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Markus Zusak: Der Joker

Ed Kennedy ist ein Versager: Immer noch 19, keine Freundin, keine Ausbildung, kein Ziel. Er schlängelt sich als Taxifahrer durchs Leben, wohnt in einer Bruchbude mit seinem alten Köter namens Türsteher und sein Freund Marvin ist ebenfalls ein Versager. Eines Tages findet Ed ein Karo-Ass in seinem Briefkasten. Auf der Rückseite der Karte stehen drei Adressen in einer krakeligen Handschrift. Eine klare Aufforderung für Ed endlich mal was zu tun – aber was eigentlich genau…?

Ed tut was und macht sich mal – mehr aus Neugier – auf den Weg zu den drei Adressen. Er sieht sich auf einmal mit Schicksalen, mit Menschen in hoffnunglosen Situationen, konfrontiert und Ed begreift, dass er handeln muss und dass er das Leben anderer positiv beeinflussen kann. Aber die ihm auf der Karte gestellten Aufgaben sind nicht leicht zu lösen und oft reicht Mut und Herz nicht aus:

Ich atme. Ich breche fast zusammen.

Ich frage dich: Was würdest du tun, wenn du an meiner Stelle wärst? Sag’s mir. Bitte sag’s mir!

Aber du bist von alledem weit entfernt. Deine Finger blättern diese Seiten um, eine nach der anderen, die mein Leben irgendwie mit deinem verbinden. Deine Augen sind in Sicherheit. Diese Geschichte ist lediglich ein weiteres Kapitel in deinem Gehirn. Für mich aber ist es das Hier und Jetzt. Ich muss da durch und mir stets und ständig bewusst machen, was für einen Preis ich dafür zahlen werde. Nichts wird mehr so sein wie zuvor. Ich werde diesen Mann töten, und dann werde ich selbst sterben und zwar innerlich. Ich möchte am liebsten schreien. Ich möchte schreien und fragen, warum das alles so ist. Die zersprungenen Sterne rieseln heute Nacht wie winzige Eiszapfen auf mich nieder, aber nicht einmal dieser Gedanke kühlt mich ab. Nichts und niemand gewährt mir einen Ausweg. Die Gestalt vor mir sinkt zu Boden und ich stehe über ihm, warte ab.

Warte.

Versuche.

Eine bessere Lösung zu finden.

Gott, die Waffe in meiner Hand ist so steif.

Ed stellt sich seinen abstrusen Pflichten und ist dann gar nicht erleichtert. Aus gutem Grund, denn dem Karo-Ass folgen Pik, Karo, Treff und Herz. Als ihm noch ziemlich brutal mitgeteilt wird, sich den gestellten Aufgaben mit Engagement zu widmen, kommt Ed über den Sinn der seltsamen Postzustellungen ohne Absender ganz schön ins Grübeln. Was bedeutet das alles? Warum ausgerechnet er? Ist das alles ein Spiel?

Mit „Der Joker“ hat Markus Zusak – ein Australier mit österreichischen Wurzeln – den Deutschen Jugendliteraturpreis ergattert. Zu Recht: der Plot ist mit nichts vergleichbar, der abwechslungsreiche Schreibstil und die Ich-Erzählsituation sind – gerade für Teenager – erfrischend und die direkte Ansprache an den Leser bindet einen noch mehr in das Geschehen ein. Und schlussendlich hat dieser Roman auch eine Botschaft – nicht nur für den Protagonisten.

Ein empfehlenswertes Buch, das allerdings von Zusaks zweitem Buch „Die Bücherdiebin„, getoppt wird.

Rezension: NR. 136
[ssba]
30. Juni 2009

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