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Rob Reger, Jessica Gruner: Emily the Strange – Es wird immer seltsamer

emily

Für Liebhaber skurriler Bücher ist die „Emily the strange“-Reihe ein heißer Tipp. In Form von Tagebucheintragungen erzählt die 13-jährige Emily aus ihrem Leben, an das man sich – beim erstmaligen Lesevergnügen – etwas gewöhnen muss. Emily ist ein Mädchen, das man sich nicht als Nachbarin wünscht. Sie ist weit davon entfernt, lieb, hilfsbereit und höflich zu sein – im Gegenteil: Man kann sie durchaus als einen gelungenen Teufelsbraten beschreiben, denn die kleine Kratzbürste liebt nichts mehr als ihren Mitmenschen fiese Streiche zu spielen. Das allerdings erledigt sie mit viel Verstand und Kreativität. Zudem ist Emily eine passionierte Erfinderin: Die Katzenübersetzungsmaschine ebenso wie das Duplikationsgerät stehen kurz vor der Fertigstellung. Und ihr selbst zusammen geschusterter Golem Raven steht ihr mehr oder weniger hilfreich zur Seite. Aber bevor sich die Kleine mit den langen schwarzen Haaren und den schwarzen Klamotten weiter ans Programmieren und Basteln macht, muss sie erst mal wieder ihre Koffer packen, denn Emily und ihre Mutter ziehen schon wieder in eine neue Stadt. Für Emily ist es nicht gerade leicht ihre Koffer zu packen. Sämtliche im Haus versteckten Fallen und Verstecke müssen erstmal aufgelassen, Erfindungen auseinander genommen und Großtante Millie (ein Poltergeist) noch irgendwie verstaut werden. Und dann muss sich Emily auch noch einen „Meisterstreich“ für die Bevölkerung von Blandindulle ausdenken. Aber auch wenn die letzten Tage vor dem Umzug für Emily ziemlich stressig sind, Emily arbeitet ihre To-do-Liste ab, verstaut ihre Kisten im Möbelwagen und fährt mit ihrer Mutter in die neue Stadt.

Kaum angekommen, setzt Emily ihre Arbeit fort, als wäre nichts gewesen. Mit ihren vier Katzen tollt sie zuerst im neuen Haus herum, stellt ihre Fallen auf, sucht nach geeigneten Verstecken, plant auch schon den nächsten Streich und arbeitet weiter an ihrem Duplikationsgerät. Und nach vielen Experimenten mit flüssigem Felsen funktioniert die Maschine…

Hüpfte vor Aufregung kreischend durchs Zimmer, jagte damit den Katzen einen Schreck ein, nahm ein paar Veränderungen vor und war gerade dabei, das Gerät an Raven auszuprobieren, als die Uhr der Oddisee zu schlagen anfing – was sie seit Ewigkeiten nicht mehr getan hat. Letztes Mal wahrscheinlich bei einer Mondfinsternis oder so.

Und dann begann mein Spiegel, mein großer, antiker Spiegel, der laut Mom schon seit eh und je in Familienbesitz ist, zu knarren, als würde er gleich von der Wand fallen. Ich sprang also auf und hielt den Spiegel fest, was bedeutete, dass ich mich im Fokus des Duplikators befand, als die Uhr 13 schlug. Mystery bekam Angst, stieß ein klägliches Miauen aus, sprang auf die Oddisee und krabbelte darauf herum, also langte ich zu ihr hinüber, um sie wegzuscheuchen, und KRACH löste sich der Spiegel und fiel auf mich drauf. Überall waren Glasscherben. Ich wagte nicht, die Augen aufzumachen, weil Glassplitter in meinen Haaren steckten. Schließlich gelang es mir, sie abzuschütteln – ich blickte auf – und DANN sah ich sie – MICH – SIE!!

Lange schwarze Haare … schwarzes Kleid … MEIN Gesicht … MEINE Stimme, die sagt: „Was zum Futzer…“

Aber ich redete gar nicht … SIE redete.

Emily hat sich also selbst dupliziert. Und was sich anfangs richtig gut anfühlt – sie hat endlich jemanden, der sie wirklich „versteht“ – entpuppt sich später als ernsthaftes Problem: Emily hat sich nicht nur physisch sondern auch psychisch geteilt und kann sich schlussendlich nicht mal selbst auseinander halten… Wer ist nun die wahrhaftige Teufelin?

Emily ist strange, das Buch ist strange – sofern man nicht weiß, was einen erwartet. Und wenn man – so wie bei mir – erst beim 2. Band einsteigt, muss man mit nicht näher erklärten Sachverhalten zurecht kommen. Hat man aber nach ein paar Tagebucheintragungen den Draht zum Grufti-Punk Emily gefunden, wird das Buch ein richtiger Spass!

Mittlerweile gibt es mehrere Bände in Buchform, vier davon sind auch auf deutsch erhältlich. Die Buchreihe ist eigentlich durch die Comicfigur „Emily the Strange“ entstanden, die in den USA bereits Kultstatus besitzt. Und dass die Emily-Erfinder aus dem Bereich der Illustration kommen, merkt man auch bei den Büchern. Fast jede Seite ist meiner Zeichnung versehen, das Design reduziert sich dabei auf Emilys Farben schwarz und rot.

Rezension: NR. 238
[ssba]
6. Juli 2011

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