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Khaled Hosseini: Drachenläufer

Drachenläufer ist ein Roman des afghanisch-amerikanischen Schriftstellers Khaled Hosseini

Kabul in den 70ern: Amir, Sohn eines reichen, paschtunischen Vaters, wächst gemeinsam mit Hassan, Sohn des Hausdieners Ali, in einem noch friedlichen Afghanistan auf. Hassan ist mehr als Amirs Freund – trotz des Standesunterschieds. Aber Kinder können grausam sein: Mit 12 Jahren zerstört Amir seine Freundschaft zu Hassan auf nachhältige Weise. Jahre später bekommt er jedoch die Möglichkeit den Verrat in der Kindheit wieder gutzumachen und sieht sich dann mit einer völlig anderen Heimat konfrontiert.

dramatisch, menschlich, politisch

„Drachenläufer“ ist ein afghanischer Roman und er gewährt dem Leser Einblick in die afghanische Seele. Amir und Hassan, zwei Freunde die unterschiedlicher nicht sein könnten. Nicht nur, dass soziale- und ethnische Unterschiede immer wieder Keile in ihre Freundschaft treiben, Neid und Eifersucht treiben Amir ebenso kleine Stacheln in seine kindliche Seele, denn er glaubt, sein Vater würde Hassan ihm vorziehen. Amir entspricht so gar nicht dem Bild, das ein afghanischer Vater von seinem Sohn hat: zu weich, zu sensibel und zu wenig Schneid. Da ist Hassan schon ein ganz anderer Kerl: der Familie ergeben und treu, mutig und ehrlich.

Doch trotz dieser Gegensätze verbringen die beiden Buben eine wundervolle Kindheit. Bis zu dem Zeitpunkt als sich feiger Egoismus nach einem Wettkampf im Drachensteigen durchsetzt und Amir einen schrecklichen Fehler mit folgenschweren Konsequenzen begeht. Hassan und sein Vater Ali verlassen daraufhin Kabul. Bald danach müssen auch Amir und sein Vater ihre Heimat verlassen, denn die Russen marschieren in Afghanistan ein. Amir und sein Vater flüchten nach Amerika und die Schuld reist mit. Ein Telefonanruf Jahrzehnte später katapultiert Amir zurück in seine Vergangenheit – zurück in eine zerstörte und von den Taliban terrorisierte Heimat – und er weiß, dass er vieles gut zu machen hat. Kann er dieses Mal über seinen eigenen Schatten springen?

„Ich kann nicht nach Kabul fahren, hatte ich zu Rahim Khan gesagt. Ich habe eine Frau in Amerika, ein Haus, eine Karriere und eine Familie. Aber wie könnte ich jetzt einfach von hier verschwinden und wieder nach Amerika zurückkehren, wo doch mein Handeln dazu geführt hatte, dass Hassan jegliche Möglichkeit genommen worden war, das zu besitzen, was ich besaß?

Hätte mich Rahim Khan doch nur nicht angerufen! Hätte er mich doch nur im Dunkeln über all diese Dinge gelassen! Aber er hat mich angerufen. Und Rahim Khans Enthüllungen hatten vieles verändert. Sie hatten mich dazu gebracht, einzusehen, dass mein Leben lange vor dem Winter 1975, schon zu der Zeit, als mich noch die singende Hazara-Frau stillte, ein einziger Teufelskreis aus Lügen, Verrat und Geheimnissen gewesen war.

Es gibt eine Möglichkeit, es wieder gutzumachen, hatte Rahim Khan gesagt.

Eine Möglichkeit aus dem Teufelskreis auszubrechen.

Und diese Möglichkeit bot mir ein kleiner Jungen. Ein Waisenkind. Hassans Sohn. Der irgendwo in Kabul war.“

Nicht zu Unrecht wird das Erstlingswerk des in Amerika lebenden Afghanen Khaled Hosseini ein Bestseller genannt. „Drachenläufer“ wurde außerdem bereits erfolgreich verfilmt. Beachtliche Verkaufszahlen und eine Verfilmung sind meistens noch lange keine Kriterien für ein gutes Buch. In diesem Fall aber sind sie Belege für die dramatische Erzählung über Liebe, Verrat, Schuld und Sühne.

Flüssiger Erzählstil und eine spannende Handlung vor einer konfliktträchtigen Kulisse mit ausgeprägten Charakteren besetzt, werden mit Eindrücken einer uns fremden Welt zu einem hervorragenden Buch arrangiert – ein Buch, das man erst aus der Hand gibt, wenn man die letzte Zeile gelesen hat.

Rezension: NR. 83
[ssba]
10. Februar 2008

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