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„Ninragon“ für den Deutschen Phantastik Preis 2013 nominiert

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Nominiert für den Deutschen Phantastikpreis 2013

Ninragon 1 – Die standhafte Feste  von Horus W. Odenthal ist in zwei Kategorien für den Deutschen Phantastik Preis 2013 nominiert: „Bestes deutschsprachiges Romadebüt“ und „Beste Serie“. Der Autor hat dies zum Anlass genommen eine Blogtour zu veranstalten, bei der auch „Blücher – der Bücher Blog“ eingeladen wurde, einen Beitrag zu verfassen. Das Besondere an der Nominierung ist, dass Horus von Odenthal eigenständiger Autor und Selbstverleger ist, dass also kein etablierter Verlag hinter ihm steht. Umso wichtiger ist es, dass alle Leser, die Indie-Autoren und ihre Bücher lieben, diese Nominierung mit ihrer Stimme unterstützen! Hier könnt ihr Horus eure Stimme geben:

Blücher hat das nominierte Buch „Ninragon 1 – Die standhafte Feste“ bereits vorgestellt und ist begeistert von seinem Helden „Auric, der Schwarze“. Aus diesem Grund haben wir die Gelegenheit dieser Blogtour ergriffen, dem Autor zu seinem Protagonisten zu befragen.

Hattest du ein oder mehrere Vorbilder, als du die Figur des Aurics erschufst?
Wenn ja, welche?

Vorbilder ist vielleicht das falsche Wort. Ich hatte ein Leitbild, zu dem ich aber eher einen Gegenentwurf schaffen wollte. Und ich hatte ein Vorbild, das mein jüngeres Ich geschaffen hatte.

Aber eins nach dem anderen.

In „Ninragon“ gibt es die vordergründige Handlungsebene. Die ist spannend, in sich geschlossen, unterhaltsam. Sie genügt, um das Buch zu genießen. Wer will, kann aber auch mehr entdecken. „Ninragon“ ist unter anderem ein Entwicklungsroman. Auf einer anderen Ebene ist er ein Kommentar auf das Fantasy-Genre an sich.

Damit kommen wir zu den Vorbildern. Im klassischen Kern-Fantasy-Bereich, den „Ninragon“ bedient, sehe ich zwei Grundrichtungen und Pfeiler. Das eine ist die epische Fantasy. Hier ist das Vorbild und das konstituierende Werk für die Untergattung „Der Herr der Ringe“. Saga-ähnlich, breit angelegt, Heldentaten vor einem großen Szenario. (Ich vereinfache das natürlich jetzt plakativ.) Das „Krieg und Frieden“ der Fantasy. Wenn auch längst nicht so differenziert, da die Figuren sich an Sagen und Sagas orientieren. Man stelle Napoleon und Sauron gegenüber, und man erhält ein Bild davon, was ich meine. (Allen, die einen Rundumschlag gegen Tolkien wittern, sei gesagt, dass ich den „Herrn der Ringe“ sehr liebe.)

Der zweite Zweig und Grundpfeiler ist Sword & Sorcery, von Hubert Strassl einmal übersetzt als „Schwert und Magie“. Vorbild und konstituierendes Werk für diese Untergattung sind die Erzählungen um Conan und andere Helden aus der Feder von Robert E. Howard. Hier geht es nicht um das Schicksal ganzer Völker oder der Welt. Der einzelne Held und seine Erlebnisse stehen im Mittelpunkt. Es gibt auch keine hehren Ideale, denen er folgt (meistens jedenfalls), sondern es geht dem Helden um das eigene Überleben und seine eigenen Ziele. Das Ganze ist dreckiger, und orientiert sich stärker an einer Lebensrealität (in bestimmtem, eingeschränkten Maße), was sich auch daran zeigt, dass für den Autor das Vorbild für Conan die Ölarbeiter und ähnliche harte Kerle aus Texas waren. Diese Geschichten könnte man quasi als die Western der Fantasy ansehen.

„Ninragon“ baut sich zwischen diesen beiden Polen auf. Auric beginnt als ein Held von „Schwert und Magie“, als Einzelkämpfer für seine eigenen Ziele und Pläne. Im Verlauf der Handlung stellt er aber fest, dass es nicht um ihn allein geht, dass er unversehens in ein Szenario der Epischen Fantasy hineingeraten ist und darin rettungslos verstrickt wurde. Wie handelt ein Held des einen Untergenres in einem Szenario des anderen?

(Der Bogen schließt sich, keine Angst.)

Ein Leitbild für Auric war für mich also ganz klar der Archetyp der Gattung „Schwert und Magie“: Conan.

