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Gerhard Loibelsberger: Die Naschmarkt-Morde

Loibelsberger Die Naschmarkt-Morde Wiener Krimi

Wien, 1903: Eine Gräfin, fesch und betucht, ist zur nächtlichen Stunde auf den Weg zu ihrem Geliebten Stani. Die freudige Erwartung ihre „Mesalliance“ auszukosten mischt sich mit dem Verdacht, verfolgt zu werden. Am Naschmarkt, dunkel und verlassen, werden ihre unguten Vermutungen Gewissheit. Etwas später wird sie mit einem weißen Seidenschal erdrosselt aufgefunden.

Ein Krimi aus dem alten Wien

Zunächst stürzt sich die Wiener Presse in Gestalt des Journalisten Leo Goldblatt auf den Skandal und setzt den ermittelnden Inspector des kaiserlich-königlichen Polizeiagenteninstituts Joseph Maria Nechyba unter Druck. Doch der lässt sich vorerst nicht aus dem Konzept bringen: Durch ein verirrtes Rumpsteak lernt der Hobby-Koch und Gourmet die Köchin Anna Litzelsberger kennen und verliebt sich auch prompt in die stattliche Frau.

Die Gräfin bleibt nicht das einzige Opfer: Ihr folgen eine adrette Küchenmagd, ein Hausmädchen und schlussendlich eine alte Frau. Der Inspector, der mehr den fleischlichen Genüssen frönt als die Ermittlungen voranzutreiben, wird erst beim dritten Mordopfer aktiv. Zusammen mit Leo Goldblatt löst er – ganz in wienerischer Manier – im Café Sperl bei einigen Achterln und Zigarren den Fall.

Der Naschmarkt und kulinarische Köstlichkeiten

Der Roman zeichnet sich nicht gerade durch eine spannende Krimi-Handlung aus. Loibelsberger konzentriert sich mehr auf das Milieu rund um den Naschmarkt und auf die Darbietung kulinarischer Rezepte, die in modernen Kochbüchern kaum noch zu finden sind. Zwischen den Beschreibungen, wie Leberpüree mit Eiern, Lammhasen, Brimsen und gespicktes Kalbsbries mit Spargelspitzen anzurichten sind, erfährt der Leser mehr über den Prater und die Wiener Hochquellwasserleitung. Es wird erklärt, was ein Salettl, eine Bassena und eine Fratschlerin ist und wo einst das WC in einem Mietshaus angesiedelt war. Dabei bedient sich der Autor einer Sprache, die zu dieser Zeit angesagt war, und die mich sehr an die alten schwarz-weiß Filme mit Hans Moser und Theo Lingen erinnert haben.

„Melde gehorsamst, Herr Inspector, eine Frau, die am Getreidemarkt wohnt, möchte eine Beobachtung wegen des Frauenmordes melden. Weiters sind da noch eine gnädige Frau, eine Hausmeisterin, ein Dienstmädchen und eine Fratschlerin, die in der betreffenden Causa ebenfalls etwas zu Protokoll geben möchten.“

Alles in allem ist dieser Roman ein vergnüglicher Zeitvertreib. Hobbyköche und Liebhaber der guten, alten Zeit werden bestimmt ihre Freude an diesem Buch haben.

Rezension: NR. 262
29. Dezember 2011

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