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Robert Menasse: Don Juan de la Mancha

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„Die Schönheit und Weisheit des Zölibats verstand ich zum ersten Mal, als Christa Chili-Schoten zwischen den Händen zerrieb, mich danach masturbierte und schließlich wünschte, dass ich sie – um es in ihren Worten zu sagen – in den Arsch ficke.“ Mit diesen Sätzen eröffnet Nathan, ein Verführer in trauriger Gestalt, seine Lebensgeschichte, die von Lust und Lustlosigkeit angetrieben wird. Ein Buch über die seltsamen Irrungen männlicher Liebe. Sein Vater war ein Verführer, Nathan musste es wohl auch werden. Mit Anfang Fünfzig ist Nathan verheiratet, hat eine Geliebte, die nicht daran denkt, ihren Mann zu verlassen, und konsultiert regelmäßig seine Therapeutin Hannah. Nathan hat zwar seine Freude daran, Frauen zu verführen, spürt jedoch keine Lust dabei. Dieses Problem stürzt ihn nicht nur in eine sexuelle sondern auch in eine existentielle Krise. Hannah empfiehlt ihm, eine Reportage über die verlorene Lust zu schreiben.

Nathan ist Journalist und schreibt für das Ressort „Leben“ eines Magazins. Auf der Couch der Therapeutin erzählt Nathan über sein bisheriges Leben – seine Kindheit, Jugend, sein nahes Verhältnis zur Mutter, seine Distanz zum Vater und über die zahlreichen Frauen, mit denen er eine Affäre hatte. Aber trotz des Aufarbeitens der Vergangenheit bleibt Nathan ein Don Juan, ein Verführer, und zugleich ein Don Quichotte de la Mancha, ein Ritter von trauriger Gestalt.

„Man kann nur mit der ersten Frau oder mit der letzten glücklich werden“, sagt der Vater und bringt das Dilemma auf den Punkt.

„Don Juan de la Mancha“ ist eine durchdachte Erfahrungsgeschichte über die Liebe und zugleich eine Zeit- und Milieu Studie. Mehr als die Geschichte über die männliche Midlife-Crisis unterhalten die teils provokanten, teils altklugen Sätze über Sex, Lust und Glück. Schon deswegen sollte man einen Blick in das Buch werfen.

„… denn die Enttäuschung ist auch nur eine Variante der Täuschung”

“Manchmal ist es leichter, ein bisschen glücklich zu sein, wenn man unglücklich ist, als vorbehaltlos glücklich zu sein, wenn man einigermassen glücklich ist.”

„Es ist ein Irrtum zu glauben, dass man kaum noch Sex hat, nur weil man keine Lust mehr auf Sex hat. Im Gegenteil: Ich hatte nie ein so exzessives Sexualleben wie jetzt, wo Sex mich langweilt.“

„Die erste Empfindung eines jeden Menschen, die erste Erfahrung auf der Welt ist die Unlust: im Moment seiner Geburt.“

„Man liebt nicht, weil man sich verliebt. Man liebt, weil man in einem Zustand ist, in dem man die Liebe für sich beschließt.“

„Nichts ist leerer als ein leerer Vortragssaal.“

Über Robert Menasse

Rezension: NR. 79
9. Januar 2008

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