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Marita Sydow Hamann: Die Erben der alten Zeit – Das Amulett

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Der Norden Europas ist literarisch gesehen eine hervorragende Schmiede von Krimis und Thrillers. Die in Norwegen geborene Autorin Marity Sydow Hamann zeigt mit ihren Fantasy-Büchern, dass auch in diesem Genre Skandinavien Ausgezeichnetes zu bieten hat. Die Heldin in dieser Geschichte ist die 14-jährige Charlotta, kurz Charlie, ein Waisenkind und auf der Suche nach ihren Wurzeln. Als sie ihre Akte aus dem Büro der Sozialarbeiterin klaut, weiß sie zwar mehr über sich, doch die Informationen sind verwirrend. Von einem mysteriösen Nebel ist da die Rede, und dass aus diesem Nebel eine Kiste mit einem Baby heraus rollte. Der Akte liegt auch ein heller Stein mit roten Verzierungen bei. Um mehr über den Stein und über die seltsamen Umstände ihrer Entdeckung herauszufinden, haut Charly erst einmal von dem Kinderheim ab. Als sie auf ihrer Flucht durch die schwedischen Wälder in eine Nebelwolke gerät, beginnt Charlies Abenteuer. Der Nebel lichtet sich und unsere Heldin steht plötzlich nicht mehr in einem Wald, sondern auf einer Blumenwiese. Sie sieht einen schneeweißen Elch und schaumfurzende Tausendfüßler. Wo ist sie da bloß gelandet?

Seitdem sie in den Nebel eingetaucht war, hatte sie keine Vorstellung mehr davon, wo sich die Grenze zwischen Einbildung und Realität befand. Sie musste wohl oder übel die Realität neu definieren. Aber wie? War sie durch den Nebel in eine versteckte, geheime Welt auf der Erde gelangt? Schließlich sprechen die Menschen hier eine dem Schwedischen verwandte Sprache. Aber wieso gibt es zwei Monde?

Was Charlie zunächst in Angst und Schrecken versetzt, ist die wundersame Welt von Vanaheim, eine Art Parallel-Welt zur Erde. Aber im Gegensatz zu unserer technokratisch geprägten Umwelt herrscht in Vanaheim tiefstes Mittelalter. Nicht nur mit ihrem Feuerzeug erregt Charly Aufsehen – das Entfachen von Feuer ist ausschließlich den Magiern vorbehalten -, sondern auch durch ihre verschieden farbigen Augen. Zusammen mit ihren neuen Freunden Biarn, Tora und Kunar findet sie heraus, dass sie mithilfe des Amulettes zwischen den Welten reisen kann. Aber auch der machtgierige Magier namens Oden erfährt durch seine Spione von Charlys Fähigkeiten.

„Das Amulett“ ist der erste Band der Trilogie „Die Erben der alten Zeit“. Die Autorin, inspiriert von nordischer und antiker Mythologie, verknüpft sie geschickt Legenden mit Märchen, lässt Vampire und Kobolde erscheinen und Drachen sowie auftreten. Der Roman bekommt dadurch eine charmante Verspieltheit, die jedoch immer wieder von Spannungselementen unterbrochen wird, sodass auf keinem Fall so etwas wie Langeweile entsteht. Die Protagonistin ist klug und gewitzt, die Autorin lässt sie dennoch Schnitzer machen, was den Charakter authentisch macht. Die Nebendarsteller – insbesondere Charlies Freunde in Vanaheim – wachsen einem schnell ans Herz. Es sind junge Erwachsene, um die es sich dreht, und Marita Sydow Hamann lässt dies nie außer Acht. Wer auf der Suche nach einer ausgefallenen Alternative zu Büchern von Kerstin Gier, Cassandra Clare, Rick Riordan oder Maggie Stiefvater ist, dem sei dieses Buch wärmstens zu empfehlen.

Marita Sydow Hamann

Foto: Sophie Wolter

Rezension: NR. 320
27. April 2014

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