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Rita Falk: Grießnockerl Affäre

Grießnockerl Affäre

Nach „Winterkartoffelknödel“, „Dampfnudelblues“ und „Schweinskopf al dente“ beschert uns Rita Falk einen weiteren Provinz-Krimi, den 4. Fall des Kommissars Franz Eberhofer. Der Polizist ist eigentlich für das kleine bayerische Dorf Niederkaltenkirchen zuständig, hilft aber zudem des Öfteren im benachbarten Landshut aus. Eberhofer lebt mit Vater und Oma zusammen, führt eine lockere Beziehung mit Susi, hat einen Hund, geht zum „Wolfi“ auf das eine oder andere Bier und liebt Leberkässemmeln. Und er tut sich etwas schwer mit autoritären Personen, besonders mit dem Diensstellenleiter Barschl, dem der Franz mit Liebe eins auswischt. Man kann also durchaus behaupten, Eberhofer ist ein Parade-Bayer aus dem Lehrbuch.

In der „Grießnockerl Affaire“ hat Franz ein mörderisches Problem mit seinem Vorgesetzten, den Dienststellenleiter Barschl. Bei der Hochzeit seines Kollegen, dem Stopfer Karl, gerät er wieder einmal mit Barschl aneinander. Später, am Klo des Wirtshauses, beginnen sie sich sogar zu prügeln. Am nächsten Tag, Franz liegt mit einem Mords-Kater in seinem Bett, wacht er aufgrund heulender Sirenen und Blaulicht auf. Das SEK steht vor seiner Tür und will ihn zum Verhör nach Landshut abführen.

Am nächsten Vormittag werd ich lautstark geweckt, und irgendwie geht’s mir gar nicht gut. Mein Schädel muss die Größe einer Wassermelone haben. Besser wird es auch nicht, wie ich durchs Fenster schau, um diesem Lärm auf die Schliche zu kommen. Weil nämlich im Hof sage und schreibe drei rabenschwarze BMWs stehen mit Blaulicht und doppelt so viele SEKler und Helm, Schutzweste und MP im Anschlag. Mein erster Gedanke: Wahnsinn! Was der Alkohol aus einem Menschen macht! Der Zweite lässt die Sache auch nicht wesentlich realer wirken. So richtig real wird es schlagartig da, wo die Oma dazustößt. Und das muss man sich überhaupt erst einmal vorstellen. Da stehen also sechs Hanswursten vom SEK in unserem Hof, bewaffnet bis an die Zähne, und haben ganz offensichtlich meinen Saustall im Visier. Und was macht die Oma? Sie saust drüben aus dem Wohnhaus heraus, schwingt ihren Schrubber und drischt damit voll Inbrunst auf die verwirrten Krieger ein.

„Seid’s ihr alle narrisch geworden?“, schreit sie aus Leibeskräften. „Lasst’s gefälligst meinen Buben in Ruh!“

Der Barschl wurde in den frühen Morgenstunden im Polizeihof tot aufgefunden. Jemand hat ihn mit einem Hirschfänger die Kehle durchgeschnitten. Wie es sich später herausstellt, gehört der Hirschfänger dem Kommissar. Nun muss Franz erst einmal seine Unschuld beweisen. Zudem begrüßen ihn Kollegen und Nachbarn schon von Weitem als „alter Serienkiller“, „Meuchelmörder“ und „abartiger Schlächter“. Denn „Niederkaltenkirchen funktioniert wie ein Morsegerät“ und niemand zweifelt auch nur ein bisschen an Eberhofers Unschuld. Ein Grund mehr, den sympathischen Kommissar etwas aufzuziehen.

Es geht lustig zu in diesem Provinz-Krimi. Die Geschichte wird von Franz selbst erzählt und das in herrlich unterhaltsamer Umgangssprache und mit assoziativen Gedankensprüngen. Der Krimi wird flankiert durch humorvolle Nebenstränge: Die Oma wird von ihrer Jugendliebe besucht und verliebt sich heftig, der Sohn des Fleischers zerlegt einen BMW nach dem anderen, der alte Dorfarzt Brunnermeier versucht sich das Leben zu nehmen und wird von Franz dabei gestört und dann gibt’s im Rathaus eine neue Sekretärin, die für erotischen Wirbel sorgt. Klar, bei so vielen Begebenheiten, die im Alltag halt so passieren, kann ein Mordfall schon etwas ins Hintertreffen geraten. Unterhalten wird man aber dennoch – auf typisch bayerische Art. Als Zugabe gibt’s dann auch noch die Rezepte von der Oma. Lecker.

Rezension: NR. 291
16. November 2012

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