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Evelyn Waugh: Helena

Das Leben der heiligen Helena basiert mehr auf Legenden als auf Tatsachen. Fest steht, dass Helena Mutter Konstantins des Großen war und während ihrer Pilgerreise durch Palästina angeblich das echte Kreuz Jesus Christus gefunden hat. „Dies Buch ist ein Roman. Ein Erzähler hat es mit Erlebnissen zu tun, die seine Phantasie in Gang setzen. In meinem Falle war das Erlebnis das planlose Herumlesen in historischen und archäologischen Werken. Das Buch, das dabei herauskam, ist natürlich weder Geschichte noch Altertumswissenschaft“, so der englische Autor Evelyn Waugh (1903-1966). Also keine historisch ausufernde Abhandlung sondern ein spannender und gut erzählter Roman über das Ende der Christenverfolgung, imperialistische Korruption und der Niedergang Roms als ewige Stadt. Waugh lässt seine Helena in Britannien als Tochter von Coel, Häuptling der Trinovanten, aufwachsen. Als neugierig, romantisch und reiselustig wird sie beschrieben. Der junge Offizier Constantius ist in geheimer Mission unterwegs und sein Weg führt ihn unter anderem auch nach Britannien, wo er sich in Helena verliebt. Helena, die ihre Chance auf die große weite Welt sieht, willigt in die Heirat ein. Sie erkennt jedoch schnell, dass ihr Alltag durch Gesellschaft und Politik bestimmt wird und dass ihre Träume und ihre Kindheit damit zu Ende sind. Bald nach der Heirat bekommen Helena und Constantius einen Sohn, den sie Konstantin nennen. Konstantin der Große wird später mit dem Mailänder Edikt das Ende der Christenverfolgung einleiten und seine Mutter in den Kaiserstand erheben.

„Sagen Sie mir, Lactantius: dieser Gott, den ihr anbetet -, wenn ich Sie fragen würde, wann und wo man ihn sehen könnte, was würden Sie antworten?“

„Ich würde antworten, daß er als Mensch vor zweihundertundachtundsiebzig Jahren in Palästina starb, in der Stadt, die jetzt Aelia Capitolina heißt.“

„Das ist eine klare Antwort. Und woher wissen Sie das?“

„Wir haben die Aufzeichnung der Augenzeugen. Und außerdem dauert die lebendige Erinnerung in der Kirch fort: Nachrichte, die vom Vater auf den Sohn vererbt werden; unsichtbare Orte, die das Gedächtnis bewahrt hat – der Keller, in dem er geboren wurde; das Grab, in das man seinen Leib legte, und das Grab des Petrus. Eines Tages werden alle diese Dinge öffentlich bekanntgemacht werden. Jetzt hält man sie noch geheim. Wenn jemand die heiligen Orte aufsuchen will, muß er den richtigen Mann finden. Man kann ihm dann sagen: so und so viel Schritte nach Osten von dem und dem Stein aus gerechnet, auf den der Schatten bei Sonnenaufgang an einem bestimmten Tage fällt. Einige wenige Familien wissen diese Dinge und sorgen dafür, daß ihre Kinder diese Angaben lernen. Eines Tages, wenn die Kirche frei und offen für alle sein wird, werden solche Kunstgriffe nicht mehr nötig sein.“

Erst als Helena schon ziemlich alt war, lässt sie sich taufen und tritt ihre Pilgerreise nach Palästina an. Helena veranlasst Grabungen, denn ihr einziges Bestreben ist es, das echte Kreuz und Antworten auf Fragen, die sie sich schon ihr ganzes Leben gestellt hatte, zu finden.

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Rezension: NR. 67
1. Oktober 2007

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