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Ingrid J. Poljak: Diabellis Inferno

Psychothriller von Ingrid Poljak - Diabellis Inferno

Ein Wiener Strizzi wird von der Dachterrasse seiner Villa gestoßen. Ein Mord in Wien wäre für den Kommissar Paul Grafellner eigentlich kein Grund seinem Freund Chefinspektor Bertl Behringer eine Nachricht zu hinterlassen. Lediglich die Worte „Wien, Mühlgasse 29“ stehen auf dem Zettel, den Behringer auf seinem Schreibtisch in seinem Büro im LKA Graz findet. Die düsteren Erinnerungen an den Klostermord vor 16 Jahren lassen Bertl nicht lange zögern. Kurzerhand steigt er in den Zug nach Wien. Außerdienstlich versteht sich.

Es ist nicht der Wiener Strizzi, hinter dem Behringer her ist. Gegenüber von Nummer 29 wohnt der vermögende Schmuckdesigner Luc Diabelli, der Hauptverdächtige im Mordfall vor 16 Jahren. Damals wurde die verbrannte Leiche eines Klosterbruders in einem Kanalschacht unweit des katholischen Internats Hortensianum gefunden. Dieser sogenannte Klostermord wurde nie aufklärt und Behringer macht sich Vorwürfe über seine einstigen unsauberen Ermittlungen. Aber auch aus einem sehr privaten Grund ist der Grazer Polizist an der Person Diabelli interessiert. Der Wiener Strizzi ist lediglich der Auslöser für Behringer sich seiner Vergangenheit zu stellen. Und dazu braucht er eine DNA-Probe für einen Vaterschaftstest.

Brutale Morde und ein bisschen Erotik

Ein wenig später wird ein Nachbar Diabellis tot aus dem Wienfluss gefischt. Ihm folgt der alte Wiedl, den die Polizei vergiftet in seiner Badewanne findet. Derweil wird die fesche Architektin Xenia Wolenski von dubiosen Motorradfahrern verfolgt. Aber ihre Aufmerksamkeit konzentriert sich weniger auf die Biker mit den unterschiedlichen Helmen. Vielmehr hat sie ein Auge auf den attraktiven Diabelli geworfen, Dieser umgarnt die junge Frau nach allen Regeln der Kunst und ködert sie dann auch noch mit einem lukrativen Auftrag. Und Xenia lässt sich verführen. Doch das erotische Abenteuer bekommt bald einen schalen Beigeschmack.

Während sich Xenia mit Luc vergnügt, ermitteln die beiden befreundeten Kollegen Paul (offiziell) und Bertl (inoffiziell). Sie stoßen bei ihren Recherchen zu den drei Morden auf Grundstücksspekulationen und ominöse Beteiligungen an Wiener Bordellen. Aber egal, was sie auch herausfinden: Immer wieder führen die Spuren zur Mühlgasse – dort, wo Luc Diabelli wohnt. Aber die Ermittler tappen lange im Dunklen. Denn zu viele Personen spielen eine Rolle, und welche sie genau spielen, erschließt sich Behringer erst, als es fast zu spät ist.

Die Hölle im Kopf

Mit Luc Diabelli hat sich die Autorin Ingrid J. Poljak eine Figur ausgedacht, die lange nicht greifbar ist. Immer wieder lässt sie verstörende Bilder, die Diabelli heimsuchen, in den Krimi einfließen. Erinnerungslücken, Albträume, Bruchstücke aus einer schrecklichen Vergangenheit und das Andenken an seinen Meister lassen die Grenzen zur Realität verschwimmen. Was wirklich geschehen ist oder geschieht, fragt sich nicht nur Diabelli selbst, sondern auch der Leser. Dieses danteske Szenario wird mit zwei zur Vergoldung bereitliegenden Totenmasken komplettiert. Die wesentliche Frage, die sich alle stellen: Wer ist Diabelli eigentlich? Ist er der Unschuldige oder der Teufel? Oder beides in einer Person?

„Diabellis Inferno“ ist ein Wiener Psychothriller, der von der Autorin schnörkellos und trocken erzählt wird. Es dauert eine Weile, bis richtige Spannung aufkommt, die den Leser aber dann das Buch nicht mehr aus der Hand legen lässt. Bis dahin unterhält Ingrid Poljak ihre Leser mit einer ausgeklügelten Thriller-Handlung, die mit einigen Verwirrung stiftenden Kniffen angereichert ist.

Von Ingrid J. Poljak haben wir bereits zwei Bücher vorgestellt:

Ingrid J. Poljak: Die Hände des Doktor Kinich

Ingrid J. Poljak: Bildermord

Rezension: NR. 374
28. Juni 2017

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