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Patrice Kindl: Anna in der Wand

Dieses Buch wird für Menschen ab 13 Jahren empfohlen, ist aber für Erwachsene ebenso empfehlenswert. Das Buch beginnt, als Anna sieben Jahre alt ist und eigentlich in die Schule gehen sollte. Da Anna aber extrem introvertiert und schüchtern ist, geht ihr das vollkommen gegen den Strich. Viel lieber wäre Anna unsichtbar und mit sich alleine. So beschließt sie hinter den Wänden ihres Elternhauses zu verschwinden. Mit der Zeit beginnen ihre Schwestern und ihre Mutter daran zu zweifeln, ob es Anna überhaupt gibt. Es vergehen die Jahre und Anna kommt in die Pubertät. Nicht nur ihr Körper verändert sich, sondern auch ihr ganzes Leben. Das Buch wird von der Protagonistin selbst erzählt und sie wendet sich – gerade zu Beginn – direkt an ihren Leser, den sie übrigens sehr zu schätzen weiß: er ist in der Rolle des Zuhörers, der keine Möglichkeit hat, zu ihren Gedanken Stellung zu nehmen.

„Vielleicht kann ich mit dir so offen reden, weil du mich nicht sehen, nicht hören und nicht mit mir sprechen kannst. In der Beziehung bist du wie das Haus. Du hörst mir zu ohne Kommentare abzugeben, oder zumindest, ohne dass ich die Kommentare hören kann. Was immer auch du von mir denkst, selbst wenn du mich für eine Vollidiotin, eine elende Kreatur, ein abscheuliches Subjekt hälst, du kannst es mir niemals auf den Kopf zusagen. Das ist ja gerade das Gute an einer Vertrauten.“

Der Leser empfindet Anna durchaus als seltsam, eigen und verschroben. Wer richtet schon sein Leben hinter einer Wand eines alten Hauses ein, um für die anderen unsichtbar zu sein? Trotz ihrer Eigenwilligkeit ist Anna (natürlich?) äußerst intelligent, handwerklich begabt und selbstlos. Sie ist es, die das Haus in Schuß hält und es vor dem Zerfall bewahrt. Sie ist es, die ihren Schwestern Kleider näht und Kekse bäckt. Das alles jedoch still und heimlich. Als Anna zwölf wird, geschehen unerklärliche Dinge mit ihr. Plötzlich werden ihre Räume hinter den Wänden kleiner und enger. Anna entwickelt sich zu einer jungen Frau und es ist genau das, was sie zurück zu ihrer Familie bringt. Ein geheimnisvoller Liebesbrief ist der Auslöser, der ihre Wände zum Einsturz bringt.

„Anna in der Wand“ ist ein einfühlsames Buch über Schüchternheit, die Wunder der Pubertät und über den Mut, über seinen eigenen Schatten zu springen. Die Psychologie eines kleinen Menschen ist in einer fantasievollen Geschichte verpackt, wobei eine Prise Humor nicht fehlt.

Rezension: NR. 32
22. April 2007

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