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Ingrid Sonnleitner: Vergelt’s Gott

Vergelt's Gott von Ingrid Sonnleitner
Vergelt’s Gott von Ingrid Sonnleitner

Bezaubernde Krimi-Kost aus dem schönen Burgenland: Adelheid Horvath, pensionierte Bibliothekarin und Witwe, lauscht gerne den Orgelklängen des Kantors, Herrn Gabriel. Doch dieses Mal ist es still in der Dorfkirche. Als Adelheid auf der Empore nachsieht, wo der Kantor abgeblieben ist, findet sie ihn am Boden in einer Lache aus Blut liegend. Als wäre es nicht genug, einen gespaltenen Schädel ansehen zu müssen, wurden dem begnadeten Orgelspieler obendrein die Hände abgehackt. Aber der erste Schock ist schnell verdaut und die resolute Adelheid beginnt zu ermitteln.

Was war er doch für ein lieber Kerl und angenehmer Untermieter, der Herr Gabriel. In dem Jagdstüberl in Adelheids Haus hat er gewohnt und dort Klavierunterricht gegeben. Nun ist er brutal ermordet worden und Adelheid sehnt sich danach, endlich das Zimmer ausräumen zu dürfen, um damit einen Schlussstrich unter die schrecklichen Ereignisse zu ziehen. Als die Polizei das Zimmer genügend untersucht hat und letztendlich freigibt, beginnt sie – mit Putz- und Räucherwerk bewaffnet – das Zimmer zu säubern. Dabei entdeckt sie unter einer losen Diele eine versperrte Schatulle aus Blech. Das Schloss wird schnell mit einem Hammer geknackt und Adelheid hält vergilbte Zeitungsausschnitte in italienischer Sprache in der Hand. Von der Übersetzerin, der sie später die Ausschnitte gibt, erfährt sie, um was es geht. Und Adelheid ist entsetzt.

Sie war blass geworden, weiß wie das Laken auf dem Tisch. Adelheid tippte Signora Wrana noch einmal auf die Schulter. „Na, sagen’s uns schon, was da steht! Sie sind ja ganz totenbleich. Ist Ihnen nicht gut, wollen Sie ein Glaserl Wasser vielleicht?“

Die Signora begann, mit belegter Stimme zu sprechen. „‚Mattia Rotolo'“, sie zeigte auf das Bild, das neben dem einen Artikel abgedruckt war, „‚aus Venezia ist am 14. Februar 1993 auf mysteriöse Weise aus dem Kinderheim Povero Caro verschwunden.'“

An die Seite war mit einer Büroklammer ein zweiter Ausschnitt geheftet worden, beinahe eine Seite lang war der. Signora Wrana räusperte sich, bevor sie ihn zu übersetzen begann.

„‚In der Nähe von Feltre wurden vom Hund eines Spaziergängers, die in einem schwarzen Plastiksack aufbewahrten Teile einer Leiche ausgegraben. Der schwer geschockte Passant musste psychologisch betreut werden. Laut Gerichtsmedizin handelt es sich bei dem Opfer um einen fünfzehnjährigen Jungen, dessen Identität noch nicht eindeutig festgestellt werden konnte.'“

„Ja, aber um Gottes Willen, Loni, was hat denn das alles mit dem Herrn Gabriel zu tun? Warum hat der diese Zeitungsartikel g’sammelt? 1993 war er doch selber noch ein Kind, beinahe.“

Zur gleichen Zeit in Triest: Der verwitwete Commissario a.D. Alessandro Tremente steht kurz davor, seinen ersten Fall als Detektiv zu bekommen. Vor Kurzem hat er in der Stadt ein kleines Büro als seine Kanzlei angemietet. Tremente ist zwar schon ein etwas älterer Herr, aber noch lange nicht so alt, um seine freie Zeit ausschließlich als Rezeptionist im Hotel seiner Tochter zu verbringen. Er trifft auf eine geheimnisvolle Dame, die ihn beauftragt, ihren verschwundenen Enkel zu finden. Bei seinen Recherchen stößt er auf alte Fotos, die Buben in Ministrantenkleidung abbilden. Seine erste Spur führt ihn daraufhin in ein vermeintlich friedsames Waisenhaus.

Natürlich müsste Adelheid samt Schatulle zur Polizei. Doch unsere Heldin ist nicht nur ein bisschen eigensinnig, sondern auch ziemlich neugierig. Die Zeitungsausschnitte führen Adelheid nach Triest. Auf ihrer Reise trifft sie zunächst auf einen nervigen Kurschatten, später aber doch auf den feschen Ex-Commissario. Sie beginnen gemeinsam auf eigene Faust nachzuforschen, was es mit den Fotos und den Zeitungsausschnitten auf sich hat.

Der charmante Charakter unserer Amateurdetektivin gibt diesem Landkrimi aus dem Burgenland eine liebenswerte Note. Der brutale Mord an Herrn Gabriel und die verschwundenen Buben bilden lediglich den Rahmen rund um die rüstige Heldin, die ordentlich Schwung in ihr Leben bringt. Der Auslöser für ihr neues Leben mögen abgehackte Hände sein, am Ende jedoch hat sie nicht nur eine neue Haarfarbe und einen flotteren Kleiderstil, sondern sitzt auch noch am Sozius einer Vespa und braust mit ihrem italienischen Verehrer durchs sonnige Triest. Selbstverständlich verliert die Autorin Ingrid Sonnleitner bei soviel italienischem Flair nicht den Blick auf das Wesentliche – die Romantik überlagert dennoch die brutalen Verbrechen, die es aufzuklären gilt.

„Vergelt’s Gott“ ist ein rot-weiß-roter Krimi mit viel italienischem Einschlag aus dem emons-Verlag. Die Charaktere, insbesondere Adelheid und Allessandro, sind einfühlsam skizziert, die Geschichte mit viel Esprit geschrieben. Ein unterhaltsames Lesevergnügen aus der Feder der burgenländischen Autorin Ingrid Sonnleitner.

Rezension: NR. 344
1. Dezember 2015

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