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Michael Scott: Der dunkle Magier

„Der dunkle Magier“ ist der zweite Band über die Geheimnisse des 600 Jahre alten Alchemysten Nicholas Flamel. Es geht hauptsächlich um Abrahams Buch der Magie, mit dem man Unsterblichkeit und die Weltherrschaft erlangen kann. Der böse Counterpart (Dr. Dee und Niccolò Machiavelli) hat bereits das Buch in seinem Besitz – bis auf die letzten zwei Seiten, die Flamel in Verwahrung hat. Und gemäß einer Prophezeiung können nur die Zwillinge Josh und Sophie die Menschheit retten. Sechs spannende CDs umfasst die Hörspiel-Fassung, gerade richtig, wenn man auf den Weg in den Süden stundelang im Stau stehen muss. Flamel, die Kriegerprinzessin Scathach und die amerikanischen Zwillinge Josh und Sophie sind über ein Krafttor im heutigen Paris gelandet. Ausgerechnet dort, wo sich auch ihr Widersacher Machiavelli aufhält. John Dee, der im Besitz des magischen Buches ist, beauftragt Machiavelli, die vier umzubringen, um an die zwei fehlenden Seiten des Buches zu kommen. Die Zwillinge, die in diesem Buch erwähnt werden, sind Jugendliche und in der Magie noch nicht fertig ausgebildet. In der Stadt der Liebe findet nun ein magischer Kampf statt, den der Leser/Hörer nicht so schnell vergessen wird.

Michael Scott versorgt uns hier mit allem, was Fantasy spannend und interessant macht. Die Geschichte um das magische Buch ist vielschichtig und abwechslungsreich: Die Jagd nach den letzten Seiten des Buches und die dort beschriebene Prophezeiung bilden nur eine Erzählebene. Die Erweckung der Kräfte von Sophie und Josh, wie Dr. Dee erfolgreich Zwietracht zwischen den beiden säht oder die Geschichte um Flamels Frau, die aus den Kellern von Alcatraz flieht, die seltsame Kriegerprinzessin Scathach, die noch eine Rechnung mit Machiavellis Sekretär offen hat … sind weitere Erzählstränge, mit denen uns der Autor dazu bringt, die nächste CD in den Player zu schieben. Noch dazu zieht Michael Scott alle Register, die uns aus der Mythologie, Sagen und Legenden bekannt sind und setzt sie – da ja der Roman im heutigen Paris spielt – in unsere Gegenwart.

„Machiavellis schmale Lippen verzogen sich zu einem seltenen Lächeln. Die Masken würden ihm gehören! Das Lächeln verging ihm allerdings, als sein Handy in seiner Smokingtasche zu vibrieren begann. Einen Augenblick lang war er versucht, es zu ignorieren – schließlich hatte er seinen Mitarbeitern strikte Anweisung gegeben, ihn nur im äußersten Notfall zu stören. Dann zog er das superschlanke Nokia heraus.

Ein Schwert pulsierte sacht auf dem LCD-Display.

Machiavellis Miene versteinerte. Schlagartig wusste er, dass er die Kabuki-Masken auch in diesem Jahrhundert nicht würde kaufen können. Er drehte sich auf dem Absatz um, verließ den Raum und drückte das Handy ans Ohr. Er hörte noch, wie hinter ihm der Hammer des Auktionators auf das Pult krachte. »Verkauft. Für zweihundertundsechzigtausend Euro.«

»Ich bin da.« Machiavelli sprach italienisch, die Sprache seiner Kindheit.

Die Verbindung war schlecht, es knackte und knisterte, dann meldete sich eine Stimme in derselben Sprache, allerdings mit englischem Akzent und in einem Dialekt, den man in Europa seit über vierhundert Jahren nicht mehr gehört hatte. »Ich brau­che deine Hilfe.«

Der Mann am anderen Ende der Leitung stellte sich nicht vor. Das war auch nicht nötig, denn Machiavelli wusste, wer es war: der unsterbliche Magier Dr. John Dee, einer der mächtigs­ten und gefährlichsten Männer der Welt.

Niccolò Machiavelli verließ rasch das Hotel. Auf dem großen, gepflasterten Quadrat des Place du Tertre blieb er stehen und holte tief Luft. »Was kann ich für dich tun?«, fragte er vorsich­tig. Er hasste Dee und wusste, dass das Gefühl auf Gegenseitig­keit beruhte. Aber sie dienten beide den Dunklen Wesen des Älteren Geschlechts, und das bedeutete, dass sie schon jahr­hundertelang zur Zusammenarbeit gezwungen waren. Machia­velli war auch etwas eifersüchtig auf Dee, weil dieser jünger war als er – und man es ihm ansah. Machiavelli war 1463 in Florenz geboren und somit 64 Jahre älter als der englische Magier. In den Geschichtsbüchern stand, dass er im selben Jahr gestorben sei, in dem Dee geboren wurde, nämlich 1527. »Flamel ist wieder in Paris.«

Machiavelli straffte die Schultern. »Seit wann?«

»Gerade angekommen. Über ein Krafttor. Ich weiß nicht, wo er herauskommt. Er kommt mit Scathach.«

Machiavellis Gesicht verzog sich zu einer hässlichen Grimasse. Das letzte Mal, als er der Kriegerprinzessin begegnet war, hatte sie ihn durch eine Tür gestoßen. Die Tür war zu gewesen, und es hatte fast einen Monat gebraucht, bis alle Splitter aus seinem Rücken entfernt waren.

»Außerdem haben sie zwei Humani-Kinder dabei. Ameri­kaner«, sagte Dee. Seine Stimme kam mal laut und mal leise über die transatlantische Verbindung. »Zwillinge«, fügte er hinzu.

»Sag das noch einmal.«

»Zwillinge«, schnaubte Dee. »Mit Auren aus reinem Gold und Silber. Du weißt, was das bedeutet.«

»Ja«, murmelte Machiavelli. Es bedeutete Ärger. „

Der dritte Band über das magische Buch und den Alchemysten Nicholas Flamel erscheint voraussichtlich im Frühjahr 2010. Hier schon mal eine Leseprobe.

Rezension: NR. 136
14. Juni 2009

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