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Haruki Murakami: Gefährliche Geliebte

„Gefährliche Geliebte“ beginnt völlig harmlos: Der japanische Ich-Erzähler Hajime – was „Beginn“ bedeutet – erzählt von seiner Kindheit und von seiner ersten Jugendliebe Shimamoto, einem frühreifen Mädchen mit interessantem Charakter und einem steifen Bein. Die beiden teilen sich das Schicksal des Einzelkindes – ein im Japan der 50er Jahre ungewöhnlicher Zustand. Die beiden erleben die erste zarte und zurückhaltende Liebe.

Nach einem Umzug von Hajimes Eltern verlieren sie sich aus den Augen. Erst als Hajime knapp dreißig ist, trifft er Shimamoto wieder und wird erbarmungslos mit Vergangheit und Gegenwart konfrontiert. Das Schlüsselerlebnis, um das es sich immer wieder dreht, ist Hajimes Liebe zu Izumi, die er mit 16 Jahren kennenlernt. Diese zweite Liebe scheint perfekt, wäre da nicht sein Verlangen nach Sexualität, das erst Izumis Kusine stillt. Izumi beendet die Beziehung, als sie erfährt, dass sie betrogen worden ist. Hajimes Schuldgefühle begleiten ihn – auch dann als er mit dreißig seine Frau Yukiko heiratet, Vater wird und Karriere macht. Plötzlich sieht er sich wieder Shimamoto gegenüber und das Spiel um Macht, Erotik und Rache beginnt.

Der Höhepunkt des Romans des japanischen Autors Haruki Murakami ist die Liebesszene zwischen Hajime und Shimamoto: „Ich habe eine solche Liebesszene seit Jahren nicht mehr gelesen“, kommentiert Marcel Reich-Ranicki. „Gefährliche Geliebte“ war auch Anlaß eines Streites zwischen Reich-Ranicki und Sigrid Löffler im „Das Literarische Quartett“.

„Gefährliche Geliebte“ beginnt wie ein Entwicklungsroman, wobei Beziehungen zu Frauen und Sexualität die Hauptrollen spielen. Das Buch ist trotzdem kein erotisch-deftiger Roman sondern erzählt von Leidenschaft und Begierde in sehr persönlicher und zurückhaltender Weise. Noch ein Schwerpunkt des Romans sind Hajimes Sinn- und Identitätskrisen: Trotz Familie und Erfolg fühlt er sich einsam, unzufrieden und leer. Der Roman mag zu Beginn etwas eintönig erscheinen, wird aber später durch die geheimnisvollen Auftritte von Shimamoto spannend.

„Shimamoto–san, werde ich dich wiedersehen?“
„Wahrscheinlich“, entgegnete sie. Ein Lächeln spielte um ihren Mund, ein Lächeln wie ein durchscheinendes Rauchwölkchen, das an einem windstillen Tag himmelwärts schwebt. „Wahrscheinlich.“

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Rezension: NR. 35
[ssba]
22. Mai 2007

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