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Daniel Oliver Bachmann: Raus aus der Provinz!

Das Leben im Schwarzwald ist öd – trotz bunter Frühlingsblumen, Häuser wie Streusel auf einem Geburtstagskuchen und Straßen so schmal wie Badetücher. Ratze Pukofel (kein Scherz) wohnt in einem Kaff, genauer gesagt in einem abgefuckten Bauwagen hinterm Haus seiner Tante Hedwig. Um fünf Uhr morgens geht seine Schicht in der Eimer-Fabrik los, am Abend schwingt Ratze seine E-Gitarre und macht mit seiner Band „The Plastic Oldtimers“ nicht gerade erfolgreich einen auf Rock’n Roll. Alk und Vermöbeln sind die Highlights. Doch Ratze will mehr: Rock-Star will er werden und vor allem: Raus aus der Provinz! Ratze bekommt seine Chance (an der seine Tante Hedwig nicht ganz unschuldig ist) und fährt in die große Welt – nach Berlin. Dort soll er sich für einen Studienplatz an der International Rock School, die von keinem Geringeren als dem Ian Anderson (Jethro-Tull) geleitet wird, bewerben. Doch es kommt erstens anders und zweitens als man denkt. Und weil dem Autor hier nichts heilig ist, stolpert das Land-Ei Ratze mehr oder weniger durch seltsame Entwicklungsphasen bis her endlich sich selbst, seinen Stil und endlich auch seine Lisa findet.

„Macht was Eigenständiges“, sagte Ian, „kopiert nicht andere. Spielt ehrliche Musik. Vor allem, versteckt euch nicht hinter Images.“

Alle johlten durcheinander. Jeder hatte seine Frage und auch Kermit war bei der Sache. Nur ich nicht. Ich dachte, oh Mann, du hast gut blubbern, heute ist die Konkurrenz eisenhart. Heute trittst du gegen alles an, was die Leute auf die Ohren kriegen, CDs, MP4s, DVDs, Podcasts, Soundtracks, Videogames, sogar Scheißklingeltöne. Wie oft hatte ich gehört, wenn ich um einen Gig für die Plastic Oldtimers bettelte: „Ihr covert? Okay. Aber komm nicht auf die Idee, deinen eigenen Scheiß zu spielen, klar?“

Deshalb dachte ich, Ian, du bläst zwar wunderbar auf deiner Flöte, aber vom Geschäft ganz unten hast du keinen Schimmer. Dein Hintern hockt schon zu lange im Rock-Olymp. Da juckt einen die Basis wenig. So viel zum Thema, macht was Eigenständiges, kopiert nicht die andere, spielt ehrliche Musik, versteckt euch nicht hinter Images. Ich nahm meine Gitarrenkoffer, klopfte Kermit auf die Schultern und machte mich davon.

Der Roman ist wie der gute alte Rock’n Roll: laut, schnell, mit wiederkehrenden Riffs und trashigen Wendungen, die einem nur Spaß machen, wenn man nicht darüber nachzudenken beginnt. Wer lieber auf Opern oder Volksmusik steht bzw. älter als 30 Jahre ist, sollte besser die Finger von diesem Buch lassen.

Rezension: NR. 167
[ssba]
22. März 2010

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