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Nicole Rensmann: Niemand

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Das Niemandsland hat noch kein Mensch jemals betreten. Und soweit soll es auch gar nicht kommen! Und deshalb hat der Herrscher des Landes den Befehl gegeben, die Grenzen streng zu bewachen. Doch im Laufe der Zeit werden die Wachen träge und spielen lieber „Scharzer Peter“. Außerdem hat der Herrscher mittlerweile Besseres zu tun. Er mus seinen Thron verteidigen, denn sein Bruder spitzt auf die begehrte Krone. Und da ist auch noch sein ungeliebter Sohn, der eigentlich der wahre Herrscher über das Niemandsland ist.

Uns so kommt es, dass ein Mensch das Niemandsland betritt. Es ist Nina, ein vierzehnjähriges Mädchen mit blonden Haaren und blauen Augen, das sich im Land der Fantasie verlaufen hat. Sie wird vom Sohn des Herrschers in einer Wiese entdeckt.

„Wer ist da?“
Die klare Stimme des Dings verschlug ihm für einen Moment den Atem, dann antwortete er hastig: „Niemand.“
Es sah in alle Richtungen, die Angst roch nun widerlich bitter. „Bitte tu mir nichts.“
„Was machst du hier? Ich habe so etwas wie dich noch nie gesehen.“
„Ich habe mich verlaufen“, flüsterte das Ding und sagte lauter: „Wo bist du? Ich kann dich nicht sehen.“
„Das ist normal. Ich bin Niemand.“
„Wie meinst du das, du bist niemand?“
Die Angst schrumpfte und nun roch es nach Neugier. Das war gut. Niemand mochte die würzige Neugier. „Ich bin Niemand, Herrscher des Niemandslandes.“
„Aber wie kann ein Niemand ein Herrscher sein?“
„Weil Niemand Sonst mein Vater ist und ich sein Sohn bin.“

Dass ein junger Mann „Niemand“ heißt und dass dieser Niemand auch noch unsichtbar ist, sind nur die ersten und harmloseren Seltsamkeiten, auf die Nina im Niemandsland stösst. Bald begegnet sie auch den Goldgelockten-Giganten-Greislingen, die für Niemands Vater Niemand Sonst spionieren. Da sind die Laberköppe Pin und Nöckel schon freundlicher und auch die Klimper-Wünsche-Fee ist von dem Mädchen fasziniert. Und als Nina mit Niemand durch das Niemandsland spaziert, tauchen so nach und nach auch die restlichen Bewohner auf: das Wurzelmännchen, der Drecksack, der Nikolaus, der Heilige Geist und das Himmlische Kind, Arschkriecher, Trauerklöße, Schaumschläger, E-Mann-Zehen, Stromschwimmer und schlussendlich die Rote Armee.

Die beiden Helden der Geschichte erleben faszinierende Abenteuer, die in dem Kampf zwischen Vater und Sohn ihren Höhepunkt finden. Nina ist am Fortlauf der Geschichte nicht unbeteiligt. Durch ihre Art verändert sich nicht nur Niemand, der plötzlich nur noch süßen Erdbeerduft verströmt, sondern auch das Niemandsland und seine Bewohner.

Dieses Buch ist ein nicht alltäglicher Fantasy-Roman und etwas ganz Besonderes. Nicole Rensmann kombiniert eine liebevolle märchenhafte Handlung mit einer ausgefeilten sprachlichen Kreativität. Was diesen Roman zu einem Highlight der Fantasy-Literatur macht, ist die Wortwörtlichkeit und die daraus resultierenden humorvollen Wortspiele. In diesem Roman ist ein Drecksack ein dreckiger Sack, und ein Trauerkloß eine kleine schleimige Kugel, die sich am liebsten in einem Hals einnistet. Und Fräulein Klimper, die Klimper-Wünsche-Fee, erfüllt Wünsche, wenn man eine Wimper wegpustet. Und wenn es plötzlich nach Erdbeeren riecht, kommt Teenager-Liebe ins Spiel…

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Rezension: NR. 300
22. Mai 2013

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