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Chitra Divakaruni: Die Hüterin der Gewürze

Für jede Befindlichkeit gibt es ein eigenes Gewürz, denn Gewürze sind mächtig. Und für jeden gibt es ein Gewürz des Lebens. Tilo ist Inderin und Hüterin der Gewürze. Sie hat die Gabe, die tiefsten Sehnsüchte und Wünsche anderer zu erkennen. Ihre Aufgabe ist es, den Menschen, die in ihren verstaubten Gewürzladen kommen, zu helfen. Doch es gibt Regeln für Hüterinnen: Bricht Tilo diese, wird sie zerbrechen. Den Leser dieses Buches erwartet ein sinnlich-mystisches Drama rund um Chilli, Safran, Sesam und Ingwer. Schon als Kind hat die eigensinnige Tilo die Gabe, das Schicksal ihrer Mitmenschen voraus zu sehen. Doch diese Gabe macht sie stolz, eitel und hochmütig. Auf einer Insel beginnt sie unter der Leitung der Alten Heilerin eine Ausbildung zur Hüterin. Als solche hat sie die Gabe, die richtigen Gewürze gegen Schmerz und Leid zu bestimmen. Als ihre Lehrzeit vorbei ist, kommt sie – im Körper einer alten Frau – ins heutige San Francisco und muss als Geschäftsinhaberin eines Gewürzladens den Menschen helfen. Sie darf jedoch nie den Laden verlassen, sich auch nicht im Spiegel anschauen und keine anderen Menschen berühren. Als Hüterin gelten nur die Bedürfnisse der anderen und nicht die eigenen. Dann verliebt sich Tilo in einen jungen Mann und sie überschreitet alle Grenzen. Sie weiß, dass sie damit ihre Gabe und ihr Leben verwirkt, denn sie muss Shampatis Feuer durchschreiten.

„Ich bin eine Hüterin der Gewürze.
Aber ich habe auch Macht über vieles andere: Mineralien, Metalle, Erde und Sand und Steine. Über die Edelsteine mit ihrem kalten, klarem Licht. Über die Flüssigkeiten, die einem ihre Farben in die Augen brennen, bis man nichts anderes mehr sieht. All dies hab ich auf der Insel gelernt.
Aber meine große Liebe gehört den Gewürzen.
Ich kenne ihre Herkunft und weiß, was ihre Farbe und Gerüche bedeuten. Ich kann jedes bei seinem wahren Namen nennen, den es am Anfang erhielt, als die Erde wie Haut aufplatzte und die Gewürze dem Himmel darbot. Ihre Hitze fließt durch meine Adern. Vom amchur bis zafran beugen sie sich meinem Befehl. Ein Flüstern genügt, und sie überlassen mir ihre versteckten Fähigkeiten und magische Kräfte.
Ja, sie alle besitzen Zauberkräfte, selbst die alltäglichen Gewürze, die Sie, ohne nachzudenken, in Ihren Kochtopf streuen.“

Der Roman besticht durch eine bildhafte und sinnliche Sprache und so nebenbei erfährt man auch, wozu Basilikum verbrannt wird, was Chilis alles anrichten können und was pani-puri sind. Die indische Autorin, Chitra Divakaruni, erzeugt Spannung durch das Aufeinanderprallen von Tradition und Moderne, Ost und West, Magie und Realität. 2006 wurde der Roman verfilmt.

Rezension: NR. 37
[ssba]
1. Juni 2007

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