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Jane Austen: Verstand und Gefühl

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Wer eine wirkliche Leseratte sein will, sollte zumindest einmal in seinem Leben ein Buch von Jane Austen gelesen haben. „Verstand und Gefühl“ war einer der ersten Romane von Jane Austen – sie schrieb ihn als sie kaum zwanzig war. Und wie auch in vergleichbaren (früheren) Werken stehen hier junge, bürgerliche Frauen im England des augehenden 18. Jahrhundert im Zentrum des Geschehens, die nach einigen Wirrungen in Sachen Liebe endlich an den richtigen Mann kommen.

Mrs. Dashwood muss mit ihren drei Töchtern Elinor, Marianne und Margret nach dem Tod ihres Mannes von ihrem Zuhause Norland Park ausziehen. Der neue Hausherr, ein Sohn des Vaters aus erster Ehe und dessen Frau Fanny, wollen die mittellos gewordene Familie ehestmöglich aus dem Haus haben. Durch gute Beziehungen mieten sie sich ein kleines Cottage auf dem Landsitz Barton Park, das John Middleton, ein Cousin der Mutter, gehört.

Elinor, die älteste Tochter, hat sich mit dem Umzug auch schweren Herzens auch von Edward Ferrars, Bruder der kaltherzigen Fanny Dashwood, verabschiedet. Binnen kurzer Zeit haben sich die Frauen in der beschaulichen Grafschaft jedoch gut eingelebt und die Töchter lernen auch schon die ersten interessanten Männer kennen. Oberst Brandon, ein nicht mehr ganz so junger dafür reicher Mann, verliebt sich in Marianne. Marianne hingegen lernt bei einem Spaziergang den gut aussehenden aber wie sich später herausstellt ziemlich windigen Mr. Willoughby kennen, der im Sturm ihr Herz erobert.

Elinor, die älteste Tochter, deren Rat eine solche Wirkung zeitigte, besaß einen scharfen Verstand und ein nüchternes Urteilsvermögen, die sie trotz ihrer erst neunzehn Jahre zur Ratgeberin ihrer Mutter befähigten und sie häufig in die Lage versetzten, zum Vorteil aller jenem Gefühlsüberschwang Mrs. Dashwoods entgegenzuwirken, der sonst zu Unbedachtsamkeit geführt hätte. Sie hatte ein edles Herz, ein gütiges Wesen und starke Gefühle; aber sie wußte sie zu beherrschen – ein Fähigkeit, die ihre Mutter noch lernen mußte und die eine ihrer Schwestern entschlossen war sich niemals lehren zu lassen.

Mariannes Anlagen glichen denen Elinors in vieler Hinsicht. Sie war empfindsam und klug; aber in allem überschwänglich. In ihrem Schmerz und in ihrer Freude konnte sie sich nicht mäßigen. Die Ähnlichkeit zwischen ihr und ihrer Mutter war bemerkenswert ausgeprägt.

Mit Sorge sah Elinor das Übermaß an Gefühl bei ihrer Schwester, aber Mrs. Dashwood schätzte und hegte es. Sie bestärkten sich gegenseitig in der Heftigkeit ihres Unglücks. Die Leidensqual, die sie zunächst überwältigt hatte, wurde nun bewußt erneuert, herbeigesehnt und immer wieder erzeugt. Sie gaben sich ganz ihrem Kummer hin, suchten ihr Elend durch jeden sich bietenden Gedanken zu steigern und waren entschlossen, selbst in Zukunft niemals Trost zuzulassen. Auch Elinor war tief betrübt; aber noch konnte sie kämpfen, konnte sich zusammenreißen. Sie konnte sich mit ihrem Bruder besprechen, ihre Schwägerin bei deren Ankunft empfangen und sie mit gebührender Höflichkeit behandeln und sich bemühen, ihre Mutter zu ähnlicher Selbstüberwindung zu bringen und zu ähnlicher Nachsicht zu ermuntern.

Wie angelt man sich einen Mann?

Zwischen fünf-Uhr-Tees und abendliche Tanzveranstaltungen, Spaziergängen und Plaudereien, verbringen die beiden unterschiedlichen Schwestern Elinor und Marianne ihre Tage mit der Absicht, sich den Mann ihres Lebens zu angeln. Die Schwestern gehen dabei – der Titel verrät es hier uns schon – unterschiedlich vor: Elinor, die zurückhaltende, rationell denkende Frau, versucht ihrem Liebesleben mit Verstand und Logik beizukommen. Marianne hingegen geht impulsiv und spontan vor. Ihr selbstbewusstes und freches Auftreten imponiert Mr. Willoughby, der jedoch ihre Qualitäten zu spät zu schätzen weiß. Ob jedoch mit dem Gehirn oder mit rein mit dem Herzen: Beide Protagonistinnen können sich dem Liebeskummer nicht entziehen.

Ein Buch für Romantiker, die einen Gefühls-Overkill und knifflige Verwandtschaftsverhältnisse nicht fürchten: Jane Austen erzählt wie auch in „Stolz und Vorurteil“ sehr detailliert über innere, weibliche Zustände und reflektiert ein Bild der Frau in der damaligen Zeit (zugegeben ein eingeschränktes Bild, da Austens Heldinnen aus der bürgerlichen Mittelschicht kommen; von der damals beginnenden Industrialisierung keine Rede).

Rezension: NR. 177
9. Mai 2010

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