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Anja Burkel: Was darf´s denn sein, junger Mann?

Anja Burkel Humorvoller Roman mit Romantik

Als der Bank-Manager und Workaholic Fred bei einer Hochzeit ordentlich ins Fettnäpfchen tritt, ist bei seiner Lebensgefährtin Leni der Ofen aus. Sie hat die Nase voll von ihrem egoistischen, karrieregeilen Freund. Kurzerhand macht sie Schluss und schmeißt Fred aus der Wohnung. Nun hat Fred ein Problem. Da Leni, sein Personal Assistant für Wäsche, Essen und  Einkauf, quasi gekündigt hat, braucht er schnellsten einen Ersatz. Beim Frühstück in einem Hotel fällt sein Blick auf  die Anzeige einer  Seniorenresidenz. Ein perfektes Quartier…

Seniorenresidenz St. Ambrosius

Das Altenheim versprach nicht nur Arzttermine im Haus, sondern auch Wasch- und Bügelservice, Essen vom Wärmeteller, das zu jeder gewünschten Tages- und Nachtzeit aufs Zimmer kam, Einkaufsdienste, 24-Stunden-Notglocke. Der ganze Support, den Leni bisher für ihn geleistet hatte, war im Heim inklusive.

Mit seinen Hartschalenkoffern und einer Kleiderstange voller Maßanzüge zieht Fred ins Altenheim. Und er ist begeistert. Nun kann er ohne schlechtes Gewissen auf die Notklingel drücken, um Kakao zu bestellen. Um seine chronischen Schmerzen in der rechten Bauchseite kümmert sich ein kompetenter Arzt, um seinen verspannten Nacken eine Physiotherapeutin. Schonkost tut seinem gestressten Managerkörper gut und bei der täglichen Wassergymnastik bekommt er seinen Kopf frei. Voll und ganz widmet er sich nun auf seine beruflichen Aufgaben und konzentriert sich auf seinen nächsten Karrieresprung zum Senior Manager bei MyMoney.

Getting things done

Wäre da nicht die ruppige Altenpflegerin Agata Kaminska. Und sein Chef, der es gar nicht gut findet, dass Fred ohne Freundin ist. Ein angehender Senior Manager hat schließlich ein intaktes Beziehungsleben und konkrete Vorstellungen über eine eigene Familie! Nicht nur, dass Fred seinen Wohnsitz aus Imagegründen geheim halten muss, ist er nun auch dazu gezwungen Agata als seine Freundin zu engagieren, um dem Bild eines perfekten Seniormanagers zu entsprechen. „Getting things done“ ist Freds Credo und ohne viel über die Konsequenzen nachzudenken, organisiert er sein Doppelleben.

Fred sollte einem wirklich unsympathisch sein, entspricht er doch voll und ganz dem Klischee eines karrieregeilen Yuppies. In seiner Beziehung zu Leni, die ja nur einen nice-to-have-job hat, zählen nur seine egoistischen Bedürfnisse, die sich ausschließlich nach seiner Arbeit richten. Dass er unfähig ist, sich im Supermarkt zurecht zu finden oder sich um seine Wäsche zu kümmern, müsste eigentlich einen Aufschrei der weiblichen Leserschaft hervorrufen. Der Autorin gelingt es aber, Fred mehr als fehlgeleiteten und ungeschickten als egozentrischen Charakter darzustellen. Spätestens bei seinem Umgang mit den Mitbewohnern der Seniorenresidenz erwärmt sich das Leserherz für den Manager.

„Du arbeitest zu viel, Junior. Glaub mir, auf seinem Sterbebett hat noch keiner gesagt: Hätt‘ ich nur mehr Zeit im Büro verbracht!“

Mit Fred hält Anja Burkel der Business-Welt humorvoll den Spiegel vor. Gerade lächerlich wirkt es, wenn der Held in der markigen Businesssprache mit Senioren spricht und richtig komisch, wie diese darauf reagieren. Der Leser hat definitiv den Lacher auf seiner Seite. Mit viel Situationskomik, witzigen Dialogen und einer flott erzählten Handlung ist dieser Roman ein empfehlenswertes und gelungenes Vergnügen. „Was darf’s denn sein, junger Mann“ ist im Ullstein Verlag als E-Book erschienen.

Rezension: NR. 378
4. Juni 2017

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