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Carl Jonas Love Almqvist: Das Geschmeide der Königin

And now something completely different: Almqvist ist schwedischer Literat und schrieb dieses romantische Schauspiel in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts. Wer glaubt, die damalige Literatur sei fad, der irrt. Der schwedische König Gustav III. wird ermordet. Eine seltsam schöne Fremde spielt dabei eine unschuldige Rolle. Sie flüchtet aus Stockholm und verwirrt in dunklen Wäldern Männer- und Frauenherzen. Kömodie und Tragödie zugleich, Verwechslungen à la Shakespeare, und der wechselnde Stil von Prosa zu Dialog und zurück machen diese Mantel- und Degengeschichte zu einem Trip in eine romantische Vergangenheit.

Über Schwedens Hauptstadt schwebte der schreckliche Genius des Königsmords. Seine breiten Schwingen waren oben schwarz wie eine Märznacht um 12 Uhr; darunter rot wie die lodernden Flammen in einem Maskenballsaal.

„Es brennt! Feuer!“ riefen einige Masken bei den Kulissen. Rasch aber wurden die Flammen am Mantel des Königs gelöscht, und seine Umgebung begann zu ahnen, dass der Ruf lediglich ein Vorwand gewesen sein mochte, um Alarm zu schlagen und den Täter zu tarnen. Am Boden stieß Leutnant Pollets Fuß gegen ein Messer, scharf und mit Widerhaken; nicht weit davon entfernt lag eine Pistole; und dichter bei den Logen auf dem Boden eine zweite Pistole. – Der König war nicht tot, wurde aber verwundet aus dem Redoutensaal in seine Gemächer getragen.“

Bei einem Maskenball im Jahre 1972 wird der schwedische König Gustav III durch ein Komplott verwundet und stirbt bald darauf an seinen Verletzungen. So nach und nach stellt sich heraus, dass halb Stockholm an der Ermordung direkt oder indirekt beteiligt war. Was zu denken gibt, wird doch der Regent als edler Charakter präsentiert. Sein Sohn soll nun die Regenschaft übernehmen, doch der ist noch minderjährig und deshalb übernimmt der Bruder von Gustav die schwedischen Zügel.

Das Komplott ist bis ins letzte Detail geplant. Dazu wird eine unwissende Schauspielschülerin als Instrument zur Ermordung eingesetzt: Tintomara (Azoura und Lazuli wird sie später genannt), eine wunderschöne, zarte und geheimnisvolle Person ohne Identität. Eifersucht, Wahnsinn und unerfüllte Liebe begleiten sie auf ihrer Flucht vor dem vermeintlichen Bösen.

Bis zur Aufdeckung des Komplotts würzt Almqvist seine Geschichte mit viel verwirrender Liebe, geheimnisvoller Politik und Machenschaften und erzählt gleichzeitig von schwedischer Armut, Edelmütigkeit, Glanz und Gloria. „Das Geschmeide der Königin“ trägt den Untertitel „Romaunt“, was soviel wie Ritter- und Versroman bedeutet. Wer sich mal auf die Romantik einlassen möchte, dem empfehle ich dieses Buch. Auf die damalige Sprache muss man sich einlassen, die ist – aus heutiger Sicht – für unsereins etwas gewöhnungsbedürftig.

Tintomara: Victor!

Ferdinand: O verbirg deinen Schmerz nicht! Er zeigt sich so unbeschreiblich in deiner ganzen Gestalt. Noch erkenne ich alle Züge des munteren feengleichen Wesens, das die Wälder ringsum mit den leichtesten Sprüngen, mit scherzhaften Possen schmückte, ach! Mit Bewegungen unerklärlicher Anmut … und doch ist alles verändert, alles! Ein Schleier umzittert deine ganze Miene wie aus feinstem Dunkel …. dein himmlischer Blick schaut auf mich mit einer Sanftheit, die mich beseligt, und – doch erschrickt! Großer, lebendiger Gott, was – was ist der Gegenstand deines Schmerzes?

 

Rezension: NR. 97
24. April 2008

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