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Ulrich Hoffmann: Was tun wenn’s brennt?

Hier geht’s nicht um die besten Tipps, was zu tun ist, wenn Feuer am Dach ist. Auch die Telefonnummer der Feuerwehr wird man in diesem Buch nicht finden. Stattdessen gibt’s Sponti-Sprüche an den Hauswänden, eingeschlagene Fensterscheiben, Schlägereien mit der Polizei bei Demos gegen Kapitalismus und Imperialismus. Und darum, wie sechs Anarchos eine Bombe basteln, die blöderweise erst über ein Jahrzehnt später hochgeht. Und auch dann gibt’s nur eine Antwort auf die Frage „Was tun wenn’s brennt?“ – ganz einfach: BRENNEN LASSEN! Ein besetztes Haus in der Machnowstraße in Berlin in den 80ern, als die Mauer noch stand. Tim, Maik, Hotte, Flo, Terror und Nele sind die anarchistische Gruppe 36. Ihr Lebensinhalt ist der Kampf gegen das Establishment. Aber das Torten- und Pflastersteinewerfen ist den Punks nicht genug. Eine Bombe soll die Krönung ihrer Aktivitäten gegen die Kapitalistenschweine und Faschistenbullen sein. Mit Puderzucker extrafein, Unkraut-Ex und braunem Salpeter basteln die sechs an ihrem Brandanschlag. Und weil sie der Nachwelt ihr Engagement für eine bessere Welt nicht vorenthalten möchten, wird das Ganze auf Super-8 gefilmt.

Der Anschlag auf eine amerikanische Villa im Grunewald geht jedoch in die Hose – die Bombe zündet nicht. Das tut sie erst viel, viel später – Ende der 90er Jahre: die Mauer gibt es schon lange nicht mehr, Berlin ist zum Regierungszentrum geworden, Sponti-Sprüche sind out, der Punk tot. Als bei einer Hausbesichtigung die Bombe plötzlich hochgeht, beginnt die Polizei ihre Ermittlungen. Und plötzlich lebt die Vergangenheit für die inzwischen meist bürgerlich gewordenen Ex-Hausbesetzer und Autonomen auf. Das besetzte Haus in der Machnowstraße gibt es immer noch – von der Gruppe 36 sind nur Tim und Hotte übrig geblieben. Bei einer Hausdurchsuchung wird das gesamte Filmmaterial konfisziert. Hotte und Tim trommeln die alte Truppe zusammen, denn nur gemeinsam können sie das Problem mit der Polizei lösen. Aber die anderen sind mittlerweile Teil des Establishments.

„Mensch, weeßte noch? High sein, frei sein, Terror muß dabei sein!“, röhrte Hotte gut gelaunt. Robert Stöckle schaute sich besorgt um, Er trug einen etwas spießigen grauen Anzug und darüber eine schwarze Robe, wie es für seinen Job angemessen war: Er hatte es mittlerweile zum Staatsanwaltanwärter gebracht. Und das unerwartete Wiedersehen war ihm sichtlich unangenehm. Das blieb dann nicht einmal Hotte verborgen. „Mensch, Terror, guck dich an“, versuchte er die Situation zu entkrampfen, „trägst immer noch gerne Schwarz, wa?“

„Ich versteh das einfach nicht. Objekte dieser Art sind doch sonst nie hochgegangen“, flüsterte Terror. Sein Blick zuckte hin und her. Auf keinen Fall dürften die Kollegen etwas mitkriegen. Ein Staatsanwaltsanwärter, der Bomben gelegt hatte, war schlimm genug. Aber ein Staatsanwaltsanwärter, der eine Bombe gelegt hatte, die hochgegangen war – der konnte sich gleich einsargen!

Hotte knuffte Terror in die Seite. „War eben ’ne Spitzenladung. Haste echt druffjehabt, Terror“, sagte er mit breitem Grinsen.

Terror wurde kalt. Er beugte sich zu Tim vor und frage: „Seid ihr denn sicher, dass ich in dem Film überhaupt zu erkennen bin? Ich meine…?“

Hotte und Tim schauten einander wissend an. Es war doch immer das Gleiche. Jeder ihrer ehemaligen Freunde war nur um die eigenen Haut besorgt. Und ganz sicher, dass man sich doch so verändert habe seit damals, also schon mal allein so optisch… Aber erstens hatten sie diese Frage bereits zweimal an diesem Tag mit einem deutlichen Ja beantwortet. Und zweitens musste doch eigentlich allen klar sein, dass auf Tims Lehrfilm jeder und alles bestens zu erkennen war – dazu hatten sie das Ding damals schließlich gedreht!“

„Was tun wenn’s brennt“ ist das Buch zum gleichnamigen Film, der 2001 in den Kinos zu sehen war. Mit Til Schweiger, Martin Feifel, Sebastian Blomberg und Doris Schretzmayer in den Hauptrollen. Nostalgisches und witziges Pflichtprogramm für die 80er Generation!!!

Rezension: NR. 91
24. März 2008

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