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Stanislaw Lem: Der Schnupfen

Elf seltsame Todesfälle sind der Aufhänger dieses Krimis von Stanislaw Lem. Elf Amerikaner, die alle so um die 50 sind und an Haarausfall und einer Allergie leiden, erkranken während eines Kuraufenthaltes in Italien auf mysteriöse Weise. Halluzinationen, Paranoia mit anschliessendem Selbstmordversuchen sind die Folge. Eine New Yorker Privatdetektei wird beauftragt, den Fällen nach zu gehen. Der durch seinen Heuschnupfen ausgemusterte Astronaut John, der den Opfern in Alter und Aussehen ähnlich ist, soll im Auftrag der Agentur den Lockvogel spielen. So reist John nach Italien und schlüpft in die Rolle des elften Verstorbenen Adams. Er soll die letzten Tage des Opfers nacherleben und so die laufenden Ermittlungen weiter bringen. Zuerst begibt sich John – wie auch seine (toten) Vorgänger – auf einen Kuraufenthalt in Neapel. Er macht – wie die elf zuvor – seine regelmäßigen Schwefelbäder, geht ins Restaurant und dann spazieren… Doch nichts tut sich. So bleibt ihm nichts anderes übrig als den Reiseweg des elften Toten – Adams – weiter nachzugehen und fährt nach Rom, um von dort nach Paris zu fliegen. Aber auch auf der Autofahrt nach Rom passiert nichts. Erst am römischen Flughafen wird’s aufregend: John wird in ein Bombenattentat verwickelt. Ein Japaner holt eine Handgranate aus seiner Kamera, reißt mit den Zähnen den Zünder heraus. John versucht das Attentat zu vereiteln, was ihm teilweise auch gelingt.

In Paris geht John seinen Ermittlungen nach und trifft auf Dr. Philippe Barth, einem Elektronik-Experten. Von ihm erhofft sich John eine Lösung des Falles von technisch-wissenschaftlicher Seite her. Plötzlich sieht sich der Astronaut mit Mathematikern, Statistikern, Informatikern und Kriminalisten konfrontiert, alle über Kausalität und Zufall philosophierend. John merkt, das ihn das nicht wirklich weiter bringt und beschließt zurück nach Rom zu reisen. Doch – wie es der Zufall haben will – die Flüge nach Rom werden storniert, nur noch ein Zimmer im Airport-Hotel ist frei und John erlebt dort sein zweites höllisches Inferno. Wird er nun das 12. Todesopfer sein?

„Der Schnupfen“ ist kein klassischer Krimi/Thriller, wer Science Fiction erwartet, wird ebenso enttäuscht werden. Stattdessen bringt der polnische Schriftsteller philosophisch-wissenschaftliche Ansätze über Kausalität und Zufall zu Papier, die die Mordermittlungen in einem anderen Licht erscheinen lassen. Der Roman ist mit Forschungstheorien und Gesellschaftskritik angereichert, aber nicht unspannend. Schlussendlich drängt sich jedoch eine grundsätzliche Frage auf: Wieviel Zufall kann ein Kriminalroman verkraften, bevor er in das Reich des Abstrusen abdreht?

Rezension: NR. 144
15. August 2009

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