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Hermann Bauer: Karambolage

karambolage

Carambolage, auch Karambol, ist der Überbegriff einer Billard-Variante, die mit drei Kugeln gespielt wird. […] Im Gegensatz zum Poolbillard oder Snooker werden hier keine Kugeln in Taschen versenkt; der Tisch hat keine Löcher. Carambolage ist eine Präzisionssportart.(Quelle: Wikipedia)

Zwei verfeindete Kontrahenten treffen im traditionellen Wiener Kaffeehaus „Heller“ bei einem Turnier aufeinander. Mit Tücke gewinnt Georg Fellner das Duell, Egon Sykora stürmt wutentbrannt und mit allerlei Drohungen auf der Zunge das Etablissement. Wenig später wird Fellner auf der Straße von einem Auto angefahren und ist sofort tot. Ist es ein Unfall oder Mord?

Herr Leopold ist Oberkellner im „Heller“, eine Bedienung der alten Schule: dienstbeflissen, hilfsbereit und auch ein wenig eigenwillig. Und er ist ein neugieriger Hobby-Detektiv. Als Fellner tot auf der Straße liegt, ist Leopold zur Stelle und hat auch schon die ersten Theorien zu „seinem Fall“. Gut, dass der ermittelnde Inspektor ein alter Schulfreund von Leopold ist. Und ebenfalls gut ist es, dass sein Freund Korber mit von der Partie ist, wenn es gilt, Recherchen zu betreiben. „Karambolage“ ist der zweite Fall für den übereifrigen und naseweisen Oberkellner.

„Wer sind Sie überhaupt, dass Sie sich da einmischen?“ Der grelle Strahl einer Taschenlampe fiel in Leopolds Gesicht. „Aber das ist doch … unser lieber Freund, Herr Hofer, der Kaffeehausober, dessen Lieblingsbeschäftigung es ist, sich um Dinge zu kümmern, die ihn nichts angehen, und die Arbeit der Polizei zu erschweren, wo immer es geht. Wahrscheinlich haben Sie sich auch schon recht eifrig an der Leiche zu schaffen gemacht.“

„Nicht direkt, Herr Inspektor, nicht direkt. Aber bitte: W. Hofer, Leopold W. Hofer. Auf diese Initiale lege ich größten Wert.“

„Ich pfeife auf Ihre Initiale. Sagen Sie mir lieber, weshalb Sie schon wieder einmal ungebeten am Tatort sind.“

„Ganz einfach, Herr Inspektor. Das Unglück hat sich sozusagen genau vor meinem Arbeitsplatz abgespielt. Erhebliche Geschäftsstörung gewissermaßen. Zuerst der Stromausfall, und dann das. Da musste ich doch nachschauen gehen.“

„Haben Sie den Unfallhergang gesehen?“

„Nein! Der liebe Herr, der jetzt so verzweifelt ist, weil er eigentlich gar nichts dafür kann, hat mir alles erzählt. Vielleicht fragen Sie ihn, wie es ja eigentlich Ihre Aufgabe ist.“

Bollek, der zu hohem Blutdruck neigte, war einem Wutausbruch gefährlich nahe. „Verschwinden Sie jetzt, aber schleunigst“, schrie er Leopold ins Gesicht. „Ihre üble Art, sich wichtig zu machen, ist uns bereits bekannt. Gehen Sie nur wieder schön fleißig an Ihre Arbeit. Sollten wir etwas von Ihnen brauchen, werden wir Sie holen. Bis dahin Abmarsch!“

Der Herr Leopold kann ziemlich nervig werden, wenn es gilt, einen Mordfall zu lösen. Beharrlich und mitunter sehr eigenmächtig zieht er seine Ermittlungen durch – nicht immer zur Freude der Polizei und seines besten Freundes Korber. Denn der würde lieber mit seiner Lehrer-Kollegin Maria das Nachtleben Wiens genießen. Aber nicht nur Leopolds Ermittlungsaufträge kommen ihm da in die Quere sondern auch Marias seltsamer Schützling mit der roten Mütze.

„Karambolage“ ist ein solider gestrickter Wiener Kaffeehaus-Krimi, der überwiegend von dem eigenwilligen und stereotypen Charakter des Protagonisten Leopold getragen wird. Sehr charmant beschrieben ist der Schauplatz des Krimis, denn hauptsächlich spielt sich alles im „Heller“ ab. Wer als Gast eine solch ehrwürdige Wiener Institution schon mal besucht hat, wird sich gut in die Geschichte hinein versetzen können und seine Freude dabei haben.

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