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Vanessa Vollmann, Anette Reiter: München Manhattan

Vanessa Vollmann, Anette Reiter München Manhattan

Gleich vorweg: Hier handelt es sich um ein Buch, das von Frauen geschrieben wurde, von Frauen handelt und mit höchster Wahrscheinlichkeit nur von Frauen gelesen wird. Und bevor jetzt jemand das Gesicht verzieht: Man(n) muss es ja nicht lesen. Nun, ich hab’s gelesen und zwar ratz-fatz. Der Roman hat mir einerseits das geliefert, was ich durch Aufmachung, Titel und Klappentext erwartet habe: Ein locker erzählte Geschichte dreier Freundinnen, die ihre Schicksale meistern. Die feschen Männer, die im Alltag auf der Seife stehen, fehlen ebenso wenig wie das ensprechende Chick Lit-Ambiente inkl. Prada und Gucchi. Andererseits war ich auch überrascht. Die Geschichte ist erfreulicherweise sehr spannend gestaltet. Zudem kommt das Lesevergnügen durch wechselnde Erzählperspektiven und gedankliche Einschübe der Freundinnen mit viel Tempo daher. Kirstin, Susanna und Sophie sind Freundinnen und auch familiär verbandelt. Auch wenn Kirstin mit Mann und Tochter in Manhattan wohnen und Sophie und Susanna in München, haben die drei einen guten Kontakt und ihre Welt ist soweit in Ordnung. Das ändert sich allerdings als Kirstin ihren Mann im Central Park dabei erwischt, wie er mit einer attraktiven Blondine poussiert. Kirstin nimmt ihre Tochter und haut erstmal Richtung München ab, um sich bei Familie und ihren Freundinnen seelischen Beistand zu holen. Doch weit gefehlt: Mehr oder weniger muss sie sich mit Vorwürfen auseinandersetzen.

Während Kristin noch darüber nachdenkt, hat ihr Schwägerin schon angefangen sie zu löchern. „Jetzt muss ich doch mal fragen – bitte versteh‘ mich nicht falsch, was mein Bruder getan hat, ist einfach unverzeihlich und geht überhaupt nicht – aber ihn gleich verlassen? Ihr seid doch verheiratet – da solltest du ihm doch vielleicht wenigstens die Chance geben, sich zu erklären?“

Klar, dass jetzt die Schwester in ihr spricht! Zum Kotzen! Wieso sollte ich diesen Mistkerl irgendetwas geben. Er hat alles aufs Spiel gesetzt, unsere Familie, mein Leben, mein Vertrauen, meine Liebe, eben alles.

Wut steigt in Kristin hoch. Sie versucht sich zu beruhigen. Susanna kann ja eigentlich nichts dafür, dass ihr Bruder so ein Idiot ist.

Kirstin merkt durch die Gespräche mit ihren Freundinnen immer mehr, dass es da einige dunkle Flecken in Sophies Leben gibt, die sie betreffen. „Wir alle haben Geheimnisse“ ist da noch vor dem Prolog zu lesen. Und genau diese können das Leben anderer ungemein erschweren. Und so nach und nach offenbart sich eines nach dem anderen und am Ende – wie könnte es auch anders sein – lösen sich Affairen, Vertrauensbrüche, Erziehungsprobleme, Selbst-Betrug und Schuldenberge in Wohlgefallen auf.

Das Buch hat auch am Rande mit moderner Emanzipation zu tun: Das eigene Geld verdienen, nicht von einem (und schon gar nicht vom eigenen) Mann abhängig sein zu wollen, die Entscheidung ob Karriere oder Kinder und die Gleichstellung der Eheleute im Alltag und Beruf sind die Themen, die die Autorinnen in einem gerade für junge Frauen entsprechenden Setting gepackt haben und sie auch so dosiert haben, dass sich die Leserinnen gerade noch mit den Problemen und deren Bewältigung identifizieren können.

Leseprobe

Die beiden Autorinnen betreiben übrigens auch ein Online-Magazin und Blog: www.muetterschreibenfuermuetter.com

Rezension: NR. 186
17. Juli 2010

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