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Dashiell Hammett: Der Malteser Falke

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Der amerikanische Autor Dashiell Hammett schrieb mit diesem Roman Literaturgeschichte. „The Maltese Falcon“ wurde zum ersten Mal 1930 als 5-teilige Serie im Pulp-Magazin „Black Mask“ veröffentlicht. Hammett gilt als Vater des hard-boiled Detektivromans und Erfinder des hartgesottenen, abgebrühten Ermittlers Spam Spade.

Die Geschichte beginnt nicht mit einem Mord, sondern mit einem Auftrag: Die attraktive Miss Wonderly alias Brigid O’Shaughnessy betritt das Detektivbüro von Sam Spade und Archer Miles. Sie beauftragt die beiden, einen gewissen Floyd Thursby zu beschatten. In der Nacht darauf findet die Polizei Miles und Thursby erschossen auf der Straße. Mit Miles verbindet Spade nicht gerade eine herzliche Freundschaft, zudem hat er ein Verhältnis mit dessen Frau. Trotzdem will Spade die Morde aufklären. Er macht sich zum Tatort auf, um mit der Polizei zu reden. Doch die hat Spade als Verdächtigen selbst im Visier.

„Wer ist Thursby?“ verlangte Dundy zu wissen.
„Was ich über ihn wußte, habe ich Tom schon erzählt.“
„Tom haben Sie verdammt wenig erzählt.“
„Ich wußte auch verdammt wenig.“
„Warum haben Sie ihn beschattet?“
„Ich doch nicht. Miles hat das getan – und zwar aus dem sehr einleuchtenden Grund, daß wir einen Klienten hatten, der mit gutem amerikanischen Geld für seine Beschattung bezahlt hat.“
„Wer ist dieser Klient?“
Gelassenheit kam wieder in Spades Züge und Stimmen. „Aber, aber“, sagte er tadelnd, „Sie wissen doch, daß ich Ihnen das nicht verraten darf, ehe ich das mit dem Klienten besprochen habe.“
„Entweder Sie sagen es jetzt mir, oder Sie werden es vor Gericht verraten müssen“, brauste Dundy auf. „Es handelt sich hier schließlich um Mord, vergessen Sie das nicht!“
„Mag sein. Und hier ist etwas, das Sie nicht vergessen sollten, Süßer. Mich wird niemand dazu bringen, etwas zu verraten, was ich nicht verraten will. Es ist schon ’ne ganze Weile her, daß ich zu heulen anfing, wenn ein Polyp mich nicht leiden konnte.“
Tom stand vom Sofa auf und setzte sich auf das Fußende des Bettes. Sein schlecht rasiertes, lehmbeschmiertes Gesic ht war müde und zerknittert.
„Sei vernünftig, Sam“, bat er. „Gib uns eine Chance! Wie sollen wir etwas über Miles‘ Ermordung aufdecken, wenn du uns nicht sagen willst, was du weißt?“
„Deswegen brauchen  Sie sich keine Kopfschmerzen zu machen“, erklärte Spade ihm. „Ich begrabe meine Toten schon selbst.“

Seine Ermittlungen gleichen einer Karusselfahrt. Seine Klientin Brigid, die den Anknüpfungspunkt zum Tod seines Partners darstellt, versucht durch konsistentes Lügen Spade auszutricksen und ihn für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Durch die Intrigantin sieht sich der Detektiv plötzlich auch mit drei undurchsichtigen Gestalten, einem Schläger und zwei Geschäftsmännern, konfrontiert. Erst gegen Mitte des Buches kristallisiert sich heraus, um was es wirklich geht: um eine äußerst wertvolle schwarze Statue in Form eines Falken aus der Zeit der Kreuzritter.

Hammetts Leser waren von seinem Antihelden Sam Spade begeistert. Saufend, rauchend, furchtlos und sehr sexy kommt der „umgängliche, blonde Satan“ daher, löst den Fall mit Köpfchen und einer riesigen Portion Menschenkenntnis. Kein Wunder, dass ihm nicht nur in der Geschichte die Frauen nachlaufen, und sein Understatement „von Frauen versteh ich nichts“ macht die Sache auch nicht besser. Spade tritt als Einzelgänger auf, handelt nach seinem eigenen Ehrenkodex und ist auf den Straßen San Franciscos zu Hause. Dass Hammett seinen Detektiv so glaubwürdig und realistisch darstellen konnte, liegt auch daran, dass der Autor eine Zeit lang als Agent für die legendäre Pinkerton-Detektei gearbeitet hat.  Kein Wunder also, dass Sam Spade für nachfolgende Machos wie Philipp Marlowe, Lew Archer oder James Bond Pate stand.

Aber nicht nur der abgebrühte und kaltschnäuzige Held machte diesen Roman populär und –  das gilt auch heute noch – zu einem Juwel der Krimiliteratur. Sein objektiver Erzählstil und vor allem die Sprache seiner Charaktere trafen den damaligen Zeitgeist. Vor den Kulissen der Prohibition lässt Hammett sie in der Sprache der Straße, der Proletarier, Gangster und Geschäftemacher reden. Frauen werden mit „Schwester“, „Schätzchen, „Engel“ oder „braves Mädchen“ angesprochen, Männer werden „aufs Kreuz gelegt“ und „todsicher geliefert“ bevor sie „umgelegt“ oder „um die Ecke“ gebracht werden. Die Dialoge, die viel von der ausgeklügelten Handlung tragen, sind knapp, haben oft einen ruppigen Ton und sind den Figuren einfach auf den Leib geschnitten. Wer meint, dieser Roman hätte aufgrund seines Alters an Anziehungskraft verloren, wird eines Besseren belehrt.

Selbstverständlich wurde dieser Stoff auch mehr als einmal verfilmt. Der im Jahr 1941 gedrehte Streifen mit Humphrey Bogart in der Hauptrolle gilt als Klassiker und als Vertreter des „Film noir“.

Rezension: NR. 353
16. April 2016

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