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Robert Silverberg: Die Stadt unter dem Eis

In ferner Zukunft herrscht eine neue Eiszeit über der oberen Hemisphäre. Um überleben zu können, haben die Menschen in den USA und Europa begonnen, ihre Städte unterirdisch zu errichten. Sie leben nun bereits seit Jahrhunderten eingeschlossen unter dem ewigen Eis. Der 17-jährige Jim kennt im Jahr 2650 seine Heimatstadt New York nicht anders als ein unüberschaubares mit Kunstlicht durchflutetes Konstrukt mit endlosen Tunnels und engen Behausungen. Als sein Vater und dessen Freunde mit Hilfe eines alten Funkgeräts Kontakt zu jemanden in London aufnehmen, werden sie kurzerhand von der New Yorker Regierung des Hochverrats angeklagt und an die Oberfläche ausgesetzt. Ausgestattet mit Schlitten aus dem Museum, beginnt die Truppe sich nun gegen Kälte, Schnee und Sonne zu behaupten, um ihr Ziel zu erreichen: das fünftausend Kilometer entfernte London.

Es war um das Jahr 2200 gewesen, als die Menschen bemerkten, daß es auf der Erde kälter wurde. Der Übergang hatte sich ganz allmählich eingestellt. Er war fürs erste nur an einem leichten Sinken der jährlichen Durchschnittstemperaturen auf der Erde zu erkennen. Da man aber wußte, daß sich das Klima in den vorangegangenen Jahrhunderten eher verbessert hatte, maß man diesem geringen Temperaturrückgang keinerlei Bedeutung zu. Der Gedanke an eine fünfte Eiszeit wäre absurd erschienen. Bis sie begann!

Man wußte aus der Geologie, daß die Erde seit ihrem Bestehen in den vergangenen Jahrmillionen schon vier Eiszeiten erlitten hatte. Verschiedene Theorien versuchten eine Erklärung für solche Eisperioden zu finden. Die einen vertraten die Ansicht, daß ihre Ursache durch Wechsel in der Sonnenausstrahlung hervorgerufen würde; andere sprachen von einer Vermehrung oder auch einer Verminderung des Kohlendioxydgehaltes in der Atmosphäre. Wieder andere waren davon überzeugt, daß die Temperaturschwankungen der Eismeere ein neues Eiszeitalter bewirken konnten. Alle diese Theorien gab es, und jede hatte ihre Verfechter.

In „Die Stadt unter dem Eis“ leben die Bewohner der USA und Europa bereits seit Jahrhunderten in unterirdischen Städten. Die südliche Hemisphäre dagegen ist sprichwörtlich in ihrer Blüte. Doch Südamerika und Afrika haben bereits vor der Eiszeit ihre Grenzen vor den Massen der Flüchtlinge dicht gemacht und nur wenige haben sich im Eis behauptet und überlebt. Jim und seine Begleiter sind nicht nur mit einer ungebändigten Natur konfrontiert sondern auch mit wilden Völkern, die ihnen nicht immer wohl gesonnen sind. Eine spannende Handlung, gestrickt nach alter SF-Manier: Eine Idee wird mit einem großen zeitlichen und/oder räumlichen Abstand neu betrachtet und in ein utopisches Abenteuer gebettet. Zukunftsfantasien, die ein wenig kribbeln – wer weiß, wann die nächste Eiszeit kommt.

Die Originalausgabe dieses Buches von Robert Silverberg ist 1963 unter dem Titel „Time of the Great Freeze“ erschienen. In Anbetracht globaler Erwärmung und dem halbherzigen Schutz unseres Klimas gewinnt die bereits in den Jahren gekommene Geschichte an Bedeutung. Der Roman bringt uns auch in Erinnerung, dass – abgesehen wie Menschen mit ihrer Umwelt umgehen – Eiszeitalter in der Erdgeschichte immer wieder auftreten. Das Buch eignet sich durch seinen Abenteuer-Faktor und des flotten Erzählstils gut für junge Leser.

Rezension: NR. 168
[ssba]
25. März 2010

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