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Johannes Witek: Wenn alle Sängerknaben der Welt das hohe C singen, muss ich mir in den Kopf schießen

witek

Der betrogene Mann, der nach Goa reist, das Arschloch, das nachts betrunken an einem Bahnhof sitzt, der alte Mann, der ständig hustet, der Kerl, der zum ersten Mal ein Escort-Mädchen bestellt oder der durchschnittliche österreichische Arbeitnehmer am Sonntagvormittag verkatert im Bett: Diese Figuren erscheinen auf den ersten Blick bizarr und schrullig. Dabei stehen sie uns näher, als uns lieb ist, denn wir begegnen ihnen jeden Tag. Manchmal sogar im Spiegel. In 74 Gedichten, unterteilt in drei Abschnitten, erzählt uns Johannes Witek aus dem Leben.

Positive Höhepunkte des Lebens werden weitgehend ausgeklammert, Witek konzentriert sich um weniger erfreulichere Aspekte des Alltags: Depressionen, Alter, die Existenz zwischen Arbeit und Wochenende, gescheiterte Beziehungen, Tod und Zwischenmenschliches. Aber keine Sorge: Auch wenn sich die Themen ungemütlich anhören, überrascht er auch in diesem Gedichtband mit bissigem Wortwitz sowie klugen, gut formulierten Schlussfolgerungen.

„Die Realität ist unpoetisch und banal“

Nach diesem Motto ist der neueste Gedichtband des Salzburger Autors Johannes Witek ausgerichtet. Meist sachlich-nüchtern berichtet er aus dem alltäglichen Leben alltäglicher Menschen am Stadtrand, im Bus, im Stundenhotel, in Wohnungen. Er erzählt über die Metaphysik des Grunzens, philosophiert über einen hellen Stadtrandnachmittag oder Sonntagvormittag, denkt über das Universum, Glück, Liebe, Leiden, Tod nach und beschreibt die ewige Suche nach dem eigenen Arschloch mit einer Taschenlampe.

Es wäre nicht Johannes Witek, wenn da nicht das ein oder andere Mal ein rotzfrecher Unterton mitschwingen würde, eine Schnoddrigkeit, die in Richtung Possenhaftigkeit geschleudert wird. Die Mischung aus Alltagserfahrungen, einer gewissen Intellektualität und fast schon zynischen Prägnanz machen dieses Werk zu einer unterhaltsamen Angelegenheit. Ein Lesevergnügen, das bereits beim Umschlag beginnt.

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Der Blücher-Blog bedankt sich beim CR Verlag für das Rezensionsexemplar. Auf der Website des Verlags kann das Buch auch direkt bestellt werden.

Rezension: NR. 327
4. November 2014

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