In wild gewürfelten Episoden wird dessen Leben erzählt. Seine Jugend mit den Kriegszügen im heimatlichen Norden. Seine Erlebnisse als Söldner, Abenteurer, in alten Ruinenbauwerken, in denen Zauberer und übernatürliche Wesen aus tiefster Vergangenheit hausen. Sein Aufstieg zum General und König. In solchen Episoden stellt sich auch Jugend und Auftstieg Aurics dar. Wobei eine Episode sogar bewusst ganz klar wie eine typische Conan-Novelle aufgebaut ist. Es ergeben sich aber eklatante Abweichungen zur Biographie und zum Charakter der Abenteuer von Conan. Das kommt dadurch zustande, dass Auric, wie ich schon vorher andeutete, in gewissem Sinne der Gegenentwurf zu Conan ist. Conan hinterfragt nicht die Situation. Er geht in ihr auf oder er nutzt sie zu seinen Zwecken.

Conan der Barbar, so ist der erweiterte Titel der Serie.

Schon als Kind habe ich mich gefragt, wie würde eine andere Persönlichkeit diese Geschehnisse sehen und erleben? Das war so ein kleines Gedankenspiel bei mir: Könnte es ein Buch geben, das „Conan der Intellektuelle“ heißt. Kann man sich etwas wie „Conan trifft Mann ohne Eigenschaften“, „Robert E. Howard trifft Robert Musil“ vorstellen. „Ninragon“ hat natürlich nur noch wenig mit diesem Gedankenspiel zu tun. Denn eine Erkenntnis dieser spielerischen Frage war: Das wäre ein langweiliges, seltsames Buch, das kaum jemand lesen wollte. Aber daraus ist zumindest der Ansatz entstanden: Was wäre wenn jemand, der andere Ideale, Ziele und geistige Voraussetzungen hat wie Conan, ähnliche Abenteuer erleben würde? Wie würde er diese Kriegszüge nördlicher Barbarenstämme, den Krieg Nordvolk gegen Nordvolk erleben? Was würde er vom Söldner- und Soldatenleben halten? Wie würde er damit umgehen, eine Armee in die Schlacht führen zu müssen.

Auric ist also in gewissem Sinne eine Variante oder ein Gegenentwurf zu Conan.

Das zweite Vorbild war „Auric der Schwarze“, der Protagonist gleichen Namens aus der ersten Geschichte, die ich überhaupt als Kind, oder besser Heranwachsender geschrieben habe. Viel ist von der Handlung nicht übrig geblieben, aber ein grundsätzliches Naturell, eine charakterliche Gestimmtheit des Helden hat sich von der einen in die andere Geschichte übertragen.

Auric ist ein klassischer Held: Er ist stark, intelligent und wissbegierig.
Welche Schwächen hat er?

Er hat Zweifel. Seine Schwäche in der Welt, in die er hineingeboren wurde, ist, dass er intelligent ist.

Schwächen ist ein großes Wort. Ein Mensch hat Eigenschaften. Manche davon sind ausbaufähig. Seine Gefährtin Czand sagt ihm spät im Roman etwas dazu. Er ist zwar scharfsinnig, aber sein Einfühlungsvermögen in bestimmte menschliche Abläufe und Seelenlage ist nicht so stark ausgebildet. Sein Intellekt verstellt ihm manchmal den Blick auf seelische Vorgänge. Sonst hätte er bestimmte Dinge, bestimmte Motivationen bei Personen in seinem Umfeld eher durchschaut. Dann wäre er vielleicht auch nicht in bestimmte fatale Situationen geraten.

Seine Schwäche ist sein Charakter, weil er ihn in Situationen führt, die ihn verändern, was wieder zu anderen Defiziten und Herausforderungen führt. Nichts ist eigentlich Schwäche; es ist alles notwendig.

Eine schwierige Frage, da ich nicht zu viel verraten darf, um den Lesern auch nicht den Spaß zu verderben.

In gewisser Weise sind seine Stärken auch seine Schwächen. Darum rede ich lieber neutral von Eigenschaften und Charaktermerkmalen. Es ist ja auch bei Shakespeare so, dass der „flaw“, die dramatische Schwäche, eigentlich als eine Tugend angelegt ist, bei der irgendetwas schief geht.

Aurics größter Wunsch ist es, die Universität zu besuchen und zu studieren. Du hast ihn aber das durch einen Streit mit einem Kommilitonen vermasseln lassen. Warum hast du dich entschieden, ihn wieder auf das Schlachtfeld zu schicken?

