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Tess Gerritsen: Todsünde

Ein ganz normaler Tag für die Bostoner Pathologien Maura Isles: gerade eben seziert sie einen Mann, der an einem Herzinfarkt gestorben ist. In der nächsten Minute wird sie zu einem Tatort bestellt. In einem Kloster wurde eine Novizin mit einem mehrfach eingeschlagenen Schädel gefunden. Und somit ist Maura mit einem weiteren „Patienten“ beschäftigt, der auf dem Seziertisch seine letzten Geheimnisse offenbart. In diesem Fall hat die Novizin kurz vor ihrem Tod ein Kind auf die Welt gebracht. Während der Suche nach dem Neugeborenen wird eine zweite weibliche Leiche entdeckt, bei der Maura ein weiteres Geheimnis entdeckt: Die Frau hatte Lepra. Zusammen mit der ermittelnden Polizistin Jane Rizzoli entdeckt sie Zusammenhänge zwischen den beiden Mordfällen.

Der Eingang zur Kapelle war mit gelbem Absperrband umspannt, das in der Mitte durchhing und bereits mit einer Eiskruste überzogen war. Sie hob es an, schlüpfte darunter hindurch und schob die schwere Tür auf. Ein greller Lichtblitz traf ihre Augen, und sie erstarrte in der Bewegung, während hinter ihr die Tür mit einem leisen Seufzen ins Schloss fiel. Sie blinzelte und wartete, bis das Nachbild verschwunden war, das sich in ihre Netzhäute eingebrannt hatte. Als sie wieder klar sehen konnte, erblickte sie Reihen von Holzbänken, weiß getünchte Wände und – am anderen Ende der Kapelle – einen Altar, über dem ein riesiges Kruzifix hing. Es war ein kalter, schmuckloser Raum, dessen Atmosphäre durch die Buntglasfenster, die nur trübe Schlieren von Licht einließen, noch zusätzlich verdüstert wurde.

„Stopp – passen Sie bitte auf, wo Sie hintreten!“, sagte der Fotograf.

Maura blickte auf den Steinboden zu ihren Füßen und sah Blut. Und Fußabdrücke – ein chaotisches Gewirr von Spuren, dazwischen medizinische Abfälle: Spritzenhüllen und aufgerissene Verpackungen. Die Hinterlassenschaften eines Notarztteams. Aber keine Leiche.

Sie ließ den Blick in einem weiteren Radius schweifen und erfasste das von Fußabdrücken verschmutzte Stück weißen Stoffs im Mittelgang, die roten Spritzer auf den Bänken. Es war so kalt in dem Raum, dass sie ihren eigenen Atem sehen konnte, und die Temperatur schien noch weiter zu sinken – die Kälte drang ihr bis ins Mark, als sie die Reihe von Blutflecken sah, die sich über die Bänke hinzog, und sofort begriff, was hier geschehen war.

Das Frauen-Power-Duo Isle/Rizzoli hat neben den Morden auch noch private Probleme, die sich auch noch dazu mit den Fällen mischen. Jane, eben hat sie erfahren, dass sie von einem one-night-stand schwanger ist, trifft auf ihren Ex-Lover Gabriel, einem FBI-Agenten (siehe auch Rizzolis erster Fall „Die Chirurgin„). Maura ist geschieden und scheinbar aus heiterem Himmel steht ihr Ex-Mann („der heilige Victor“) mit nicht als der Absicht einer Versöhnung und guten Sex vor der Tür. Als eine weitere, verwirrende Komponente kommt auch noch ein (sehr attraktiver) Pfarrer ins Spiel. Zu allem Überfluss entdeckt die Polizei eine entstellte Baby-Leiche.

Es kann einem eigentlich gar nicht langweilig werden: Zum einen gibt’s Tatorte mit jede Menge Blut und Ratten, zum anderen Entdeckungen auf dem Seziertisch (Sehnen und Muskeln, durch den Tot erstarrt, werden zerrissen und gebrochen – das hat schon was Gruseliges). Private Spannungen und Konflikte, eine (kurze) Debatte über Religion und Wissenschaft und dann auch noch Inzest – die Autorin packt so einiges in zwei (amerikanische) Buchdeckeln hinein.

Rezension: NR. 164
25. Februar 2010

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