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Matt Ruff: Fool on the Hill

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Eine Geschichte zu erzählen, reicht Matt Ruff wohl nicht. Es müssen gleich mehrere sein – und dem nicht genug verpasst er den vielen Handlungen auch noch ein mythologisch-fantastisches Mascherl.

Kobolde, Musen, sprechende Vierbeiner und auch ganz normale (und auch nüchterne) Studenten und Professoren tummeln sich am Campus der Cornell University irgendwo auf einem Hügel in Amerika. Stephen lässt grad einen Drachen steigen, Puck läuft seiner Ex-Freundin nach und im fernen New York machen sich Luther und Blackjack auf den Weg, den Himmel zu suchen. Und all diese anfänglichen Belanglosigkeiten sind Teil eines grossen Plans, eines erzählerischen Konzepts, an das ein alter Grieche schon seit Jahrhunderten arbeitet.

Mr. Sunshine ist Grieche und seit einer ewigen Zeit auf der Welt. Er ist der (pensionierte?) Gott der Dichtkunst (Apollon -> Phoebus -> Sonnengott) und im Jahre 1866 gerade damit beschäftigt, eine grossartige Geschichte zu spinnen, deren Höhepunkt aber erst in unserer Gegenwart stattfinden soll. Er beginnt damit, einen reichen Geschäftsmann zu überreden, eine Universität auf einem Hügel in Ithaca (New York) zu gründen.

Cornell University in Ithaca, Gegenwart: Hier lebt Stephen Titus George (-> St. Georg, der Drachentöter), ein begnadeter Schriftsteller ohne Geldsorgen. Auf dem Campus sind auch die Kobolde Puck und Zephyr zu Hause, die – sichtbar nur für Kinder, Betrunkene und irre Norgweger – ihr liebevolles Unwesen treiben. Zwei weitere Gemeinschaften, die von Mr. Sunshine als wesentlich für die Geschichte bestimmt werden, müssen ihren Weg auf den Hügel noch finden. Luther und Blackjack, ein Mischlingshund und ein räudiger Kater, haben sich von New York auf die Reise gemacht, um den Himmel zu finden. Die Bohemians – eine (Rand-)Gruppe aus selbsternannten Ritter der Schwachen, Witwen und Enterbten – sind per Pferd und Harley ebenfalls unterwegs nach Ithaca.

Natürlich ist es kein Zufall, dass sich alle diese Haupt- und Nebendarsteller in Ithaca einfinden, denn ihnen wird eine besondere Aufgabe zuteil. Als eine kleine Büchse mit der Aufschrift „Pandora“ am Friedhof geöffnet wird, weckt das den Engerling Rasferret – ganz nach Mr. Sunshines Plan – zu neuem Leben. Endlich kann Rasferret wieder so richtig fies, brutal und sehr, sehr böse sein. Hund und Katz, Kobolde, die Bohemians und der Schriftsteller samt seiner Prinzessin Aurora müssen nun gegen Rasferret kämpfen, damit ihre Welt nicht von ferngesteuerten Ratten übernommen wird.

„Fool on the Hill“ ist eine real-fantastische Geschichte, die wohl ein bisschen nach Überforderung klingt. Ziemlich viele Protagonisten, Handlungsstränge und Querverweise zur griechischen und germanischen Mythologie können auch einen überzeugten Fantasy-Fan einschüchtern. Auf wundersame Weise verheddert sich jedoch der Autor keineswegs sondern behält immer den roten Faden in dieser romantisch-tragischen-witzigen-schrulligen Mehrwert-Geschichte im Auge.

Rezension: NR. 159
[ssba]
16. Dezember 2009

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