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Anne Donovan: Einmal Buddha und zurück

einmal buddha und zurück

Hier geht’s um eine anfangs typische schottische Familie, den McKennas: Der Vater Jimmy ist ein Handwerker, Liz, die Mutter, arbeitet in einem Büro, die 12-jährige Tochter Anne Marie hüpft noch in einer Schuluniform herum, am Sonntag geht’s in die Kirche, im Pub treffen sie sich mit den Freunden, am Bier halten sie sich fest und sind überzeugt, dass der Partick Thistle Football Club fast schon als Religion durchgeht. Doch als eine Tages drei Lamas vor der Haustür der kleinen Familie auftauchen, denkt sich Anne Marie nur noch: Man Dad ist ein totaler Spinner. Mit Lamas sind natürlich nicht die haarigen Bergland-Tiere gemeint, sondern die echten, die von der tibetischen Sorte, mit braunen Gewändern und kahl rasierten Schädeln. Mit dem Besuch der drei Buddhisten dämmert es Liz und Anne Marie langsam, dass es Jimmy ernst meint, wenn er von Meditation und spiritueller Erleuchtung spricht.

Mein Dad ist ein Spinner. Total panne. Für einen Lacher würde der wirklich alles tun; er ist schon mit einer Unterhose auf dem Kopf durch die Läden spaziert und hat die Alten von nebenan erzählt, wir hätte im Lotto gewonnen und würden nach Barbados abhauen; aber das war harmloses Zeug im Vergleich zu dem, was er jetzt gemacht hat. Jetzt ist er Buddhist geworden.

Ma dachte zuerst, es wär wieder einer seiner Witze.

„Liz, ich geh mal eben für ein paar Stunden zum Buddhistischen Zentrum rüber. Werd nicht lange brauchen.“

„Aha. Gibt es da Freibier?“

„Nein, Spatz, ich mein es ernst. Ich dachte bloß, ich geh mal hin und meditier ein bisschen, probier es mal aus, weißt du?“

Mammy drehte sich vom Abwasch um und schickte ihm einen dieser Blicke rüber, einen der „Was-hat-er-denn-jetzt-schon-wieder-vor“-Blicke, wie ich sie schon Millionen Mal gesehen hatte.

„Jimmy, glaubst du, ich wär auf den Kopf gefallen? Du bist ein Heide. Zum letzten Mal hast du eine Kirche von innen gesehen, als dein Vater gestorben ist. Und davor, bei Anne Maries Erstkommunion, da musste ich dich hinschleifen. Und jetzt willst du mir erzählen, du gehst am Dienstagabend ins Buddhistische Zentrum, wo im Highlander Quizabend ist? Zum Meditieren? Erzähl uns doch keinen Unsinn.“

Wenn meinem Dad was peinlich ist, sieht er aus wie der Dünne in den Dick-und-Doof-Filmen, und er kratzt sich mit der linken Hand am Ohr. In dem Augenblick dachte ich zum ersten Mal: Vielleicht sagt er ja die Wahrheit.

Und allmählich beginnt sich Partylöwe und Ex-Punkrocker Jimmy von Grund auf zu verändern, was seine beiden Mädchen nicht unbedingt gut heißen. Anstatt mit der Tochter abends die Quizsendung zu schauen, ist Jimmy nun im buddhistischen Zentrum. Und anstatt bei Liz seinen Ehepflichten nachzugehen, beschließt er auch noch abstinent zu werden. Kein Sex. Kein Alkohol. Kein Fußball. Kein Fleisch. Und so verscherzt es Jimmy mit seinem neuen Lebensstil nicht nur mit Frau und Kind sondern auch noch mit dem Bruder.

So kann’s einem gehen, wenn man gut sein will: Anne Marie zieht sich immer mehr in ihren Freundeskreis und Schule zurück. Liz quartiert Jimmy zunächst ins Gästezimmer dann ins Zentrum aus und sucht sich darauf einen jungen Liebhaber. Und bis Jimmy seine wirkliche Erleuchtung findet, ist es fast zu spät und der Leser fast am Ende des Buches.

Der Erstlingsroman der schottischen Autorin ist ein „Gut-Buch“, das durch die amüsante Schreibe und dem trockenen Wortwitz zum Schmunzeln verleitet. Das Lesevergnügen nimmt auch noch zu, als die Autorin nach den ersten rund fünfzig Seiten endlich vom zu häufig verwendeten „total“ ablässt. Was ebenfalls gut ist, ist die sich abwechselnde Erzählperspektive, die die heiter betrachtete Problematik von allen Seiten nahe bringt.

Rezension: NR. 180
20. Mai 2010

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