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Gerd Schilddorfer & David G. L. Weiss: Ewig

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Wien: Ein aufgesetzter Schuss in die Schläfe eines Fremdenführers in einer Kirche. Die noch brennenden Kerzen bilden zwei Buchstaben – ein L und ein I. Lissabon: Eine Touristin wird mit einem Kampfstoff vergiftet, ihr Kopf – auf dem AGNES eingeritzt ist – wird in ein Bachbett gelegt, so dass das Gift langsam dem Tejo freigegeben und ein ökologischer Supergau verursacht wird. Wien: eine Studentin wird von der Kuppel der Karlskirche gestossen, das Gesicht schwarz bemalt, der Rücken mit Flügeln versehen. Mysteriöse Morde als Auftakt für eine perfekt inszenierte Unterhaltung. Drei Morde – ein Killer, dem die Opfer nur Mittel zum Zweck sind – nämlich das über Jahrhunderte nicht geknackte Geheimnis des Kaisers Friedrich III. im Auftrag der chinesischen Regierung zu enthüllen. Allein den Code zu diesem Geheimnis hat der Kaiser hinterlassen: Die uns wohlbekannten (und immer noch nicht entschlüsselten) Buchstaben AEIOU sind der Ausgangspunkt zur Jagd nach dem größten Mysterium der Weltgeschichte.

Zu Beginn der Mordserie weiss der ermittelnde Wiener Kommissar Berner noch nichts von der weit reichenden Bedeutung, die die Mordopfer symbolisieren. Berner, ein liebenswürdiger Grantler, steht zwar kurz vor seiner Pensionierung, geht aber dennoch mit seiner erfahrenen Spürnase ans Werk (nicht gelöste Fälle sind eine persönliche Beleidigung). Die grausigen Morde geben ihm Rätsel auf, und zudem wird er auch noch von Paul Wagner, einem dynamischen Reporter (hier kann man sich Robert Kratky in der UPC Werbung vorstellen), belästigt. Als Wagner erfährt, dass es um historische Symbole geht, nimmt er Kontakt zu seinem alten Freund Georg Sina – ein Professor in mittelalterliche Geschichte – auf. Doch bevor sich die beiden, gemeinsam mit Berner, auf die Spur der verstaubten Mysterien begeben, müssen erst alte Geschichten aufgearbeitet werden.

„Wir haben hier ein mittelalterliches Rebus, das riesengroß ist. Einige Teile davon kennen wir – das Grab Friedrichs, sein Monogramm, die fünf Kirchen, die Selbstlaute, das Drachenviereck, das chinesische Längenmaß, den verschwundenen Leichnam des Kaisers – und alle haben eine doppelte oder dreifache Bedeutung. Aber viele Teile und vor allem den Grund für all das kennen wir noch lange nicht.“

Der Wissenschaftler faltete langsam den Plan zusammen. „Irgendjemand wollte uns mit dem Mord auf eine Fährte locken, will, dass wir für ihn ein Rätsel lösen, das noch nicht jemand gelöst hat.“ Er schaute seinen Freund an und führte seinen Gedankengang fort. „Ich weiß nicht, ob ich das Geheimnis für jemand anderen lüften möchte. Ich glaube nicht.“ Sina strich sich über die Haare und dachte nach. Dann sagte er: „Aber eines weiß ich – ich will, dass wir dieses Rätsel lösen. Für uns.“

Wagner lächelte und nickte. Seine Müdigkeit und seine Zweifel waren wie weggeblasen. „Gut, Georg, einverstanden, damit ist die Entscheidung gefallen. Ich weiß zwar nicht, was Friedrich versteckt hat, aber was immer es ist, er hat sich viel Mühe gegeben.“ Wagner rieb sich vergnügt die Hände. „Und wir werden es finden.“

Der Plan des südafrikanischen Auftragskillers geht also auf: Wagner und Sina haben angebissen und versuchen den Code des Habsburgers zu entschlüsseln. Die Morde haben jedoch auch andere Gruppierungen wach gerüttelt, die nun ihrerseits ziemlich aktiv werden. Der Rat der 10 (ein geheimer Ritterorden in Prag) und der israelische Geheimdienst mischen nun mit den Chinesen mit. Und alle haben es nur auf eines abgesehen: Was wusste Friedrich der Dritte und warum hat er sein Geheimnis derart verschlüsselt?

Man muss kein Hobby-Historiker sein und auch kein Fan von Dan Brown, um diesen Verschwörungs-Thriller zu verschlingen. Die Geschichte rund um Friedrichs Geheimnis veredeln die beiden österreichischen Autoren mit ebenso spannenden und mitunter auch witzigen Nebenhandlungen, ohne sich dabei zu verzetteln oder den roten Faden zu verlieren. Im Gegenteil: Gegen Ende macht jedes beschriebene Detail, jeder Ausflug in die Vergangenheit und Gegenwart, Sinn – das Puzzle wird bis zum letzten Stück komplettiert. Unterhaltung, die „ewig“ dauern könnte.

Rezension: NR. 151
29. September 2009

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