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Martin Millar: Die Elfen von New York

Heather und Morag sind zwei schottische Distelfeen, die sich gemeinsam mit den Kindern des Feenkönigs von Cornwall nach New York der Jetztzeit verflogen haben. Die Distelfeen finden Unterschlupf bei Dinnie, einem „übergewichtigen Menschenfeind“, doch nach einem heftigen Streit trennen sich die beiden. Morag bleibt bei Dinnie, Heather quartiert sich bei Kerry, einer liebenswürdigen aber todkranken Künstlerin, ein. Und weil sowohl Heather als auch Morag ziemliche Sturköpfe sind, beginnen sie einen Wettstreit um eine alte, schottische Geige.

Soweit zu der Handlung (in etwa)… Heather und Morag sind so etwas wie anarchistisches Chaos. Sie lieben Whiskey und Bier und sind ebenso bestimmten Pilzen nicht abgeneigt. Seitdem die beiden in New York herumgeistern, bringen sie nicht nur das Leben von Kerry und Dinnie völlig durcheinander, sie legen sich auch noch mit den lokalen Elfen-Clans von Little Italy und Chinatown an. Währenddessen setzt der Elfenkönig in Cornwall alles daran, die abtrünnigen Elfen aufzuspüren und nach Hause zu schaffen. Und die ganze Aufregung für eine alte Geige, ohne die die Elfen nicht in ihr Königreich zurück können.

Ich muss zugeben, ich habe mich – trotzdem ich Elfen und Feen ziemlich niedlich finde – bei diesem Roman nicht zu Hause gefühlt. Vielleicht liegt es daran, dass meine (zugegebenermaßen romantischen) Vorstellungen der leichtgewichtigen Naturgeister mehr durch Shakespeare, Collodi, Bradley oder Tolkien geprägt wurden. Insofern tu ich mich richtig schwer mir kleine, zarte Wesen als besoffene und bekiffte Plagegeister vorzustellen. Sogar Dobby der Hauself – der nun ja wirklich nicht der traditionellen Vorstellung entspricht – erscheint mir in diesem Zusammenhang als sympathischer und geistreicher Kerl.

Die Geschichte rund um ein paar Elfen im modernen New York erschien mir zunächst als originelle Idee. Leider wird sie aber dermaßen verworren und sprunghaft erzählt, dass man 1. ziemlich lange braucht, bis man sich hinein gefunden hat und 2. einem die Aneinanderreihung von mehr oder weniger zusammenhangloser Sätze auf die Nerven geht. Der relativ derbe Erzählton mag für manche frech und witzig klingen, für mich dröhnt er wie ein plumper Holzhammer, bei dem nicht einmal versucht wird, irgendwas zu treffen. Ein Buch, das ich einem eingefleischten Fantasy-Fan oder einer Leseratte, die dies noch werden möchte, nicht in die Hand drücken würde.

Dinnie, ein übergewichtiger Menschenfeind, war der schlechteste Geiger von New York. Trotzdem übte er gerade Tapfer, als zwei hübsche schottische Feen durch sein Fenster im vierten Stock flatterten und auf seinen Teppich kotzten.

„Entschuldigung“, sagte die eine.

„Ach was“, sagte die andere. „Für Menschen reicht Feenkotze bestimmt köstlich.“

Zu dem Zeitpunkt war Dinnie aber schon halb die Treppe hinunter und wurde immer noch schneller.

„Zwei Feen sind durch mein Fenster reingeflogen und haben auf meinen Teppich gekotzt!“, schrie er, als er unten auf der 4. Straße angekommen war. Er merkte gar nicht welche Wirkung seine Worte auf die Passanten hatten, bis ein paar Häuser weiter die Müllmänner ihre Tonnen abstellten und ihn auslachten.

„Was is los?“

„Da oben“, schnaufte Dinnie. „Zwei Feen – mit Schottenröcken und Fiedeln und kleinen Schwertern… grünen Schottenröcken.“

Die Männer starrten ihn an. Dinnies Monolog stockte.

„Heh“, rief der Vorarbeiter. „Kümmert auch nicht um den Verrückten. Macht weiter mit euerer Arbeit. Los. Vorwärts. Beeilung!“

„Wirklich, es stimmt“, protestierte Dinnie, aber sein Publikum hatte sich verzogen. Niedergeschlagen sah Dinnie den Männern nach.

Die haben mir nicht geglaubt, dachte er. Kein Wunder. Ich glaub’s mir ja selbst nicht.

Rezension: NR. 170
27. März 2010

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