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Neil Gaiman: Coraline

Neil Gaiman Coraline Buch für Halloween

Die Gruselnacht des Jahres ist nicht mehr weit! Für jene, die keine Lust auf das Herumgeistern in der Nachbarschaft haben und lieber gemütlich im Lieblingssessel lümmeln wollen, habe ich hier einen schaurigen Buchtipp. Ob alleine oder in Gesellschaft genossen – „Coraline“ vom Fantasy-Altmeister Neil Gaiman wird euch an Halloween gut unterhalten!

Ein altes Haus…

Was wäre eine Gruselgeschichte ohne einem dämonischen Ort des Bösen?! Was wäre Poes Untergang des Hauses Usher ohne das gespenstische Anwesen? Wo könnte Jack Torrance besser  ausrasten, als im von der Außenwelt abgeschnittenen Overlook-Hotel? In „Coraline“ spielt sich alles in einem Mehrfamilienhaus ab. Das Haus ist selbstredend ziemlich alt, hat eine Mansarde unter dem Dach, einen Keller und selbstverständlich auch einen verwilderten Garten mit einem tiefen Brunnen. In dem Haus leben zwei alte Frauen, ehemalige Schauspielerinnen, mit ihren Hunden. In der kleinen Wohnung ganz oben haust ein verrückter, alter Mann mit einem großen Schnurrbart. Mr Bobo trainiert einen Mäusezirkus, so sagt er. Und in der Wohnung dazwischen ist gerade ein Ehepaar mit ihrer Tochter namens Coraline eingezogen.

…und ein junges Mädchen

Kaum hat sich die Familie in ihren neuen vier Wänden eingelebt, unternimmt die neunjährige Coraline eine Entdeckungsreise. Sie inspiziert den Garten, den Brunnen, stattet ihren betagten Nachbarn einen Besuch ab und lernt den schwarzen Kater ohne Namen, der sich um das Haus herumtreibt, kennen. Natürlich muss ein schwarzer Kater in einer echten Gruselgeschichte mitspielen! Nach ein paar Tagen, in denen das Mädchen Bewohner und Gelände ausreichend auskundschaftet, passiert das, was vielen Kindern widerfährt, wenn etwas Neues seinen Reiz verliert: Ihnen ist langweilig. Vater und Mutter sind beim Arbeiten, haben also keine Zeit für das Vertreiben derselben. Im Fernseher laufen nur Talkshows, draußen schüttet es aus allen Kübeln. Auf die Empfehlung ihres Vaters hin zählt die Coraline sämtliche Türen und Fenster und alles, was blau ist. Im Zuge dieser „Expedition“ kann sie 13 Türen finden, die sich öffnen lassen und eine, die verschlossen ist.

Neugierig, wie die Kleine nun mal ist, bittet sie die Mutter, die Tür aufzusperren. Dahinter ist nicht viel, lediglich eine Backsteinmauer ist zu sehen. Dahinter sei eine leere Nachbarwohnung, sagt die Mutter, und sperrt die Tür wieder zu. Doch irgendetwas lockt Coraline zu dieser Tür. Als sie eines Tages alleine zu Hause ist, nimmt sie den Schlüssel und sperrt die Tür auf. Allerdings ist da nun keine Backsteinmauer mehr, sondern ein dunkler, langer Flur. Coraline geht ihn entlang und merkt, dass sie sich in einer fast exakten Kopie ihrer eigenen Wohnung befindet. Als sie die Küche betritt, sieht sie dort eine Frau mit einer Haut so weiß wie Papier, blutroten, spitz zulaufenden Fingernägeln und schwarzen Knöpfen an den Stellen, wo eigentlich die Augen sein sollten.

Ich bin deine andere Mutter“, sagte die Frau.

Zu diesem Zeitpunkt ist Coraline noch nicht klar, dass sie in das Netz einer kinderfangenden Spinne geraten ist und dass nicht nur ihre Seele in Gefahr ist, sondern auch jene ihrer Eltern. Doch das Mädchen muss sich nicht alleine dem schwarezn Knopfaugen-Schreckgespenst mit den dürren Händen stellen. Der schwarze Kater, der sich in der Parallelwelt mit Caroline unterhalten kann und dabei einen wahren katzenhaften Charakter (trockener Humor mit eine Prise Selbstgefälligkeit) offenbart, ist ihr Verbündeter. Und Coraline ist auch schlau! Zu schlau, um den Verlockungen der anderen Mutter zu widerstehen und auch zu raffiniert, um ihr alles zu glauben, was diese verspricht.

„Ich will gar nicht alles haben, was ich will. Das will kein Mensch. Nicht wirklich. Wo bliebe der Spaß dabei, wenn ich einfach alles kriegen würde, was ich will? Einfach so, ohne dass es mir etwas bedeutet? Und was dann?“

Ein wunderbar seltsames und gruseliges Buch

Die Geschichte wird ziemlich sachlich und plausibel aus der Perspektive unserer Heldin, aber mit der Sprache der Erwachsenen erzählt. Und eben diese großjährig-klingende Sachlichkeit beflügelt die Fantasie des Lesers und macht die Gruselgeschichte eigentlich noch gruseliger. Der Inhalt lässt sich zudem auf vielerlei Themen hin interpretieren: Dass Kinder von ihren Eltern durch Arbeit und Alltag nicht ernst genommen fühlen, dass es Mut braucht, um Ängste zu besiegen und dass materielle Verlockungen nicht das Gelbe vom Ei sind. An allererster Stelle ist dieses Buch aber eine ziemlich gute Unterhaltung mit überraschenden Wendungen, einer wundervollen Protagonistin, witzigen Dialogen und unberechenbaren Situationen. Schauerlich schöner Lesetipp für einen Abend bei Kürbislicht und Plastik-Spinnweben!

Noch mehr Gaiman zu Halloween? Dann schaut mal in dieses Buch rein:

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Rezension: NR. 393
18. Oktober 2017

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