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Markus Zusak: Wilde Hunde

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Eine Straße am Rande der Großstadt Sydney ist der Schauplatz der „Wilden Hunde“. In diesem vorstädtischen Mikrokosmos geprägt von Arbeitslosigkeit und Armut gibt es eigene Regeln, denn hier ist das Leben einem Kampf gleichzusetzen: Ob es darum geht, seine eigene Stellung zu verteidigen, den Rest des Monats finanziell zu überstehen oder einfach die Armut mit Würde zu ertragen. Zwischen verwilderten Vorstadtgärten, heruntergekommenen Häusern und schmutzigen Gassen wachsen Rube und Cameron Wolfe heran, ein ungleiches Brüderpaar, die eigentlich nichts anderes versuchen, als aus den Momenten ihrer Jugend das Beste zu machen.

Aber das fehlende Geld, die Arbeitslosigkeit des Vaters und die fortschreitende Mutlosigkeit der Mutter sitzen ihnen im Nacken. Als sie von einem windigen Box-Manager für Show-Kämpfe engagiert werden, greifen sie zu. Und wie im Leben zwischen den Vorgärten und schmalen Straßen steht auch im Ring der jüngere Cam bald im Schatten seines Bruders. Während Rube einen Boxfight nach dem anderen gewinnt, Kohle und Mädchen einfährt, mimt Cameron den Underdog, den untalentierten und schüchternen Boxer mit Mitleidsbonus. Der Zusammenhalt der beiden Brüder wird auf eine harte Probe gestellt, insbesondere als ein Mädchen dazwischen gerät und der Endkampf der Saison, für den sich der Manager etwas Besonderes ausgedacht hat, bevorsteht.

Wir sind Überlebenskünstler.
Wir sind Wölfe, wilde Hunde, und das ist unser Platz in der Stadt. Wir sind kleine Leute, unser Haus ist klein und es steht in einer kleinen Vorstadtstraße. Wir können die City sehen und die Bahnlinie und das ist nicht übel – auf eine trügerische, riskante Art. Riskant, weil uns das Haus nur zum Teil gehört, nicht übel, weil wir es uns einverleibt und dafür gekämpft haben.
Besser kann ich es nicht sagen.
Immer wenn ich hinter den winzigen Häusern unserer Straße langtrottete, denke ich darüber nach und frage mich, was alles üfr Geschichten hinter den anderen Fassaden ablaufen. Denn es muss ja einen Grund dafür geben, dass Häuser Fassaden haben und Dächer.
Wenn schon in unserm winzigen Haus der eigene Vater von seinem Frust aufgefressen wird, kann es doch gut sein, dass es in den anderen noch ganz anders zugeht, noch brutaler oder aber großartig, vielleicht ohne dass die Welt etwas davon mitkriegt.
Eins meiner größerern Probleme jedoch sind die Fenster. Wozu sind Fenster da? Dazu, dass die Welt uns ins Haus glotzen kann, oder dazu, dass wir rausglotzen können?
Kann gut sein, dass diese Seiten, die ich hier schreibe, nur einen Zweck haben: die Welt vor unser Fenster zu bringen…

Die Geschichte der beiden ungleichen Brüder lässt der Autor Zusak den jüngeren Cameron erzählen. Cam berichtet von seiner Familie, seinem Leben und über seine Beziehung zu seinem Bruder, dem extrovertierten, selbstbewussten Helden, der aufgrund seines Wesens schon fast automatisch beliebt und erfolgreich ist. Cam ist das ganze Gegenteil: zurückhaltend, schüchtern und schwächer. Aber trotzdem nicht weniger geschickt beim Boxen. Als beim letzten Kampf ihr Manager die beiden gegeneinander kämpfen lässt, wird es brenzlig. Wie werden sie dieses Bravourstück überstehen? Werden sie sich bis aufs Blut bekriegen oder gemeinsam untergehen?

Erst als ein Mädchen sich zwischen das Brüderpaar schiebt, beginnen sich die Persönlichkeiten von Cameron und Rubens zu verschieben. Zunächst ist Octavia nur eine von vielen Mädchen, mit der Rube rum macht. Als er sie dann abserviert, beginnt sich Cameron für sie zu interessieren und schafft es, ihr Herz zu gewinnen. Durch diese Liebe findet Cameron einen Weg aus seiner Isolation und kann endlich sein verborgenes Talent entdecken: das Schreiben.

Der Roman ist in kurzen Sätzen gehalten und bedient sich einer knappen Sprache, die den jugendlichen Charakter jedoch nicht überstrapaziert. Nichtsdestoweniger lässt Zusak sein nachdenkliches Sprachrohr Cameron auf feinfühlige Art die Handlung erzählen und gewährt einen gut nachvollziehbar Einblick in sein Innerstes. Ein ideales Buch für Teenager also.

„Wilde Hunde“ besteht aus zwei Geschichten über Rube und Cameron Wolfe: „Vorstadtfighter“ (der Teil in dem die Brüder ihr Geld im Boxring verdienen) und „When Dogs Cry“ (hier verliebt sich Cameron in Octavia). Es waren die ersten Bücher, die der australische Autor mit deutsch-österreichischen Wurzeln geschrieben hat. So richtig bekannt wurde Zusak aber erst mit zwei weiteren Jugendbüchern: „Der Bücherdiebin“ und „Der Joker„.

» Leseprobe „Wilde Hunde“ von Markus Zusak

Rezension: NR. 247
9. September 2011

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