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Takashi Matsuoka: Die Stunde des Samurai

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Aus europäischer Sicht tickt Japan komplett anders – das war schon immer so – besonders als Japan noch keine westlichen Einflüsse kannte und es noch die Samurais gab, die unerbittlichen Soldaten, deren Ziel es ist, im Kampf ehrenvoll ihr Leben auszuhauchen. Aber anders als die rohen Wikinger bei uns, hatten die japanischen Krieger Stil und Etikette. „Die Stunde des Samurai“ spielt in einer Zeit, als Japan zum ersten Mal von der Globalisierung gestreift wird: Amerikanische, englische und holländische Schiffe ankern vor den Küsten und so manch schnelldenkende Japaner merkt, dass mit ehrwürdigen Traditionen, uralten Stammesfehden und jahrhundertelang gepflegte Eitelkeiten so langsam kein Staat mehr zu machen ist. So ein Blitzkneisser ist Genji, Großfürst von Akaoka und Anführer des Okumichi-Clans. Genji ist nicht nur mächtig sondern auch ein Visionär, was seinem größten Widersacher, Kawakami, Chef der Geheimpolizei, mehr als nur ein Dorn im Auge ist. Zudem gibt sich Genji auch noch mit den gerade per Schiff angekommenen Ausländern, drei Amerikaner, ab. Mit der hübschen Geisha Heiko, glaubt Kawakami, Genji bald abservieren zu können und mit ihm die drei westlichen Eindringlinge.

Wieder betrachtete Genji die Schiffe. „Dampfmaschinen zum Antrieb, bei Wind und bei ruhiger See. Kanonen, die noch in Kilometern Entfernung Vernichtung bringen können. Eine Handfeuerwaffe für jeden Soldaten. Drei Jahrhunderte lang haben wir uns mit dem Schwertkult etwas vorgemacht, während sie sich ganz und gar auf Effizienz konzentriert haben. Sogar ihre Sprachen sind effizienter, und deshalb auch ihr Denken. Wir sind so vage, verlassen uns zu sehr auf das Unausgesprochene, auf Andeutungen.“

„Ist Effizienz so wichtig?“

„Im Krieg schon, und dazu wird es kommen.“

„Ist das eine Prophezeiung?“

„Nein, nur gesunder Menschenverstand. Überall, wohin sie kamen, haben die Ausländer alles an sich gerissen: Leben, Schätze, Land. Über drei Viertel der Welt haben sie ihren rechtmäßigen Herrschern durch Plünderungen, Mord und Sklaverei entrissen.

Heiko sagte: „Gänzlich anders als unsere Großfürsten.“

Genji lachte fröhlich. „Unsere Pflicht ist es sicherzustellen, dass in Japan einzig und allein wirplündern, morden und versklaven dürfen. Wie könnten wir uns sonst Großfürsten nennen?“

Japan befindet sich im Umbruch: Wirtschaftliche Interessen aus dem Westen schwappen an die Küste und mit ihnen das Christentum und Schusswaffen im Schlepptau. Kein Wunder, dass sich gerade die Traditionalisten gegen diese Entwicklung mit aller Kraft wehren. Ein Vertreter des „Bushido“ ist der Chef der Geheimpolizei des Shoguns, Kawakami. Um den mächtigen Fürsten Genji aufs Kreuz zu legen, setzt er die hübsche und intelligente Geisha Heiko (die auch noch eine ausgebildete Ninja ist…) auf ihn an. Eigentlich hätte er damit rechnen müssen, dass sich Heiko früher oder später in Genji verliebt.

Gleichzeitig geht ein amerikanisches Schiff vor Anker. An Land gehen drei Amerikaner: ein fanatischer Pfarrer, seine attraktive Verlobte Emily sowie ein Revolverheld, der in Japan den Mörder seiner Familie stellen will. Genji nimmt sich den dreien an und macht sich damit bei seinen Feinden noch unbeliebter. Es dauert nicht lange und ein offener Krieg zwischen den Clans bricht aus.

Wenn mal einmal geschnallt hat, wer gegen wen integriert, also wenn man die Protagonisten namentlich halbwegs im Kopf hat, wird das Buch wirklich spannend. Es ist gerade soviel Romantik in dem Roman, dass er nicht als Liebesgeschichte durchgeht, und genau soviel Brutalität, dass es einem nicht graust. Interessant ist es, wie der Autor die Unterschiede zwischen westlicher und östlicher Kultur bei so Kleinigkeiten wie „Was macht eine Frau attraktiv“ oder „Wie gestaltet sich bequemes Sitzen“ herausgearbeitet hat.

Rezension: NR. 183
[ssba]
25. Juni 2010

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