Weil dann sie Geschichte zu Ende gewesen wäre. Der Film heißt „Stirb langsam“ und nicht „Stirb innerhalb der ersten zehn Minuten“. Aber ernsthaft:

Denkt irgendjemand wirklich, dass Auric nach all dem, was ihm widerfahren ist, tatsächlich dieses Leben abschütteln und ein vorbildlicher Student und Gelehrter hätte werden können. Seine Erlebnisse haben ihn verändert. Was will er mit diesen Jüngelchen, die – in seiner Sicht – so gar nichts vom Leben wissen. Er ist ja schon unfähig geworden, eine langfristige Beziehung mit einer Frau zu führen, die nicht seine Erlebnisse und Alpträume teilt.

Das Studium an einer idirischen Hochschule war vielleicht irgendeinmal sein Ziel, aber es ist nicht sein Weg. Es ist nicht die richtige Zeit, es ist nicht die richtige Schule, es ist nicht die richtige Art des Studiums. Das Leben und seine Erlebnisse haben ihn dafür versaut. Einiges spricht dafür, dass dieser Lebensentwurf auch nicht funktioniert hätte, wenn er sofort, statt Söldner werden zu müssen, ein Studium hätte aufnehmen können.

Er ist nicht so, wie er denkt. Er muss erst durch andere Situationen. Er ist die standhafte Feste. Ihm muss erst der Keil des Himmels widerfahren.

Zu Czand hat Auric eine nicht ganz eindeutige Beziehung. Zum einen verbindet ihn eine tiefe Freundschaft zu dieser Kriegerin, zum anderen teilt er auch das Lager mit ihr, ohne sie aber als „Geliebte“ zu bezeichnen. Warum hast du zwischen Auric und Czand keine Liebesgeschichte entstehen lassen?

Czand ist die engste Vertraute in seinem Leben. Sie teilen die intimsten Gedanken, Zweifel, Hoffnungen. Und Alpträume. Und sie haben auch eine anscheinend erfüllte sexuelle Beziehung. Was fehlt denn noch zur Liebe? Ich denke Czand ist Aurics große Liebe. (In diesem Abschnitt seines Lebens.) Er merkt es nur zunächst nicht. Kann man sich eine bessere Seelengefährtin für ihn vorstellen, bei dem Leben, das er führt?

Czand ist Aurics Bêlit. (Bêlit ist eine Figur aus den Conan-Stories. Wer die kennt, wird wissen, was ich meine. Hier entlarvt sich einmal wieder der Nerd.) Es ist aber keine „romantische“ Liebesgeschichte. Aber wäre so eine „romantische“ Liebesgeschichte bei all dem, was Auric widerfährt, in dem Leben, das er führt, denn glaubwürdig gewesen? Es gibt viele zarte Momente höchster Vertrautheit zwischen Auric und Czand; die laufen aber nicht so offensichtlich und plakativ ab. Und schließlich kommt doch „am Ende“ heraus, dass ein Element der „klassischen romantischen Liebesgeschichte“ von Anfang an vorhanden war.

Aurics „Sissi“ muss logischerweise anders sein. Und die Art, wie ihre Beziehung geschildert wird, muss anders sein. Sonst wäre es nicht glaubhaft. Und das war bei allem mein höchstes Anliegen – einen Fantasy-Roman zu schreiben, der glaubhaft ist.

Stationen der Blogtour:

08. Juli – TVSC-s kleine Welt: Grundsätzliche Infos
09. Juli – mem-o-ries: Interview, 10 Fragen
10. Juli – Leona Watts: Entstehungsgeschichte
11. Juli – scriba: Über das Schreiben
12. Juli – Blücher: Interview
13. Juli – Anima Libri: Über die Welt, Handlungsorte
14. Juli – Merlins Bücherkiste: die Personen von Ninragon
15. Juli – Ira Krissel: Themen, die in der Geschichte eine Rolle spielen
16. Juli – Ghostreaders: Figuren-Interview
17. Juli – Literaturschock: Interview
18. Juli – Carmen Vicari: Weitere Pläne
19. Juli – Fantastische Bücherwelt: typische Fantasy-Themen in „Ninragon“
20. Juli – Literatur-Diskussion: Was unterscheidet das Setting von Phantastik von „nicht-phantastischer“ Literatur? Brauchen die verschiedenen Genres unterschiedliche Welten? Kosmologien, der Reiz der großen Gesamtwelt

Der dpp wird jährlich von den Besuchern des Online-Magazins Phantastik-News in verschiedenen Kategorien vergeben. Wir wünschen Horus und seinem Roman „Ninragon“ alles Gute!

Rezension: NR. 303
[ssba]
12. Juli 2013

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1 comment
  • Horus W. Odenthal: Homunkulus | Blücher, der Bücher Blog sagt:

    […] von Horus W. Odenthal wurde zweifach für den Deutschen Phantastik Preis 2013 nomminert, in den Sparten „Bestes deutschsprachiges Romandebüt“ und „Beste […]

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