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Johannes Witek: Gebete an den Alligator und die Klimaanlage

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Dieses Buch trägt den Untertitel „Schon wieder Gedichte und Prosa“ und damit ist schon viel gesagt. „Gebete an den Alligator und die Klimaanlage“ ist ein Buch mit 87(!) Gedichten und prosaischen Texten, die sich allesamt um die bodenlosen Abgründe unserer Gesellschaft drehen.

Der junge Salzburger Lyriker Johannes Witek fokussiert dabei Charaktere, die sich beim ersten Eindruck als seltsam oder abnormal beschreiben lassen. Ob der Mann, der sich weigert Schuhe anzuziehen, die Angestellte, die ihre Zerstückelung testamentarisch festlegt, die alternde Diva, die ihren Bühnenabgang selbst inszeniert, oder das Ehepaar, das bei seiner Frankreichreise einem jungen Paar beim Vögeln zuschaut. Es sind Personen am Rande der Gesellschaft, um die sich seine Gedicht-Geschichten drehen, Personen, die unsere Nachbarn sein könnten. Bei einigen dieser Geschichten bleibt einem der Lacher allerdings im Hals stecken, denn Witek ist ein sehr genauer Beobachter der alltäglichen Wahrheit und trifft mit Wortwitz und Esprit gezielt ins Schwarze.

Ein belesener Korrespondent

„Im Leben wie in der Literatur“,
schrieb er mir,
„überblättere ich im Grunde alles nur
bis ich zu den Sexszenen komme.“

Im Grunde war er schon immer
ein Idiot,
dachte ich und überblätterte
diese Stelle
schnell.

Den meisten Gedichten in diesem Band liegt eine Geschichte, eine alltägliche Begebenheit oder ein menschliches Schicksal zugrunde, die oft an der Grenze zur Absurdität entlang führen und mit viel Biss und Sarkasmus umgesetzt sind. Sie stimmen den Leser nachdenklich, nämlich besonders dann, wenn Witek die frustrierende Abgestumpftheit seiner Protagonisten und die Plattitüden des Lebens beschreibt. Skurrilität wechselt sich ab mit Gesellschaftskritik und philosophischen Gedanken, die einem im Gedächtnis haften bleiben, wie z.B. „Das Herz ist ein unheimlicher Muskel“:

Wir alle pochen im Dunkeln,
nach einem Rhythmus,
den wir nicht verstehen.

Witeks Gedichte hinterlassen Spuren. Sein Wortwitz, pointiert und einfallsreich eingesetzt, karikiert und unterhält. (Allein das Lesen der in dem Inhaltsverzeichnis angeführten Titel ist ein Spaß: „An den Wassern der Kontingenz“, „Das vorletzte Abendmahl“, „Alles Atmen dient dem Taschentuch“, „Gebete an den Alligator und die Klimaanlage“ oder „Seit ich mir den Porsche gekauft habe, höre ich nachts um vier den Alligator lachen“.)

Der Blücher-Blog bedankt sich beim CR Verlag für das Rezensionsexemplar. Auf der Website des Verlags kann das Buch auch direkt bestellt werden.

Rezension: NR. 268
2. Mai 2012

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