Wir sind die Buchblogger mit der Ratte und lieben lesen!

Katarina Bivald: Ein Buchladen zum Verlieben

buchladen-zum-verlieben

Eine Brieffreundin im fernen Iowa zu besuchen, klingt nach einem guten Plan. Besonders für die junge Schwedin und arbeitslose Buchhändlerin Sara, die eine Pause in ihrem Leben braucht. Mit Amy, ihrer Brieffreundin, versteht sie sich blendend. Denn beide teilen eine Leidenschaft, die weit über die geschriebenen Zeilen auf Papier hinausgeht: Bücher. Die Reise sollte ein schönes Abenteuer werden, mit stundenlangen Gesprächen über Bücher – von Freundin zu Freundin. Doch als Sara in Broken Wheels, einem amerikanischen Kaff aus dem Klischee-Bilderbuch und Heimatstadt ihrer Brieffreundin, eintrifft, bekommt sie nur noch Amys Begräbnisfeierlichkeiten mit. Sara ist der Panik nahe: Wie soll sie die nächsten zwei Monate überstehen? Mutterseelenallein in der Pampa, mit nur 13 Büchern im Gepäck?!

Die Vorstellung, zwei Monate bei jemandem zu wohnen, hatte ihr Sterbensangst gemacht, aber in Amys Briefen hatte es etwas gegeben, ein Wissen, dass auch Amy Bücher liebte, und das hatte Sara dazu gebracht, etwas zu wagen und sich in dieses Abenteuer zu stürzen.

Broken Wheels ist nicht gerade ein Urlaubsparadies: Die amerikanische Kleinstadt im Süden Iowas hat genau eine Bar, einen Schnell-Imbiss, einen Kramer-Laden, einen Gemeinderat und einen Pastor. Die Arbeit ist rar. Die Jungen wandern in die benachbarten Städte ab, die Schule wurde aufgrund mangelnden Nachwuchses bereits vor Jahren geschlossen. Die Gemeinschaft von Broken Wheels lebt mehr durch gegenseitige Hilfe als von bezahlter Arbeit. Für sie ist Sara, die Touristin, nicht nur eine willkommene Abwechslung, sondern auch jemand, um die man sich geschlossen kümmern muss. So ist es nur logisch, dass Sara umgehend in die soziale Dynamik des amerikanischen Landlebens hineingezogen wird.

Eine schwedische Touristin muss zwangsläufig auf Männerjagd sein. Zu diesem Schluss kommt der Gemeinderat, als er die Causa „Sara“ im alten Kino bespricht. Sara, die erste richtige Touristin in Broken Wheels, soll sich wohlfühlen, Ausflüge machen und Leute kennenlernen. Und so wird George zu ihrem persönlichen Chauffeur bestimmt und der attraktive Tom zum Urlaubsflirt abkommandiert. Sara ist sich der Zuwendung der Gemeinde nicht ganz geheuer. Viel lieber hätte sie sich mit einem Buch auf die Veranda von Amys Haus gemütlich gemacht. Nun wird sie durch ein trauriges Kaff aus Klinker, Asphalt und Beton kutschiert. Schaufenster ehemaliger Geschäfte sind mit Brettern zugenagelt, Werbeschilder mehr als zwanzig Jahre alt. „Ein verdammtes Kaff, das ist es. Wenn ich Sie wäre, würde ich nicht hierbleiben“, rät ihr Grace, die Inhaberin der Imbissbude. Doch Sara bleibt. Und lernt die Leute in Broken Wheels kennen: Caroline, die ehemalige Lehrerin, George, der Ex-Alkoholiker, Andy und Carl, das schwule Pärchen, das die einzige Bar betreibt. Und Tom, den gut aussehenden, jungen Mann, der so gar nicht an einem Urlaubsflirt interessiert ist. Ganz Broken Wheels scheint nur dazu sein, um Sara zu bemuttern. Die vielen Gefälligkeiten hinterlassen bei Sara jedoch einen schlechten Beigeschmack. Sie möchte den Einheimischen etwas zurückgeben. Als sie in Amys Haus die Schlüssel für einen Laden im Ort entdeckt, keimt in ihr eine Idee:

„Einen Buchladen?“, frage Jen. Sie klang nicht direkt feindselig, aber sie war offenbar skeptisch. Andy war Sara einen seltsamen Blich zu und Caroline saß nur da, mit unergründlicher Miene. Sara stand vor ihnen auf der Bühne. Sie wünschte, das wäre nicht nötig gewesen. Vielleicht hätte sie stattdessen im Kontrollraum sitzen können. „Ich würde gern…“ Sie schluckte. Dann erzählte sie ohne Luft zu holen weiter, ehe sie es bereuen könnte: „Ich würde gern in Amys altem Laden eine Buchhandlung eröffnen. Mit ihren Büchern. Als Erinnerung an sie.“

In Saras Leben spielen Bücher die Hauptrolle. Sie liebt es, in fremde Welten und fiktiven Charakteren einzutauchen. Die Bücher sind für sie aber auch ein Schutzwall vor den Menschen: „Sie hatten Sara vor der Umwelt beschützt, hatten aber auch die Umwelt in eine Art verschwommene Kulisse für die wahren Abenteuer in ihrem Leben verwandelt.“ In Broken Wheels wird Sara mehr oder weniger genötigt, Teil einer sozialen Gemeinschaft zu sein. Aus der grauen Büchermaus mausert sich langsam eine selbstbewusste junge Frau, die erfährt, dass auch die Wirklichkeit aufregende Momente bietet.

Wie der Titel andeutet, ist dieses Buch eine gefühlsbetonte und einfach gestrickte Liebesgeschichte. Zudem dreht sich bei diesem Roman – und dies ist der große Pluspunkt – alles um Bücher. In Amys Briefen werden Fragen wie, was ist ein Klassiker, was erotische Literatur, diskutiert. Als Sara ihren Buchladen einrichtet, ist sie mit folgender Problematik konfrontiert: Wie soll sie Amys Bücher sinnvoll sortieren? Und: Wie bringt man ein verschlafenes Dorf überhaupt zum Lesen? Mit unkonventionellen Ideen (von denen sich der eine oder andere Buchhändler inspirieren lassen könnte) und viel Charme gewinnt Sara die Herzen der Einheimischen. Aber auch umgekehrt hat man Sara gern und überlegt, wie man das Problem mit dem auslaufenden Visum angehen könnte.

Katarina Bivald arbeitete 10 Jahre lang in einem Buchladen. Sie lebt in der Nähe von Stockholm, gemeinsam mit vielen Bücherregalen. Sie weiß bis heute nicht genau, was sie bevorzugt: Menschen oder Bücher. Wir möchten uns bei der Rupertusbuchhandlung in Salzburg für des Leseexemplar bedanken. Dort kann man das Buch als Hardcover, e-Book und als Audio-Hörspiel auch gleich bestellen.

Rezension: NR. 324
12. August 2014

Deine Meinung über dieses Buch:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.