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Jörg Maurer: Föhnlage

Der bayerische Autor, Jörg Maurer, ist eigentlich auf der Kabarett-Bühne zu Hause. Mit seinem Debüt-Roman „Föhnlage“ ist der Wortgewandte aus der Nachbarschaft nun auch ein Schreiberling und das garantiert Fitness für die Lachmuskeln. In einem bayerischen Dorf, einem Postkarten-Alpen-Kurort, fällt Ingo Stoffregen von der Decke des Kulturzentrums runter – und ist genauso tot wie der, auf den er drauf fällt. Der charismatische Hauptkommissar Hubertus Jennerwein wird mit der Aufklärung des seltsamen Unfalls/Selbstmords/Mords beauftragt. Ein Krimi mit einem kreativen Plot, spritzigen Dialogen und blau-weiss eingefärbten Charakteren.

„Wir befinden uns hier in einem halbwegs luxuriösen Fremdenverkehrsort. Es ist nicht gerade St. Moritz oder Kitzbühel, aber auch nicht Hinterpfuideifl.“

Ingo Stoffregen ist so was wie der lokale Sport-Star im bayerischen Kurort. Das kulturelle Leben interessiert ihn eigentlich überhaupt nicht, aber seiner neuen Flamme wegen organisiert er zwei Karten für ein Klavierkonzert der skandalträchtigen Pe Feyninger im hiesigen Kulturzentrum. Trotz seines Sprints durch das ganze Dorf kommt Ingo zu spät und so müssen sich er und Gaby unter Protest des Türstehers und Kartenabreissers Eugen Liebscher in den Konzertsaal hineinschleichen. Ingo hat schon fast seinen Sitzplatz erreicht, als er plötzlich taumelt und „medizinisch nicht mehr zu retten“ ist. Eugen Liebscher, ein unbeliebter Gschaftelhuber aus Sachsen (!), hat ihm durch seinen Fall von der Decke das Rückgrat gebrochen.

Nicht nur, dass keiner von den 400 Zeugen im Kulturzentrum auch nur irgendwas gesehen hätte, zu Beginn ist für den ermittelnden Jennerwein nicht einmal klar, von wo und wie überhaupt der Türsteher runtergefallen ist.

„Von dort oben kann man herunter springen“, sagte er nachdenklich und fuhr mit dem Finger die gestrichelte Linie nach.

„Das kann von einem Balkon immer.“

„Ich meine, man kann so herunter springen, dass man da landet, wo das Opfer aufgefunden wurde.“

„Jetzt sind wir doch wieder bei der Flugparabel angekommen. Ypsilon im Quadrat ist gleich zwei p mal x …“

„Hören Sie auf, Becker! Das tut mir weh! Sie behindern die Ermittlungen!“

Zudem muss sich Jennerwein mit den örtlichen VIPs auseinandersetzen…

„Und Sie sind wohl der leitende Beamte hier“, sagte Frau Oberstudienrätin Kübel.

„Ja, der bin ich.“

„Oberkommissar?“

„Hauptkommissar“, knurrte Jennerwein.

„Ich werde mir das nie merken: Der Oberkommissar ist eine Stufe unter dem Hauptkommissar, nicht wahr? Wie merken Sie sich das?“

„Ich sehe in meinem Dienstausweis nach“, sagte Jennerwein.

… und dann mit sprachlichen Spitzfindigkeiten, die die Ermittlungen nicht gerade bereichern:

„Sie haben einen Kampf gesehen?“

„Ja. Zwei Männer gingen sich an die Gurgel.“

„Sind Sie sicher, dass es Männer waren?“

„Nein, aber sie prügelten sich. Der eine holte aus und schlug zu.“

„Einmal? Mehrmals?“

„Vielleicht mehrmals, aber zumindest einmal.“

„Sie standen aber doch eng beieinander, die beiden Männer“

„Ja, ganz eng.“

„Wie kann da einer ausholen und mehrmals zuschlagen?“

„Ich habe gesagt vielleicht mehrmals.“

„Vielleicht auch gar nicht?“

„Nein, einmal ganz bestimmt.“

„Mindestens einmal schlug er zu?“

„Er holte jedenfalls einmal aus.“

„Vielleicht schlug er auch nicht zu? Und holte nur aus? Sie gaben gesagt, sie gingen sich an die Gurgel.“

„Nur so eine Redensart.“

Während Jennerwein und seine Mannschaft noch rätseln, wie der vermeintliche Unfall vonstatten gegangen ist, gehen Ignaz und Ursel Grasegger weiter ihren legalen und illegalen Geschäften nach. Das Ehepaar leitet das örtliche Bestattungsunternehmen und da ein solches Unterfangen in der modernen Zeit ebenfalls mit der Konkurrenz aus dem Nachbardorf zu kämpfen hat, haben sich die beiden ein zweites Standbein aufgebaut. Zusammen mit dem Österreicher Karl Swoboda lassen sie Leichen aus Italien verschwinden, in dem sie einfach die Gräber des Dorf-Friedhofs doppelt belegen. Die Zusammenarbeit mit der Mafia ist lukrativ – zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als Eugen Liebscher von der Decke fällt.

Bis zum Epilog lässt sich der Autor Zeit, die Zusammenhänge zwischen den Personen und Örtlichkeiten herzustellen und die Lösung des Falls zu präsentieren. Und bis dahin kann sich der Leser mit einer Geschichte vergnügen, in der – neben Wortwitz und bayerischen Marotten – auch der Föhn keine unwesentliche Rolle spielt. Und weil das Erstling ein (Lach-)Erfolg war, lässt Jörg Maurer den Kommissar Jennerwein in „Hochsaison“ (wird 2010 erscheinen) weiter ermitteln.

Website Jörg Maurer

Leseprobe des Fischer Taschenbuch Verlages

Rezension: NR. 148
4. September 2009

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