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Jon Krakauer: In eisige Höhen

Jon Krakauer

Manchmal dümpeln Bücher in den Tiefen unseres Regals herum und irgendwann kommen sie hervor – man pustet den Staub vom Deckel und denkt sich, warum eigentlich nicht… Der Untertitel dieses Buches „Drama am Mount Everest“ klingt ja recht spannend, wird aber die meisten von uns nicht gerade dazu bringen dem Buch eine wirkliche Chance zu geben. Ausser man ist Bergsteiger, Extrem-Sportler oder man hat gerade wirklich nichts Besseres zu tun. Es kann aber dann passieren, dass man trotz Vorbehalte angenehm überrascht wird.

Dieses Buch handelt von einer tödlichen Tragödie, die sich 1996 am höchsten Berg der Welt abgespielt hat. Vier Expeditionsteams mit insgesamt 33 Leuten befinden sich auf dem Weg zum Gipfel und werden von einem Schneesturm überrascht. Nur wenige schaffen mit letzter Kraft den kräftezehrenden Abstieg. Der Journalist und Bergsteiger Jon Krakauer, der selbst an der Expedition teilnimmt, dokumentiert den Hergang auf eindrückliche Weise und gibt noch zusätzliche interessante Infos über den Berg und seine Geschichte.

Falls es einen trostloseren, unwirtlichen Ort auf diesem Planeten gibt, hoffe ich, ihn nie zu sehen. Wenn der Jetstream auf das Everest-Massiv trifft und durch die V-förmigen Umrisse des Südsattels gepreßt wird beschleunigt der Wind auf unvorstellbare Geschwindigkeit. Häufig blasen am Sattel stärkere Winde als auf dem Gipfel. Anfang des Frühlings fegen fast ständig orkanstarke Böen über den Südsattel, und so ist es nicht verwunderlich, daß er sich als nackte, kahle Fels- und Eislandschaft präsentiert, selbst wenn auf den angrenzenden Hängen tiefer Schnee liegt. Alles, was nicht an Ort und Stelle festgefroren ist, wird nach Tibet gefegt.

Pfade, von Leichen gepflastert, zwischen Felsen und Eis leere Sauerstoffflaschen, das Wetter unberechenbar und die Luft so dünn, dass man ohne die entsprechende körperliche Konstitution kaum lange überleben würde. Wer meint, wer diesen Berg besteigt, müsse verrückt sein, wir wohl recht haben. Und trotzdem ist in den 90er Jahren ein regelrechter Run auf den Mt. Everest. Immer mehr kommerzielle Expeditionen verkaufen den Gipfelsieg um teures Geld, und nicht alle Teilnehmer bringen die dafür notwendigen Voraussetzungen für ein derartiges Wagnis mit.

Unglücklicherweise sind gerade jene, die darauf programmiert sind, Schmerzen einfach zu ignorieren und immer weiter gen Gipfel zu steigen, regelmäßig auch darauf programmiert, die Zeichen großer, nahe bevorstehender Gefahren zu übersehen. Dem entspringt ein zentrales Dilemma, in dem sich jeder Everest-Bergsteiger irgendwann befinden wird: Nur wer extrem motiviert ist, kommt durch, aber wer übermotiviert ist, findet möglicherweise den Tod. Darüber hinaus wird in Höhen über 8000 Meter die Trennungslinie zwischen angemessenem Eifer und versessenem Gipfelfieber immer dünner. Kein Wunder also, daß die Flanken des Everest von Leichen übersät sind.

Der Amerikaner Jon Krakauer arbeitet als Journalist bei der Zeitschrift „Outside“ als er den Auftrag bekommt, bei einer Everest-Expedition mitzumachen und über die überhand nehmende Kommerzialisierung des Berges zu schreiben. Zusammen mit sieben anderen Mitgliedern des Expeditionsteams von Rob Hall, einem neuseeländischen Bergführer, nach Nepal, ins Basislager. Bereits in der Akklimatisierungsphase kämpfen einige der Teilnehmer mit gesundheitlichen Problemen. Doch trotz Durchfall, Husten und Schlaflosigkeit brechen am 10. Mai 1996 vier Teams auf, um den Gipfel zu besteigen.
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Ein Vorhaben, das für viele tödlich endet. Ein unerwarteter Wettereinbruch, Verzögerungen beim Aufstieg und organisatorische Ungereimtheiten lassen die schlimmsten Befürchtungen wahr werden. Diejenigen, die nicht vor dem Gipfel in Eis und Fels erfrieren und es ins Lager schaffen, sind in einer dermaßen schlechten Verfassung, dass an einen weiteren Abstieg nicht zu denken ist. Auch nicht daran, den noch oben Verbliebenen zu helfen.

Er wandte sich Beck zu, der sechs, sieben Meter weiter lag. Auch Becks Kopf war mit einem dicken Eispanzer überzogen. Weintraubengroße Eiskugeln verfilzten sein Haar und seine Augenlider. Nachdem er Becks Gesicht von den gefrorenen Ablagerungen befreit hatte, stellt Hutchison fest, daß auch der Texaner loch lebte. „Beck hat irgendwas vor sich hin gemurmelt, glaube ich, aber ich hab’s nicht verstanden. sein rechter Handschuh fehlte, und er hat verheerende Erfrierungen gehabt. Ich hab dann versucht, ihn aufzurichten, aber es ging einfach nicht. Er war dem Tod so nah, wie ein Mensch nur sein kann, der trotzdem noch atmet.“

Völlig erschüttert ging Hutchison zu den Sherpas hinüber und fragte Lhakpa um Rat. Lhapka, ein alter Hase auf dem Everest, der wegen seiner Bergerfahrung sowohl von den Sherpas als auch den Sahibs respektiert wird, riet Hutchinson eindringlich, Yasuko und Beck liegenzulassen. Selbst wenn man sie noch lebend ins Camp Vier schleppen könnte, würden sie mit Sicherheit sterben, bevor sie ins Basislager gebracht werden könnten. Und ein Bergungsversuch würde ganz sinnlos das Leben der anderen Bergsteiger auf dem Sattel gefährden, von denen die meisten genug Schwierigkeiten hatten, es halbwegs unversehrt nach unten zu schaffen.

Mehr Infos: <a href=“http://de.wikipedia.org/wiki/Ungl%C3%BCck_am_Mount_Everest_%281996%29″ title=“Über das Unglück am Mount Everest 1996″>Über das Unglück am Mount Everest 1996</a>

Rezension: NR. 224
[ssba]
15. März 2011

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