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Gottfried Keller: Spiegel, das Kätzchen

Wer Gottfried Keller mit quälendem Rutschen am Schulsessel assoziiert, sollte ihm noch eine Chance geben: „Spiegel, das Kätzchen“ ist eine märchenhafte Novelle (erschienen 1855), eine kurzweilig heitere Geschichte von einem Kater, dessen Fell so glänzte, dass er Spiegel genannt wurde und der einen todbringenden Handel mit einem Hexenmeister schließt. Spiegel, das Kätzchen, ist lebenslustig, schlau, gut genährt und schön anzuschauen. Das ändert sich, als sein Frauchen stirbt und Spiegel obdachlos wird. Zersaust, verhungert und seines Lebens nicht mehr froh streunert Spiegel durch Seldwyla. Da begegnet er dem ortsansässigen Hexenmeister Pineiß, dem er – aus der Not heraus – für Kost und Logis seinen Schmer (Bauchfett) verkauft. Kurz: Spiegel wird solange gemästet, bis dass der Hexenmeister den Kater auskochen kann, um das begehrte Katzenfett zu bekommen.

„Da kam der Stadthexenmeister Pineiß des Weges, sah das Kätzchen und stand vor ihm still. Etwas Gutes hoffend, obgleich es den Unheimlichen wohl kannte, saß Spiegelchen demütig auf dem Stein und erwartete, was der Herr Pineiß etwa tun oder sagen würde. Als dieser aber begann und sagte: »Na Katze! Soll ich dir deinen Schmer abkaufen?« da verlor es die Hoffnung, denn es glaubte, der Stadthexenmeister wolle es seiner Magerkeit wegen verhöhnen. Doch erwiderte er bescheiden und lächelnd, um es mit niemand zu verderben: »Ach, der Herr Pineiß belieben zu scherzen!« – »Mit nichten!« rief Pineiß, »es ist mir voller Ernst! Ich brauche Katzenschmer vorzüglich zur Hexerei; aber er muß mir vertragsmäßig und freiwillig von den werten Herren Katzen abgetreten werden, sonst ist er unwirksam. Ich denke, wenn je ein wackeres Kätzlein in der Lage war, einen vorteilhaften Handel abzuschließen, so bist es du! Begib dich in meinen Dienst; ich füttere dich herrlich heraus, mache dich fett und kugelrund mit Würstchen und gebratenen Wachteln.“

Der Handel ist beschlossen und Spiegel, der darauf im gruseligen Schloß des Hexenmeisters einzieht, wird ab da mit den köstlichsten Leckereien verwöhnt, damit er ja viel Fett ansetzt. Am Anfang ist das ja für den Kater noch angenehm, aber als der Zeitpunkt des Auskochens naht, bekommt Spiegel Panik und überlegt, wie er dem Hexenmeister ein Schnippchen schlagen kann.

Die Geschichte des (fast) ausgekochten Katers ist übrigens auch Basisliteratur von Walter Moers`“Der Schrecksenmeister„, der das Märchen auf seine Art und Weise noch fantastischer und spannender verarbeitet hat. „Gottfried Keller selbst tritt hier als „Gofid Letterkerl“ (Anagramm) auf, aus Seldwyla wird Sledwaya und der Hexenmeister Pineiß zum Schrecksenmeister Eißpin. Das Werk wird als „Echo, das Krätzchen“ referiert und die Titeländerung damit begründet, der Kellerschen Erzählung „frische Popularität zu verschaffen“ – denn der Stil Letterkerls wirke „sperrig wie ein Kleiderschrank“ auf vor allem junge Leute.“ (Aus: Wikipedia)

Die Geschichte gibt’s online zu lesen auf Projekt Gutenberg

Rezension: NR. 120
7. Januar 2009

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