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Jeffery Deaver: Das Gesicht des Drachen

Was den amerikanischen Thriller-Autor Jeffery Deaver ausmacht, ist seine erzählerische Aufarbeitung eines ganz spezifischen Themas. Im Fall dieses Buches ist es die Auseinandersetzung mit dem Geschäft von illegaler Immigration von China nach Amerika. „Das Gesicht des Drachen“ ist das vierte Buch des Dream-Teams Lincoln Rhyme und Amelia Sachs. Beide machen Jagd auf den skrupellosen „Geist“, ein sogenannter „Schlangenkopf“, der chinesische Dissidenten nach Amerika bringt. Lincoln Rhyme, der gelähmte forensische Ermittler und seine Assistentin/Freundin Amelia Sachs haben von New York aus begonnen, dem „Geist“ nach zu spüren. Sie erwarten nun die Ankunft des chinesischen Schmugglerschiffs „Fuzhou Dragon“, auf der sich zwei Duzend chinesische Dissidenten und der „Geist“ mitsamt eines Assistenten befinden. Doch die geplante Verhaftung des Geists misslingt: Kurz vor der amerikanischen Küste explodiert das Schiff, der Geist entkommt und viele Dissidenten ertrinken. Die Jagd nach dem grausamen Schlepper beginnt.

Sie waren die Verschwundenen, die vom Unglück Verfolgten.
Für die Menschenschmuggler – die »Schlangenköpfe« -, die sie wie Paletten verdorbener Ware um die halbe Welt beförderten, waren sie ju-jia: Ferkel.
Für die Beamten der amerikanischen Einwanderungsbehörde, die ihre Schiffe aufbrachten, sie verhafteten und abschoben, waren sie Illegale.
Sie waren die Hoffnungsvollen, die Heimat, Familie und eine tausendjährige Ahnenreihe gegen die illusionslose Gewissheit eintauschten, dass ihnen gefährliche und arbeitsreiche Jahre bevorstanden.
Die nur eine winzige Chance hatten, in einem Land sesshaft zu werden, das ihren Familien Wohlstand versprach, weil dort, so hieß es, Freiheit, Geld und Zufriedenheit so alltäglich wie Sonnenschein und Regen seien.
Sie waren seine kostbare Fracht.
Und nun musste Kapitän Sen Zi-jun, die Beine gegen die tosenden, fünf Meter hohen Wogen fest auf den Boden gestemmt, sich von der Brücke zwei Decks nach unten in den düsteren Laderaum vorkämpfen, um ihnen die schlimme Nachricht zu überbringen, dass die wochenlange beschwerliche Reise womöglich ganz umsonst gewesen war.
Es war kurz vor Tagesanbruch an einem Dienstag im August. Der stämmige Seemann, der seinen Kopf kahl geschoren hatte und stolz einen kunstvoll gezwirbelten, buschigen Schnurrbart zur Schau trug, schob sich an den leeren Containern vorbei, die zur Tarnung auf dem Deck der zweiundsiebzig Meter langen Fuzhou Dragon verzurrt waren, und öffnete die schwere Stahlluke zum Frachtraum. In dem spartanischen, fensterlosen Raum kauerten zwei Dutzend Menschen. Unter den billigen Feldbetten trieben Abfälle und Kinderbauklötze aus Plastik im flachen Bilgenwasser.

„Das Gesicht des Drachen“ heisst im Original „The Stone Monkey“, was den Inhalt des Buches besser widerspiegelt. Es ist der steinerne Affe, der schlußendlich dazu führt, die Identität des Geistes zu lüften. Wer Deaver kennt, wird auch in diesem Buch überraschende Wendungen in der spannenden Erzählung nicht vermissen. Die detaillierten Beschreibungen von Chinatown und den Methoden der Schlepperbanden sind akribisch recherchiert. Die authentischen Informationen über chinesische Kultur und Medizin machen dieses Buch zusätzlich interessant. Wer noch nie mit Jeffery Deaver in Berührung gekommen und Thriller-Fan ist, wird zwangsläufig mehrere Bücher lesen wollen. Dieses Buch ist einer der besten aus der Reihe des gelähmten Ermittlers Lincoln Rhymes. Seit einem Unfall während einer Ermittlungsarbeit ist Rhyme querschnittgelähmt und löst seine Fälle aus dem Bett oder Rollstuhl aus. Mit viel Wissen und einer brillianten Kombinationsgabe überführt er die Täter.

Der amerikanische Autor Jeffery Deaver gilt als einer der weltweit besten Autoren intelligenter psychologischer Thriller. Seine Bücher werden in zahlreichen Sprachen übersetzt und haben ihm bereits viele renommierte Auszeichnungen eingetragen. Sein Buch „Der Knochenjäger“ wurde mit Denzel Washington und Angelina Jolie in den Hauptrollen verfilmt und war weltweit ein sensationeller Kinoerfolg. Mit seinem Ermittler-Paar Lincoln Rhyme und Amelia Sachs hat er ein bei den Lesern sehr beliebtes Gespann geschaffen.

Rezension: NR. 38
[ssba]
3. Juni 2007

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