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Arnaldur Indriðason: Nordermoor

Nordermoor

Isländische Verbrechen sind schlampig, sinnlos und schäbig. So zumindest wird es in Indriðasons Krimi-Roman „Nordermoor“ behauptet. Zu Beginn der Geschichte scheint es so, als ob der Mord am alten LKW-Fahrer Holberg genau in dieses Konzept passen würde. In einer stinkigen Kellerwohnung findet die Polizei die mit einem Aschenbecher erschlagene Leiche. Geld und Wertsachen befinden sich an Ort und Stelle und Spuren eines Kampfes sind nicht zu entdecken. Allein ein Zettel mit einer aus drei Worten bestehenden Botschaft fällt aus dem typischen, isländischen Konzept und gibt der Polizei Rätsel auf. Nur Erlendur Sveinsson, der ermittelnde Kommissar, beginnt in der unschönen Vergangenheit des Toten zu wühlen an. Ein spannender und empfehlenswerter Krimi aus dem Norden. Während der Ermittlungen erfährt Elindur, dass Holberg ein Vergewaltiger war und seinen Computer mit Pornos jeglicher Gattung vollgestopft hat. In seiner Wohnung findet Elindur eine alte Fotografie von einem Grabsteins. Elindur erfährt, dass das Bild das Grab eines 4-jährigen Mädchen zeigt, dass vor 40 Jahren an einem Gehirntumor gestorben ist. Zunächst kann er keinen Zusammenhang zwischen dem Mädchen, dem Toten und der seltsamen Botschaft erkennen. Aber wie bei einem Puzzle setzen sich allmählich die Teile zusammen.

Elindur ist ein typischer Vertreter seiner fiktionalen Zunft: Über 50, geschieden, kauzig und mit einem Hang zu Mikrowellen-Kost. Ab und zu taucht seine drogenabhängige Tochter Eva Lind bei ihm auf, um ihn um Geld anzupumpen. Elindurs Privatleben und insbesondere seine Beziehung zu seiner Tochter bilden einen fast gleichberechtigten Handlungsstrang zur Krimi-Geschichte und wird ebenso spannend erzählt.

„Nordermoor“ ist der dritte Roman des isländischen Autors Indriðason, in dem Erlendur Sveinsson die Hauptrolle spielt. Liebhaber nordländischer Krimis werden von diesem Buch nicht enttäuscht sein. Die Handlung ist durchdacht und birgt überraschende Wendungen. Die Geschichte wird lebendig und flüssig erzählt, die Charaktere sind präzise skizziert. Das Buch wurde 2006 unter dem Titel „Der Tote aus Nordermoor“ mit Ingvar Eggert Sigurðsson als Erlendur Sveinsson verfilmt.

Rezension: NR. 234
[ssba]
11. Juni 2011

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