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Jan Weiler, Hans Traxler: Gibt es einen Fußballgott?

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Unerklärliche Dinge werden gerne irgendwelchen Göttern in die Schuhe geschoben. Warum nicht auch, wenn es um Fußball geht? Tausende pilgern zu einem Stadion, der einem Tempel gleicht, der lederne Ball wird als Reliquie verehrt und so mancher Trainer wirft sich zu Boden, um den Rasen zu küssen. Fussball ist eine Religion. Keine Frage, dass es daher auch einen Fußballgott geben muss. Doch Götter sind launisch und nicht immer auf der richtigen Seite, wie man’s gerade jetzt bei der WM mitverfolgen kann. Da hat der Kicker Adrian schon mehr Glück in seinem Leben: Adrian ist fußballtechnisch gesehen eine volle Niete: leidliche Kondition, null Spielverständnis und seine Ballbeherrschung ist lächerlich. Aber immer, wenn er auf die Ersatzbank geschickt wird, beginnt er zu träumen… Von einer steilen Fußball-Karriere, von Pokalen und hübschen Mädls, von Geld und einem jubelnden Publikum. Doch damit, dass gerade der Fußballlgott ihm seine innigsten Wünsche erfüllt, hat er nicht gerechnet.

Plötzlich verwandelte sich der Rauch, verformte sich zu einer riesigen rosa Quellwolke, und bald war es Adrian, als entstünde daraus ein Bild. Das Stadion verschwand dahinter, und die Leinwand in Adrians Traumkino war erfüllt von einem rauschebärtigen Gesicht, das ihn eindringlich ansah.

«Hallo, Adrian», sagte das Gesicht mit ruhiger und würdevoller Stimme.

«Wer bist du?», fragte Adrian ängstlich.

«Ich bin der Fußballgott.» «Es gibt einen Fußballgott?»

«Jawoll.»

«Ehrlich?»

«Wenn ich es dir doch sage», sagte der Fußballgott etwas ärgerlich.

«Du bist die Erfüllung meiner geheimsten Wünsche», sagte Adrian demutsvoll und verschwieg die Tatsache, dass er sich eigentlich den richtigen, den großen, den Obergott gewünscht hatte. Aber wenn es denn einen Fußballgott gab, sollte der auch reichen.

Der Fußballgott, dem Adrians Fantasien schön gehörig auf den Geist gehen, bietet ihm einen Deal an: Adrian wird in jeder Saison so viele Tore schießen, wie es Spiele gibt. Pro Spiel ein Tor. Falls er bei einem Spiel ausfällt, wir ihm dieses Tor für das nächste gut geschrieben. Als Gegenleistung muss Adrian nur eines tun: Die Klappe halten.

Natürlich schlägt Adrian ein und seine Träume gehen in Erfüllung. Es mutet zwar etwas seltsam an, dass er immer nur ein Tor pro Spiel schießt und davor sowie danach ziemlich ungelenkt und tolpatschig zwischen den Spielern herumsteht, doch Tor ist Tor und bis jetzt hat noch jedes Genie seine Eigenheiten. Doch anders als bei Cinderella, bei der die Geschichte mit der Hochzeit mit dem Prinzen endet, wird hier das Märchen weiter erzählt…

Der Autor dieser Geschichte, Jan Weiler, kommt eigentlich aus der Werbung, hat aber dann eine journalistische Karriere eingeschlagen. Den Roman-Lesern unter uns ist er durch „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ und „Antonio im Wunderland“ bekannt. Hans Traxler ist Maler und Cartoonist und hat das Büchlein „Gibt es einen Fußballgott“ liebevoll illustriert. Märchen-Fans haben ihn mit der populärwissenschaftlichen Abhandlung „Die Wahrheit über Hänsel und Gretel“ noch in Erinnerung. Mit dem Büchlein „Gibt es einen Fußballgott?“ ( es hat nur 70 Seiten), ist ihnen ein satirisches Märchen über Fußball gelungen und es kann aufgrund seiner Kürze locker in zwei Halbzeiten genossen werden.

Rezension: NR. 184
[ssba]
9. Juli 2010

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