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Ake Edwardson: Das vertauschte Gesicht

Das ist der dritte Fall des hier ermittelnden Schweden-Kommissars Erik Winter. Der Jahrtausendwechsel steht bevor, Winters Freundin Angela ist schwanger und sein Vater liegt im Sterben. Zu diesen privaten Turbulenzen gesellt sich ein ziemlich grausiger Mordfall in Göteborg. Ein Ehepaar wird erst nach Wochen ihrer Ermordung in ihrer Wohnung aufgefunden: nackt, sich anschauend, an den Händen haltend und mit vertauschten Köpfen. Patrik, einem Jugendlichen, der jeden Morgen Zeitungen austrägt, fällt nicht nur der bestialische Gestank, der aus dem Briefschlitz der Wohnungstür dringt, auf sondern auch die enervierend laute Musik, die aus der Wohnung dringt. Im Gegensatz zur Polizei weiß Patrik sofort, dass es sich hier um Black und nicht um Death Metal handelt. Er spricht mit dem Hausmeister, der darauf hin die Polizei holt.

Die Wohnungstür wird geöffnet und dem Kommissar Erik Winter präsentiert sich ein ungewöhnliches Bild: Auf dem Sofa sitzt ein nacktes Paar, die Hände fest umschlungen und schauen sich an. Eine dunkle mit Blut verkrustete Linie verläuft rund um ihre Hälse. Der Mörder hat die Köpfe vertauscht. An der Wand findet Winter ein mit roter Farbe eingekreistes W gefolgt von den ALL. All dies deutet auf einen Geistesgestörten hin, der sein Werk noch nicht vollendet hat. Ein Gespräch mit der Gerichtspsychologin Lareda gibt dem Leser die ersten Hinweise, nämlich, dass er ein Träger einer Uniform sein muss und dass es nicht auszuschließen ist, dass auch Winter in die Pläne des Mörders miteinbezogen wird.

„Es ist nicht ungewöhnlich, dass der Mörder auch Macht über seinen … Entlarver sucht.“

„Seinen Entlarver?“ Es gibt doch noch gar keinen. Hat er den schon definiert?“

„Seinen zukünftigen Entlarver. Er hat Botschaften hinterlassen, nicht wahr? Sie sind an jemanden gerichtet.“

„An wen?“ fragte Winter, aber er kannte die Antwort.

„An dich, Erik.“ Sie saß mit Schatten, und ihre Brillengläser waren wieder schwarz. „Du bist der Jäger, der Fahnder. Der mögliche Entdecker.“

„Er will mich dominieren? Erik Winter?“

„Du hast die Rolle des Jägers. Kriminalkommissar Erik Winter.“

„Das ist doch nicht persönlich gemeint, oder?“, sagte Winter, aber er lächelte nicht. Lareda Veitz lächelte auch nicht. Er sah sie an. „Könnte es persönlich werden?“

Schweden-Krimis, die nach Mankells großartiger Serie mit dem ermittelnden Kurt Wallander erscheinen, haben es nicht leicht, denn sie werden immer mit Mankells Erzählstil und Ausarbeitung der Charaktere verglichen werden. Und ebenso wie es bei Mankells Krimis der Fall ist, ist auch Edwardsons Roman trocken, subtil und spielt sich auf mehreren Erzählebenen, zwischen denen hin und her gesprungen wird, ab. Hinzu kommt eine melancholische Hintergrundstimmung, die durch das kritische Widerspiegeln der schwedischen Gesellschaft noch verstärkt wird.

Aber trotz des Bemühens einen nach allen Spielregeln geschriebenen Roman hinzulegen kommt bei „Das vertauschte Gesicht“ keine wirkliche Spannung auf. Vielleicht deshalb, weil das Verbrechen eigentlich erst nach dem ersten Viertel so wirklich beginnt, das Ende nicht wirklich alle Fragen beantwortet oder weil die erzählerischen Verästelungen eher ermüdend als anregend wirken. Ein solider Schweden-Krimi, der mich aber nicht so richtig überzeugen vermochte.

Rezension: NR. 105
9. Juni 2008

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