrew kann den Tod seiner Liebe nicht überwinden, er verfällt in Lethargie und versucht acht Jahre später sein Leben zu beenden. Doch sein Cousin und bester Freund Charles schreitet dazwischen und kann ihn mit einer ausgefallenen Idee vor dem Selbstmord bewahren. Er macht Andrew den Vorschlag, die Dienste von H.G. Wells und seiner Zeitmaschine in Anspruch zu nehmen, um die Vergangenheit zurechtzurücken.

Wenn dir unsere Reise in die Vergangenheit gefallen hat, geschätzter Leser, wirst du auf den nun folgenden Seiten dieses ergreifenden Büchleins das Privileg einer Reise in die Zukunft genießen und den berühmten Krieg des Jahres 2000 gegen die ruchlosen Maschinen erleben können.

Claire Haggerty, ebenfalls aus gutem Hause, ist eine für damalige Verhältnisse „problematische“ Person. Sie passt mit ihren Ansichten und Einstellungen so gar nicht in das viktorianische England. Ihr Drang nach Unabhängigkeit widerspricht einer Heirat mit einem gut situierten Mann, ihre Abenteuerlust will sie sich nicht durch die herrschenden gesellschaftlichen Konventionen einschränken lassen. Zudem träumt sie von einer gleichberechtigten Liebe zu einem starken, aufgeklärten Mann. Claire ist also kreuzunglücklich mit ihrer langweiligen, festgeschriebenen Umwelt. Als Claire jedoch mit „Zeitreisen MURRAY“ das London im Jahre 2000 besucht, passiert das Unmögliche: Sie verliebt sich – ausgerechnet in den gut aussehenden Hauptmann Shackleton, der sich gerade den entscheidenden Kampf mit dem Maschinenkönig liefert. Es ist Liebe auf den ersten Blick aber Claires Versuche im Jahr 2000 zu bleiben, scheitern. Sie muss zurück.

Inspector Garrett ist ein junger, intelligenter und zurückhaltender Polizist bei Scotland Yard. Als er zu einer auf der Straße liegenden Leiche gerufen wird, fällt ihm die immens große Schusswunde sofort auf. Er weiß, dass es nur eine Waffe gibt, die solche Wunden verursachen kann. Aber diese Waffe gibt es eigentlich noch gar nicht, denn sie stammt aus dem Jahr 2000. Garrett hat sie dort auf dem Schlachtfeld in den Händen des Hauptmanns Shackleton gesehen. Garrett begibt sich auf die Jagd nach einem Mörder, der noch gar nicht geboren ist.

Sind Zeitreisen möglich? Der spanische Autor Félix J. Palma hat zur Geschichte DEN Experten für Zeitreisen herangezogen: H. G. Wells. Der berühmte englische Utopist spielt in dieser Geschichte eine tragende Rolle und ist ein Verbindungsglied zwischen den drei unabhängig gestalteten Handlungssträngen. Erst gegen Ende werden die Schicksale von Andrew, Claire und Garrett miteinander verwoben. Dann, wenn man als Leser glaubt, der Roman wäre zu Ende, kommt endlich die Landkarte der Zeit auf den Tisch – und mit ihr ein teuflischer Bibliothekar, der nichts anderes im Sinn hat, als die Zeit für seine Machenschaften zu manipulieren. Nun beginnt die Geschichte wirklich fantastisch zu werden!

Der Trick, reale Prominenz in Fiktion einzubinden ist nicht neu, wird aber hier sehr geschickt und fantasievoll eingesetzt. Zudem reichert Palma diesen Bestseller mit einigen überraschenden Wendungen in der Handlung aus. Der Erzählstil ist detailliert, flüssig und durch das zeitweilige direkte Ansprechen des Lesers sehr lebendig gestaltet. Alles in allem ein wirklich gelungenes und empfehlenswertes Buch, das das Prädikat „Bestseller“ verdient hat!

Website „Die Landkarte der Zeit“ inkl. Gewinnspiel und Hörprobe

Rezension: NR. 196
[ssba]
15. Oktober 2010

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